GEZ-Demo der AFD– GEZ-Rebellen formieren sich!

In Oldenburg findet jetzt eine Demo gegen die GEZ statt, die vor allem von der Rechten um die AfD und Elsässer organisiert und unterstützt wird.Der GEZ kann man nicht entkommen, da diese Zwangsgebühr von jedem erhoben wird, egal was er oder sie schaut oder hört. Man müsste sich schon zum technikfreien Neanderthaler in einer Höhle rückentwickeln, um dem zu entgehen. Hier der Demo-Aufruf vom rechtsradikalen COMPACT-Redakteur  Jürgen Elsässer, wobei viele Kritikpunkte ja stimmen:

„Kundgebung gegen #GEZ-Zwangsgebühren und Medienmanipulation am Samstag, 19.8., 11 Uhr, Rathausmarkt. Aus dem Aufruf des Landtagsabgeordneten Stefan Räpple:

Seit 2013 werden die Rundfunkbeiträge wie eine Wohnungssteuer von jedem Haushalt im Land durch den Beitragsservice von ARD, ZDF und Deutschland-Radio, früher kurz die GEZ (Gebühreneinzugszentrale) genannt, eingetrieben.

Dagegen gehen nun die Bürger am Samstag, 19. August 2017 ab 11 Uhr auf die Strasse. Auf dem Rathausplatz in Offenburg wird eine Kundgebung gegen die Rundfunkgebühren stattfinden. „Genug abGEZockt“ ist das Motto der Demo, die auf eine private Initiative von Stefan Räpple zurück geht. Als Redner werden Jürgen Elsässer, Christiane Christen und Thomas Kinzinger erwartet. Stefan Räpple selbst wird die Kundgebung moderieren.

Auf 8,3 Milliarden Euro beliefen sich die erhobenen Zwangs-Gebühren im Jahr 2014 in Deutschland. Eine aktuellere Summe ist konkret bisher nicht veröffentlicht. Inzwischen dürfte der Betrag weit höher sein. Ein gestiegener Finanzbedarf wurde bereits angemeldet.

Im Nachkriegsdeutschland wurden nach dem Vorbild der englischen BBC Rundfunkanstalten eingerichtet. Der Auftrag war, eine Grundversorgung der Bevölkerung mit neutralen und aktuellen Informationen zu ermöglichen. Sie wurden mit dem Ziel der Wahrung politischer und wirtschaftlicher Unabhängigkeit eingerichtet. Heute haben wir 23 Fernsehsender und aktuell 89 Radiosender in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft. Tendenz steigend. Die Finanzierung dieser Medienmoloche – eher einer Hydra gleichend – wird dem Bürger auferlegt.

Seit jeher entsenden die Kartellparteien Vertreter in die Gremien der Sender, mit dem Ziel, dort ganz direkt parteipolitische Interessen zu vertreten. Man erinnere sich z.B. an den damaligen Ministerprsidenten Hessens, Roland Koch (CDU), und dessen frontalen Angriff gegen den ZDF-Chefredakteur Nicolaus Brender, der im Jarhe 2009 von ihm gemobt wurde. Letztinstanzlich hat Brender gegen seinen Rauswurf gewonnen. Dennoch sind politische Neutralität oder gar sparsamere Mittelverwendung ist in den Rundfunkanstalten bis heute ein Fremdwort.

Elf Intendanten mit je 250 000 € bis 400 000 Euro Jahresgehalt plus elf mal Pensionsverpflichtungen für diese Intendanten jeweils in Millionenhöhe; Millionengagen für Moderatoren seichter Unterhaltungssendungen werden überversorgt. Hunderte von Millionen für aberwitzig teuere Sportübertragungsrechte werden verpulvert, die überhaupt erst durch das Mitbieten von ARD und ZDF in diese astronomischen Höhen getrieben wurden.

Die Geldverschwendung ist immens. Laut einem Bericht der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs sind bisher 150 Tochtergesellschaften um ARD und ZDF herum entstanden. Die Tochter eines Bundesministers und Ehefrau eines hiesigen Landesministers ist Geschäftsführerin einer hundertprozentigen Tochter, der ARD-Degeto. Die wird mit ca. 80 Mitarbeitern und einem Jahresetat von ca. 400 Millionen Euro natürlich ebenso zwangsbeitragsfinanziert wie alle anderen Ableger, Tochtergesellschaften oder outgesourcten GmbHs und Nebenbetriebe. Alles zu Lasten des Gebührenzahlers.

Wer weniger leistet, als er an Leistung bietet, der muss Zwang anwenden, um ans Geld zu kommen. Genauso verhält es sich bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten und den von ihnen erhobenen Rundfunkbeiträgen.

