Christopher Street Day–Gegen die Feder im Arsch

von Ralf Ostner

Der Christopherstreetday ist so ein Metropolenereignis zur Gleichberechtigung von Homosexuellen, der in allen Metropolen und auch unter Beteiligung aller etablierten Gruppen und Parteien in den Großstädten abgehalten wird. Daran stören mich zweierlei Sachen, wie auch viele „Normalbürger“. Genauso wie es Hetreosexuelle gibt, die ihre Sexualität offen zur Schau bringen, exhibitionistisch mit ihrer Sexualität prahlen, so eben auch die Homosexuellen auf dem Christopher Street Day. Wie der Heterosexuelle damit protzt, was für ein sexistischer Gewaltmensch und Sexualprotz ist, der tausende Weiber flachlegt, so betonen die Homosexuellen ihre Sexualität ganz offen.Billige Angeberei und Exhibitionismus.

Dass Sexualität wie Religion eher eine Privatsache sein sollte mit der man den öffentlichen Raum nur partiell einnimmt, wird in beiden Fällen vergessen. Man will sich extrovertiert und exhibitionistisch zur Schau stellen, wie dies Heterosexuelle und Atheisten und Agnostiker zumeist nicht tun. Zumal knüpfen sie inzwischen in den Metropoloen an einen Mainstream an, der von SPD bis CSU, Teile der AfD und selbst der Polizei geteilt wird. Rebellisches oder gar Revolutionäres ist da scheinbar nur noch in der Form aufzumachen, dass man sich als Homosexueller als Abklatsch des brasilianischen Karnevals gebärdet, angeblich bunt und kreativ wäre–mit der Feder im Arsch!.Es wäre ja auch ein interessantes Gedankenspiel, wenn sich Homosexuelle an einem Christopher Street Day mal als durchuniformierte Anzugsträger mit Schlips und Krawatte und Diplomatenköfferchen gebärden und aufmarschieren würden. Obwohl breite Teile diesen Jobs nachgehen, wollen sie doch an diesem Tag als der Antispießer dastehen, der aber jetzt feiert, dass es eine ebenso spießige Homoehe geben darf. Von daher ist das Rebellentum nicht mehr eine Grundsatzbewegung, sondern nur noch der Form nach gegeben–in den Städten.

Auf dem Lande sieht es ganz anders aus. Hier herrschen noch die traditionellen Krieger-, Trachten,- Veteranen-, Gebirgsschützenvereine, die als CSU-Leitkultur die heterosexuelle Familie als Ziel haben und für die Homosexualität Teufelswerk und „unnatürlich ist.In unserem Dorf gibt es ein homosexuelles Paar, das nun nach München gehen muss, da es im Dorf gemobbt und ausgegrenzt wird.Zumal seine eigene katholische Mutter dies auch als „unnatürlich“findet und es „so“besser findet, wenn der Bub nach München zieht. Daraus ergeben sich zweierlei Forderungen: Bekämpft die Homophobie mal auf dem Lande und da möchte ich all jene homophilen Verteidger in Großstädten wie die SPD und die CSU mal auf dem Lande sehen. Faktisch arrangiert man sich ja mit der Zweiteilung, dass SPD und CSU die größten Christopher Street Daybefürworter in den urbanen Städten sind, zum anderen sind aber beide Parteien höchst schweigsam, wenn es ums Land geht. Da sind sie so, wie die US-Demokraten und US-Republikaner in den US-Städten, während im Mid West und Bible Belt niemals solch homosexuelle Filme wie „Broke back Mountain“mit schwulen Cowboys laufen dürfen ohne dass der Dorfpfarrer das Kino niederbrennt und man Trump als „angry white man“ wählt, der auch den Gendertoiletten den Kampf ansagt.Kurz. In der Metroploe reisst man opportunistisch gross das Maul auf, auf dem Lande stillschweigt man  lieber mit Blick auf die Wählerstimmen.

Zum zweiten sollte man diese paradiesvogelmässige und karnevaleske Zurschaustellung von Homosexualität einmal begrenzen und sich mehr als normaler homosexueller Bürger mit anderen normalen heterosexuellen Bürgern als Bündnispatrner gebärden und demonstrieren.

Zumal sollte man mal aufhören, die Sexualität so überzubewerten. Diese Sichtweise wurde ja mit Sigmund Freud begründet, wonach der Sexualtrieb der eigentliche Lebenstrieb des Menschen sei und sexuelle Unterdrückung überhaupt erst Zivilisation begründen könne, wenngleich Neurosen mit sich bringe, die psychoanalytisch behandelt gehörten. Der Gegenpunkt dazu war Wilhelm Reich von der Frankfurter Schule, der in der sexuellen Unterdrückung und der bürgerlichen Kleinfamilie die Wurzel allen Faschismus und Stalinismus sah–so formuliert in seiner „Massenpsychologie des Faschismus“. Die 68er Studentenrevolution nahm diesen Gedanken auf–von der Kommune 1 in Berlin bis zu den Marxisten-Reichisten Freiburgs oder Cohn-Behndit, der wie viele Linke die sexuelle Repression beseitigen wollten, damit den autoritären deutschen Charakter auflösen wollten und dies zumal am besten mittels einer Frühsexualisierung von Kindern in Kindergärten, die an der Grenze der Pädophilie vorbeischrammte oder diese wie in den erzkonsevativen katholischen Internaten oder liberalen Odenwaldsschulen auch zeitigten.

Wie die konservative Generation unserer Eltern nicht über Sexualität redete, so wurde das Gerede über Sexualität der Zwang spätestens seit dem Kinsey-Report und Oskar Kolle. Sexberater wurden so inflationär wie Elternratgeber in der Pädagogik, wie auch bei den 68ern und der sogenannten sexuellen Revolution. Dass sich hieraus ein Sexzwang und ein Zwang ergab über seine Sexualität Bekenntnis öffentlich abzuliefern, Sex machen zu müssen, „Wenn einer mit derselben pennt, gehört er zum Establishement“ wie auch die sexuelle Revolution pornographische Züge annahm,in denen Frauen nur noch als Sexobjekt gesehen wurden, wird da oft negiertt. Es gab eigentlich nur von den französischen Postmodernisten einmal eine Schriften wie  Michael Foucalts Dispositive der Macht-Über Sexualität, Wissen und Wahrheit, die die sexuelle Repression der Konservativen gleichsetzte mit den sexuellen Zwängen der angeblich sexuellen Revolution und sexuellen Befreiung. Von daher sollte man Sexualität nicht so hochhängen,nicht so zwangsmäßig verordnen wollen,  weder Heterosexualität noch Homosexualität.Das gegenseitige Geprotze beider Seiten mit ihrer Sexualität lässt keinen individuellebn Spielraum, polarisiert und führt möglicherweise auch zu mehr Homophobie.



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