Was hat der Islam mit dem Terrorismus zu tun?

„Charlie Hebdo“-Titelseite sorgt für Empörung

23.08.2017, 16:43 Uhr | dpa

Die französische Satirezeitung „Charlie Hebdo“ sorgt mit ihrer neuen Ausgabe für Kritik und heftige Diskussionen. Auf der Titelseite wird der Islam indirekt mit Terrorismus gleichgesetzt.

Auf der Zeichnung liegen zwei Menschen in Blutlachen, während im Hintergrund ein Lieferwagen davonfährt. Daneben steht: „Islam, Religion des Friedens … des ewigen Friedens!“ Eine Reihe von Nutzern sozialer Netzwerke reagierte empört und warf dem Blatt unter anderem vor, Stimmung gegen Muslime zu machen. Die Zeitung ist für bissige Religionskritik und provokante Karikaturen bekannt, mit denen sie immer wieder aneckt.

Eine Twitter-Nutzerin schrieb, sie sehe den Sinn der Titelseite nicht, „außer Hass und Islamophobie noch weiter anzuheizen“. Ein Facebook-Kommentar warf dem Blatt vor, das Spiel der extremen Rechten zu spielen. Der frühere sozialistische Minister Stéphane Le Foll kritisierte im Sender BFMTV: „Zu sagen, dass der Islam als Ganzes eine „Religion des Friedens“ sei – also unterschwellig eine „Religion des Todes“ – ist extrem gefährlich.“ Andere Nutzer verteidigten das Blatt hingegen und verwiesen auf die Redefreiheit.

Die komplette Titelseite der umstrittenen neuen Ausgabe von "Charlie Hebdo". (Quelle: dpa)

Die komplette Titelseite der umstrittenen neuen Ausgabe von „Charlie Hebdo“. (Quelle: dpa)

Zu wenig Diskussion über den Islam?

Im Editorial der am Mittwoch erschienenen Ausgabe kritisiert Redaktionsleiter Riss, dass die Debatten „über die Rolle der Religion und insbesondere des Islams“ bei Anschlägen komplett verschwunden seien. „Heute stellt sich niemand mehr Fragen über die Rolle des Islams in der Ideologie des sogenannten Islamischen Staats.“ Die umstrittene Zeichnung wird auch auf dem Cover der deutschen Ausgabe von „Charlie Hebdo“ erscheinen, die an diesem Donnerstag erscheint.“

http://www.t-online.de/nachrichten/panorama/id_81955526/-charlie-hebdo-titelseite-sorgt-fuer-empoerung.html

„Das hat der Islam mit dem Terror zu tun“

Es würde mich interessieren, wie DITIB und die Erdotürken folgende Aussagen kommentieren würden:

ISLAMGELEHRTER FORDERT KLARTEXT
Das hat der Islam mit Terror zu tun

Es ist ein Alarm-Ruf – aus berufenem Mund: „Es gibt einen ganz klaren Zusammenhang zwischen Fundamentalismus, Terror und den Grundannahmen der islamischen Orthodoxie.“

Gesagt hat das der Islamgelehrte Yaha C. Staquf im Interview mit der „Frankfurter Allemeinen“ (FAZ). Staquf ist nicht irgendwer: Generalsekretär der größten Muslim-Organisation der Welt, der indonesischen „Nahdlatul Ulama“ (40 Mio. Mitglieder).

Und Staquf – selbst eher konservativ – schlägt Töne an, die in Deutschland nicht selten als Islam-Phobie abgetan werden. O-Ton Staquf: „Westliche Politiker sollten aufhören zu behaupten, Extremismus und Terrorismus hätten nichts mit dem Islam zu tun.“

Da ist die Diskussion um Islam und Terror zurück!

Staqufs Botschaft: Der orthodoxe Islam ist unvereinbar mit weltlich-westlichen Nationalstaaten! Der Gelehrte macht das an drei Kernpunkten fest – „am Verhältnis von Muslimen“:

► „zu Nichtmuslimen“,
► „zum Staat“,
► „zum Recht“.

Der Islam in dieser Auslegung stelle sich in Feindschaft zu Anders- oder Nichtgläubigen. Das „macht ein friedliches Zusammenleben in multikulturellen, multireligiösen Gesellschaften des 21. Jahrhunderts tendenziell unmöglich“, so Staquf.

Zustimmung kommt von namhaften deutschen Experten!

„Staqufs These ist richtig“, sagt Jan Ilhan Kizilhan (50), Kultur-Psychologe, Orientalist und Autor („Die Psychologie des IS“). Kizilhan, der u. a. Hunderte, von ISIS versklavte Jesidinnen betreut hat, zu BILD: „Köpfen, Foltern, Ermorden Andersgläubiger, wie es ISIS nun macht, ist nichts Neues: Juden, Jesiden und Christen mussten im Islam schon immer Kopfsteuern zahlen. Es gibt Hunderte Fatwas gegen Ungläubige, sogenannte Kuffars. Diese werden entmenschlicht, wer als Ungläubiger ausgemacht wird, ist rechtlos, hat kein Recht zu leben. Auf dieser Tradition, dieser Koran-Auslegung, fußt der Terror.“

Auch der Islam-Forscher und Psychologe Achmad Mansour (41, Uni Köln) ist sich sicher: „Der Terror hängt definitiv mit der Art und Weise zusammen, wie der Glaube in vielen muslimischen Gesellschaften gelebt und ausgelegt wird.“

Mansour zu BILD: „Die Verachtung für Andersgläubige, die Konzentration auf das Jenseits bei Verachtung für das Diesseits, das Schaffen von Feind- und Opferrollen sowie der Wahrheitsanspruch für den Islam – das alles macht es den Radikalen so einfach. ISIS hat das alles nicht erfunden.“

Harry Harun Behr (55), Islam-Professor an der Uni Frankfurt, zu BILD: „Keine Frage: Wir brauchen eine kritikfähige islamische Theologie.“ Der Islam müsse sich dem Terror-Problem stellen.