Wer diese nutzungsunabhängige Zwangsabgabe nicht bezahlt, wird im schlimmsten Fall inhaftiert. Wenn es um die Eintreibung der Rundfunkbeiträge geht, kennt die Staatsmacht kein Pardon. Da zeigt sie sich von einer geradezu rabiaten Law-and-Order-Mentalität gegenüber den Rundfunkgebührenverweigerern. Bei Kriminellen, Gefährdern und Intensivtätern – egal welcher Herkunft – sind die beteiligten Behörden um einiges toleranter.“

https://juergenelsaesser.wordpress.com/2017/08/15/genug-abgezockt-kundgebung-19-8-in-offenburg-mit-raepple-leyla-bilge-elsaesser-u-a/#more-9067

Schon witzig, wie sich ein rechtsradikaler Verschwörungstheorertiker und Freund autoritärer Dikaturen ala Orban oder Putin wie Elsässer als Garant von objektiver Meinungsfreiheit und Medienfreiheit aufschwingt, würde er doch lieber seine Contents als COMPACT-Staatsfunk unter der Ägide eines Höckeschen AfD-Propagandaministeriums haben. ARD dann als AfD-Rundfunk Deutschlands im COMPACT-Format. Auch interessant, dass er da die Wahrheit mal wieder verschweigt. Demoorganisator Stefan Räpple ist nicht nur Landtagsabgeordneter, sondern Landtagsabgeordneter der AfD und seine private Initiative wohl nicht so privat, sondern eher Parteiangelegenheit, zumal die AfD ja auch als Partei kräftig gegen die GEZ und die „Systemmedien“ hetzt. Über Räpple kann man auf seiner AfD-Homepage auch noch folgende Vita lesen:

„Stefan Räpple, 34 Jahre aufgewachsen im Café Räpple, Bad Peterstal

2001 Konditor Bad Peterstal-Griesbach
2008 Studium Lehramt Mathematik, Geographie, Geschichte
2009 Stipendiat Stiftung Deutsche Wirtschaft
2009 Hochschulrat Pädagogische Hochschule Freiburg
2010 Gründer RockYourLife! Freiburg e.V. (Studenten coachen Hauptschüler)
2012 Mitglied Hauptvorstand Verband Bildung und Erziehung Baden-Württemberg
2013 Gründer Junge Alternative für Deutschland
2014 Stellvertretender Sprecher AfD Ortenaukreis
2014 Vorsitzender des Landesfachausschusses Bildung/Forschung/Kultur
2015 Ausbildung zum Hypnoanalytiker und zum Heilpraktiker für Psychotherapie
2015 Mentaltrainer und Psychologischer Berater mit eigener Praxis“

Kurz ein AfD-Politiker und Hypnoanalytiker, Mentaltrainer und psychologischer Berater–also ein Typ, der sich auf Manipulationstechniken versteht und diese auch gerne einsetzt, zumal gegen klingende Münze–soweit zur Unabhängigkeit und zum Vorwurf der Medienmanipulation. Der Mann würde wohl am liebsten mittels eines AFD- Senders selbst gerne die Bevölkerung psychologisch und politisch manipulieren. Doch Teile der GEZ- Kritik stimmen, auch die Verfilzung mit der Politik, die die politische Unabhängigkeit der Programme und Cointents doch stark einfärbt.AfD und Rechtsradikale stört daran aber nur, dass momentan die anderen demokratischen Parteien da die begünstigten sind und nicht sie selbst so, weswegen sie lieber ihre verschwörungstheoretischen Alternativmedien begünstigen wollen und die Stellung der anderen Parteien im Öffentlich-Rechtlichen schwächen wollen. Am liebsten wäre ihnen aber ein autoritärer eigener AfD-Propaganda- Sender mit „Mut zur Wahrheit“ samt Fake News.

Kritik an der GEZ und dem öffentlich-rechtlichen, aber eben auch privaten Fernsehen und den Medien ist durchaus berechtigt, aber grundlegend ist: GEZ-eine Frage der Finanzierung oder der Programminhalte?

Kritik allerortens seitens sogenannter GEZ-Gebührenrebellen ist immer öfter zu vernehmen. Hier gibt es zwei große Lager: Die einen treten für die Privatisierung und weitgehendste Abschaffung der öffentlich-rechtlichen Medien ein. Die anderen wollen die Gebühren- durch eine einkommensabhängige Steuerfinanzierung ersetzen. Es wird sich also an der Finanzierung aufgehangen und die Frage der Programminhalte, also was man dafür erhält außen vorgelassen, was ein Indikator ist, dass den meisten GEZ-Rebellen das zumeist bildungsferne Unterhaltungsprogramm doch wieder sehr recht ist und einige sogar solche politikfreien und bildungsfreien Programme wie in den Privatmedien mit viel Werbeblöcken sogar bevorzugen würden–Hauptsache gratis, es kostet nichts–Geiz ist geil! Berlin bei Tag und Nacht dann wirklich Tag und Nacht lang, die völlige Verblödung!

