Nordkoreakrise oder Konfrontation USA-Indien gegen China?

von Ralf Ostner

Im Falle Nordkorea fällt auf, dass es momentan auf Spott umschaltet, zumal seinen Guamplan für Mitte August ankündigt mit dem Hinweis, darüber werde dann Kim entscheiden.Zumal nicht Guam selbst das Ziel zu sein scheint, sondern der symbolische Überflug über Japan/Hiroshima und die Raketen 30-60 Kilometer vor Guam im Meer landen sollten. Eine Provokation, aber sicherlich keine ernsthafte Gefahr. Hoffentlich sieht dies Trump auch so. Ungewohnt ist halt, dass ein US-Präsident zu solch polternder Rhetorik greift wie sein Gegenpart–aber das hatten wir ja auch im Falle Reagans desöfteren („Reich des Bösen“, „Sowjetunion auf den Misthaufen der Geschichte werfen“,Atomkriegswitze, etc.).Also ist es angebracht mehr auf die Taten zu achten als auf die Rhetorik. Wenn man sich die Op-Ed (Opinion-Edition) des heutigen People´s Daily, der chinesischen Volkszeitung ansieht, so werden dort gleich 3 Konfikte benannt:Nordkorea,Südchinesisches Meer und Indien.

Nach Ansicht der staatlichen chinesischen Zeitung „Global Times“ sollte sich China im Falle eines nordkoreanischen Angriffs gegen die Vereinigten Staaten neutral verhalten. Wenn allerdings die Vereinigten Staaten und Südkorea zuerst angriffen und versuchten, die nordkoreanische Regierung zu stürzen, werde China dies verhindern, hieß es in einem am Freitag veröffentlichten Leitartikel der Zeitung, die nicht die Politik der Regierung wiedergibt. China gelinge es nicht, die Vereinigten Staaten oder Nordkorea zum Einlenken zu bewegen. Sollten chinesische Interessen betroffen sein, werde China sich jedem widersetzen, der am Status Quo etwas ändern wolle.

Interessant ist, dass Trump gleichzeitig zur Nordkoreakrise nun auch im Südchinesischen Meer China provoziert und das US-nahe Indien im Himalaya zündelt. Dabei könnte man ja der Meinung sein, dass die USA nun mehr auf Chinas Unterstützung setzen würden und es den USA freundlich gesinnt machen wollten–stattdessen gehen die USA zusammen mit Indien auf Konfrontation mit China.Desweiteren stellt Trump in seiner neuesten Rede den Irandeal infrage und gibt es die Diplomatenaffäre mit Kuba. Gleichzeitig verkündet Trump die Aufrüstung der USA, Milliarden für die Erweiterung der Atomwaffenarsenale und die Raketenabwehr. Trump eskaliert also an allen Fronten und zeigt Stärke gegenüber gleich mehreren Gegnern.

Man darf auch gespannt sein, wie sich der indisch-chinesische Grenzkonflikt entwickelt.Handelt es sich dabei nur um eines jener ewigen Grenzscharmützel zwischen China und Indien, die nicht weiter erwähnenswert sind. Oder will Modi, der inzwischen immer näher an die USA nahegerückt ist, hier zum 55jährigen Jahrestag Revanche für das demütigende 1962, um zu zeigen, dass Indien die Regionalmacht Asiens ist. Zudem die Differenzen zwischen China und Indien im Falle des Indischen Ozeans und des Südchinesischen Meers ja auch zugenommen haben und Chinas Versuche auf Sri Lanka einen Hafen zu bauen wieder Fortschritte machen, Indien versucht die Neue Seidenstrasse-OBOR-Initiative Chinas zu Lande und zu See zu behindern und sei es nur durch Unterstützung des belutischen Seperatismus in Pakistan, um den Wirtschaftskorridor und den Hafen in Gwadar zwischen China und Pakistan zu sabotieren. Dies würde aber bedeuten, dass im Falle solch eines Revanchekrieges Indien sich langfristig anders aufstellt und sich mehr in die US-Front gegen China offen einreihen würde trotz bisheriger relativer Distanz und BRICS.

Die Situation um Nordkorea eskaliert weiter. Bleibt abzuwarten, ob eine der beiden Seiten im letzten Moment noch einlenkt. China spricht ja immer von Mäßigung, wobei bei beiden Seiten da aber nichts zu sehen ist.China hofft wohl zurück zu den 6er Gesprächen zu kommen, aber danach sieht momentan nichts aus. In der konkreten Situation empfiehlt sich die  Lektüre der Studie „Rethinking Armageddon-Scenario Planning in the Second Nuclear Age“ des Center for Strategic Budgetary Assement (CSBA) und hier speziell das Kapitel zu Nordkorea und hier nochmals die Passagen ab Seite 76, in denen verschiedene Kriegsszenarien eines Koreakrieges aus der Sicht Nordkoreas durchgespielt werden:

http://csbaonline.org/uploads/documents/CSBA6158-NuclearScenarios-PRINT_Final.pdf