Muslimen-Führer Staquf mahnt auch den Westen: „Ein Problem, das geleugnet wird, kann nicht gelöst werden.“

Der Text ist bei BILD zu finden. (Ich habe ihn leicht gekürzt; außerdem wird er bei BILD durch alles Mögliche überwuchert, so dass man Schwierigkeiten hat, dem Text selber zu folgen. Die Hervorhebungen sind von mir.)

Es würde mich interessieren, weil ja nun Erdogan selbst den Dschihadismus “seiner Landsleute” in Deutschland, Österreich und den Niederlanden “vorhergesagt” hat:

Wenn ihr euch weiterhin so verhält, werdet ihr morgen nirgendwo auf der Welt, kein Europäer, kein Westler in Sicherheit und Frieden einen Schritt auf die Straße wagen. Wenn ihr diesen gefährlichen Weg weiterhin beschreitet, werdet ihr die größten Verlierer sein.

turkishpress

Erdogan und die AKP zelebrieren in der Türkei die Feindschaft mit dem Westen und der westlichen liberalen Kultur. Die “neuen Osmanen” haben uns den Krieg erklärt. Der Dschihad der Türken hat insofern schon angefangen.

Erdogans wüste Attacken auf uns, seine Aufforderung an “seine” Landsleute, sich gegen Deutschland und die Deutschen als Fünfte Kolonne zu positionieren, dazu die Geiselnahmen sind Einstiegsaktionen in diesen Krieg.

Natürlich unterscheiden sich die salafistische Variante des Dschihadismus und die (Erdogan näher stehende) Muslimbrüder-Variante, die sich in der Türkei mit einem türkisch-völkischen Chauvinismus kombiniert.

In Deutschland unterschätzt man den Eskalationsweg von Erdogan immer noch. Der Große Meister der Türkei wird noch sehr viel weiter gehen, als er bisher gegangen ist.“

http://blog.initiativgruppe.de/2017/08/22/das-hat-der-islam-mit-terror-zu-tun/

Neuerdings zeichnet sich eine neue Bewegung von links bis rechts ab: Ideologie- und Religionskritk am Islam und die Frage, wie dieser mit dem Islamismus und dem islamistischen Terrorismus zusammenhängt. Diese Frage war bisher tabuisiert und wurde vor allem von rechtsradikalen Counterjihadis auf den berühmt-berüchtigte Hetzseiten gestellt. Deswegen wurde sie auch als „islamophob“ zurückgewiesen und als nicht diskutabel tabuisiert, zumal man keinen „Generalverdacht gegen alle Muslime“ aussprechen wolle. Es ist interessant, dass nun von konservativer Seite wie etwa der FAZ, der BILD, wie aber auch von konservativen Muslimvertretern diese Frage nun offen ausgesprochen wird, aber eben auch linken Menschen wie der religionskritischen „Charlie Hebdo“ oder dem bisherigen multikulturellen Islamversteher und Grünenmitglied Leo Brux von der Initiativgruppe. Dabei ist der Koran und real existierende Islam durchaus kompatibel mit einer islamistischen und auch dschihhadistischen Auslegung. Genauso wie der Nationalismus der Konservativen und Nationalkonservativen (der aber auch weit in linke Parteien und selbst die Arbeiterbewegung hineinreichte)  kompatibel mit dem Faschismus waren oder eben Marxens Schriften ebenso mit Stalinismus, Maoismus und Trotzkismus, also dem linken Totalitarismus.

Die Diskussion krankt aber an einem Punkt: Seit 9-11 werden selbst die Millionen säkularer Menschen aus muslimischen Ländern pauschal unter den Label „Muslim“gezwängt, obgleich sie sich eher als säkular sehen, zudem mehr nach ethnischen oder nationalen Kriterien in ihrer Identität selbst verstehen als unter religiösen. Dadurch wird erst gar nicht versucht diese Millionen säkulare Menschen als politische Gegenkraft zu organisieren, sondern alle Hoffnungen auf einen Reformislam gesetzt, den man sich zumal noch von konservativen Theologen und Islamverbänden erhofft. Dies kann man auch daran sehen, dass sogenannte Islamexperten und Orientalisten jahrelang demokratische Reformhoffnungen in die islamofaschistischen Muslimbrüder und Erdogans AKP setzten, um nun enttäuscht darüber zu schweigen. Wobei Schweigen ja der falsche Begriff ist. Einige halten immer noch an den Muslimbrüder als Hoffnungsträger fest oder wollen uns nun die islamofaschistische Gülenbewegung als neue Reformkraft des Islam im Gegensatz zu Erdogans AKP verkaufen.Die Gefahr besteht allerdings, dass bei einer zu populistiscchen Islamdiskussion rassistisch auch die säkularen Menschen mit Migrationshintergrund aus muslimischen Ländern in einen Topf geworfen werden und da nicht mehr weiter differenziert wird. Daher ist diese Diskussion eine sensible Gratwanderung, die aber geführt werden muss.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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