Zur Frage GEZ oder Mediensteuer–mir ehrlich gesagt scheißegal. Mich kotzen diese inflationären Tatorts, Regionalkrimis, die Pilchers, Utta Donella, Traumschiffe, Traumhotels und wie dieser ganze Schrott heißt, völlig an. Es geht mir bei der Diskussion der Medien nicht um die Frage der Finanzierung, sondern der Contents. Und dass diese in beiden Sparten unterirdisch sind, nichts mit dem Bildungsauftrag zu tun haben, ist wohl klar. Und jetzt bitte nicht die Verteidigung von solch Ausnahmen wie einigen Sendungen bei ARTE, Phönix oder 3 Sat wie Offene Karten oder Scobel. !% macht eben nicht 99% . Ein Dokumentarfilmer, den ich kenne meinte, dass in den öffentlich-rechtlichen nur noch 80 Dokus gedreht würden, zumal Mainstreamstoff mit soften Themen, die wahren sozialkritischen Dokufilmer da keine Chance hätten, zumal auch die privaten Sender wie ntv oder n-24 (Springer=BILD/Welt)nur mit Ufo-.Nazi-Schrott und den giftigsten Tiere, den härtesten Knäste, etc. zugemüllt werden. Nun wollen Amazon und Netflix in die Dokusparte rein, aber ich schätze mal, dass nach einer Experimentierphase wie sie es auch ganz kreativ beim Privatfernsehen in seiner unmittelbaren Gründungszeit gab, auch dieses Programm samt Dokus sehr Mainstream und unpolitisch werden wird.

Ein Bekannter meinte dazu:

„Amazon und Netflix werden sehr gute Dokus senden zukünftig. Erstens weil sie zahlen, zweitens weil sie Reichweite haben und drittens, weil sie (noch) experimentierfreudig sind.“

Die alte Mär: Der Markt schafft Qualität, weil´s zahlungskräftiges Publikum gibt. Zahlungskräftig vielleicht, aber auch an Bildungsinhalten interessiert? Eine Twittergeneration, die Nachrichten bitteschön auf 140 Zeichen kompakt und leicht verdaulich reduziert haben will, weil anderes schon zu anstrengend und zu ellenlang zu lesen ist, wird wohl kaum der Konsument für tiefergehende Dokus werden. Und die wahren Dokukünstler ala Peter Scholl-Latour, der geopolitische Analyse mit Karl-May-Abenteuerreiseberichten 2-3 stündig in Epenform zu verbinden wusste und auch noch selbst in die Kriegsgebiete ging sind ohnehin ausgestorben–was auch damit zusammenhängt, dass im Zuge kapitalistischer Personalkosteneinsparung die Auslandskorrespondentennetze der Zeitungen stark reduziert wurden.

Netflix und Amazonkonsumenten dürften eher solch einen Geschmack wie die Zuschauer des Jugendsenders Pro7-haben, mehr an Infotainment und Häppchenwissenssendungen ala Gallileo oder Welt der Wunder interessiert sein. Und wie gesagt: Mit der Experimentierfreude ist´s dann auch spätestens nach 3-5 Jahren vorbei, wenn klar wird, wo der Mainstream her weht. Und der selbsternannte Nerd von heute schaut sich lieber Soapoperas über Wissenschaftsnerds ala „Big Bang Theory“in Endlosschleife an als Sendungen oder gar Dokus über Wissenschaft , Wirtschaft und Politik.Fakt ist, dass geopolitische, volks-/weltwirtschaftliche Sendungen, die auch Zusammenhänge erklären es nicht in die Programme der Öffentlich-Rechtlichen (von den Privaten ohnehin nicht zu erwarten) geschafft haben und es wahrscheinlich auch nicht bei Netflix und Amazon schaffen werden. Eher werden solche Dokus dann von alternativen Verschwörungsanbietern dargereicht, die dann ihre Sicht der Dinge und Weltenerklärungen dem zumeist bildungsscheuen Publikum als Bildung verkaufen und nachgefragt werden, da sie eben einfache Erklärungen haben, die nicht sehr komplex und einfach konsumierbar sind und sogenannt und angebliches verbotenes Geheimwissen, das vom Mainstream und dem Establishment unterdrückt würde sensationsträchtig offerieren.

 

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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