Der Zeitplan ist auch interessant: Am 15. August soll der Guamplan vorliegen, dann wird Kim entscheiden. Zudem hat dieser Termin auch hohe symbolische Bedeutung in der kroeanischen Geschichte.Am 15. August ist auch der Tag des Kriegsendes: Ende WK II in Fernost, „Befreiung Koreas von japanischer Besatzung“, gleichzeitig der Beginn der Teilung der Halbinsel in zwei Besatzungszonen.Trump hat schon erklärt, selbst wenn Kim die Raketen ins Meer vor Guam versenke, dies eine harsche , wohl militärische Reaktion der USA nach sich ziehen würde. Ab dem 21. August wollen die USA und Südkorea gemeinsame Manöver in Südkorea abhalten.China dürfte versuchen, die USA dazu zu bewegen, die Manöver zu canceln für den Fall, dass Kim auf sein Guamabenteuer verzichtet. Ob aber eine der beiden Seiten da einlenkt, bleibt abzuwarten.

Auch fragt sich falls es zu einer Entspannung im letzten Moment und zu einer Rückkehr zu Gesprächen kommen sollte, über was man überhaupt verhandeln soll. Denuklearisierung ist für Nordkorea inakzeptabel, sein Raketen- und Atomprogramm sei „nicht verhandelbar“so Kim Yongun. Würden sich die USA damit zufrieden geben, wenn Nordkorea auf seine Raketentests, vor allem was die Interkontinentalraketen betrifft verzichten würde. Auch schwer vorstelltbar, auch die Frage inwieweit so etwas überhaupt praktisch umsetzbar wäre, zumal Nordkorea dies auch überhaupt nicht will. Zudem hat es seinen Status als Atommacht in seine eigene Verfassung hineingeschrieben. Es will als Atommacht mit Interkontinentalraketen auf Augenhöhe mit anderen Atommächten anerkannt werden, was für die USA wiederum inakzeptabel sein dürfte.

Gleichzeitig finden in Europa seitens der NATO und Rußlands auch gegenseitige Manöver statt, damit Putin eine Krisensituation in Asien nicht dazu ausnutzen kann, in Europa einen Konflikt zu beginnen, wenn die USA mit Nordkorea oder China beschäftigt sein sollten.

In der Nordsee halten der amerikanische Flugzeugträger George H.W. Bush und eine britische Trägerkampfgruppe das Marinemanöver „Saxon Warrior“ ab. Letzten Monat hatten bereits 25.000 NATO-Soldaten an dem Manöver „Saber Guardian“ in Ungarn, Rumänien und Bulgarien teilgenommen.

Die Nato veranstaltet in ganz Osteuropa Militärmanöver. Tausende von NATO-Soldaten sind auf dem Weg nach Polen und die baltischen Staaten an der russischen Grenze, und in der ehemaligen Sowjetrepublik Georgien beteiligen sich zweitausend US-Soldaten an dem Manöver „Noble Partner“, dem größten US-Militärmanöver in Georgien seit 2008. Damals hatte, im Einvernehmen mit den USA, die georgische Armee russische Soldaten der Friedenstruppe angegriffen und getötet, die im Norden des Landes stationiert waren, und damit einen Kurzkrieg zwischen Russland und Georgien ausgelöst.

Washington erwägt derweil, die Regierung in Kiew mit Waffen zu beliefern. Die USA hatten dies bereits im Jahr 2015 vor, nahmen dann aber Abstand davon, als Deutschland und Frankreich warnten, eine Eskalation könne einen offenen Krieg mit Russland auslösen. Beide Länder handelten dann in eigener Regie das Friedensabkommen von Minsk aus.

Auch Moskau organisiert Militärmanöver. Nach gemeinsamen Marineübungen mit chinesischen Lenkraketenzerstörern in der Ostsee veranstaltet es jetzt internationale Militärmanöver, an denen unter anderem Truppen aus China, dem Iran, Ägypten, Angola, Usbekistan, Venezuela und Simbabwe teilnehmen. Es bereitet sich außerdem auf das Sapad-Manöver im Westen Russlands vor, an dem im nächsten Monat laut NATO bis zu 100.000 Soldaten teilnehmen könnten.

Das beispiellose Ausmaß dieser seit dem Ende des Kalten Krieges größten Manöver ist ein politisches Warnsignal. Deutschlands Außenminister Gabriel warnte vor einem neuen „1914“, was wohl eine übertriebene Dramatisierung der gegenwärtigen Situation ist, die auch mehr der German Angst und dem Wahlkampf geschuldet ist. Dennoch gehen die weltweiten Trends zu weiterer Militarisierung der Außenpolitik, Aufrüstung und Konfrontation und ist eine derartige Entwicklung mittel- bis langfristig nicht auszuschließen.

 

 



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