Die Identitätskrise der Identitären–Flucht aufs völkische Land?

von Ralf Ostner

Die Identitären haben ursprünglich ihre Hauptsäulen in Österreich und in Frankreich. Die frankophonen verbindet aber nicht zuviel mit den germanophilen Identitären, die sich mehr nach Deutschland und die Schweiz orientieren. Auch ist die französische Identitäre Bewegung nicht im Aufschwung. Der Richtungskampf des Front National schwächt sie, wie auch dass der Urvater des Ethnopluralismus Alain Benoist aus ihrer Sicht inzwischen im Multikultilager angekommen ist und die letzte symbolisch-spektakuläre Moscheenbesetzung unter Berufung auf Charles Allemagne ist auch schon Urzeiten her. Von daher konzentriert man sich auf die germanophile, wenngleich ethnopluralistische Bewegung in Deutschland, Österreich und Teilen der Schweiz. Die deutschen und vor allem österreichischen Identitären suchen ja vor allem symbolische Aktionen.

Sie konzentrierten sich vor allem in Deutschland auf München als ehemaliger Stadt der Bewegung, Berlin als nicht geheime, sondern eigentliche Hauptstadt und der 1%-Initiative von den AfD- Höcke- Poggenburg und Gaulandfans Jürgen Elsässer (COMPACT) und Götz Kubitschek (Sezession/Institut für Staatskunde), die die Flüchtlingskrise dazu nutzen wollten, einen eigenen völkischen Grenzschutz mit Putschaufforderunen gegen Merkel in Richtung Bundeswehr und Polizei zu forcieren. Da Merkel die Grenzen Deutschlands nicht mehr schützen könne, müsse das Volk und die Sicherheitskräfte den Grenzschutz und die Macht  in die eigene Hand nehmen (deswegen auch identitäre Versuche in der Bundeswehr Fuß zu fassen und die Aktion am Brandenburger Tor).

Das war der völlige Flop, spätestens ab dem Punkt als Orban, u.a. die Balkanroute blockierten, der Türkeideal kam und Österreich auch in Richtung Brenner mobil machte. Da braucht es keine Volksgrenze mehr. Die erhofften 1%, also 800 000 Deutsche, die sich der Bewegung anschießen würden, blieben auch aus. Pegida und AfD schlossen sich dem zwar geistig, aber eben nicht personell und materiell an oder nur zu ganz kleinen Prozentsätzen. Von daher wendeten sich die Identitären mehr Bayern zu, fanden in der Burschenschaft Danubia, die schon immer die Avantgarde, sei es bei den Neuen Rechten, dem Republikanischen Hochschulbund der Republikaner oder der Ethnopluralisten war, willfährige Aufnahme,.

Zwar gibt es auch einige identitäre Gruppen auf dem Land (z.B.Lenggries) , aber man wollte vor allem in München punkten. Dazu gab es im wesentlichen drei Pläne: Zum einen nicht so sehr auf die NPD, sondern das AfD-Umfeld, vor allem Bystron zu setzen und Kontakt aufzunehmen, da die AfD eher als ethnopluralistische völkische Partei im Gegensatz zu der mehr stramm Nazi-affinen NPD-Liste um Karl Richter (BfA-Stadtrat, der zuletzt in „Er ist wieder da“nebst „Der Untergang“seine filmischen Auftritte hatte) galt. Zum zweiten eine symbolträchtige Aktion wie am Brandenburger Tor in Berlin auf der Quadriga, diesmal in München am Siegestor und nicht der Feldherrenhalle, da letzteres leicht Assoziationen zum Hitlerputsch nahegelegt hätte, was dann aber auch nicht stattfand . Drittens: Mitgliedergewinnung mittels Plakaten, Veranstaltungen, Spuckis und Aufklebern, die aber auch nicht die erhoffte Wirkung erzielten, da sie zum einen runtergerissen wurden und die reichlich verbliebenen auch auf keine Resonanz eines vermuteten Volkswillens stiessen.

Zudem die CSU die Identitären in den Verfassungsschutzbericht aufnahmen, Kontakte der AfD zu den Idenitären beobachten liessen, an prominentester Stelle Bystron, der anders als die Linkspartei schon mal von Markus Markwort an den Lansinger Stammtisch im BR eingeladen wurde als fröhlicher AfD- Mitdiskutant.Die Hausdurchsuchung bei Bystron, der ausbleibende Erfolg, die Gegenaktionen der Linken, der erhöhte Beobachtungsdruck durch Verfassungsschutz und CSU führten dazu, dass sich die Hoffungen der Identitären in die Stadt der Bewegung nicht erfüllt haben. Die nächste Reaktion war, dass die Identitären, nachdem sie schon keinen nationalen Volksgrenzschutz hinbrachten, ein Boot fürs Mittelmeer mieteten, um die EU-Außengrenze selbst zu verteidigen. Nun mag Italien die ganzen Retterboote der NGOs nicht, aber ebensowenig, dass deutsche Rechtsradikale da plötzlich das Gewaltmonopol des Staates für sich reklamieren, weswegen das Boot der Identitären aufgebracht wurde und auch dies ein voller Mißerfolg war. Von daher kreist jetzt die Debatte innerhalb der Identitären, wenn es München, die AfD und das Mittelmeer nicht sein kann,man seine Aktionen nicht mehr ins Umland,konkret auch das Oberland fokusieren sollte.Mal abwarten, ob die Identitären da in eine Identitätskrise kommen, da ihr vermeintlich so völkisch denkendes Volk doch nicht so völkisch denkt.Denn auch das erhoffte Land ist da nicht so völkisch wie einige Rechtsradikale allgemein annehmen, sondern als Pendler in Großstädte und mittels der globalen Kommunikationsmittel schon nicht mehr so, wie sie es sich erhoffen.


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