Hurrikan Harvey, Irma und der Klimawandel-Sensationsjournalismus statt Aufklärung

von Ralf Ostner

Hurrikan Irma, Hurrikan Harvey sowie nachfolgende Hurrikane verwüsten die Karibik und den Süden der USA. Die Berichterstattung in den Medien dazu konzentriert sich auf ellenlange Berichte, dass es stürmt, wo die Hurrikane nun sind, ja man kann den Verlauf mini- und minutiös und live mitverfolgen, weiß dann aber auch nicht mehr, dass die Hurrikane die USA erreichen und eine Schneise der Verwüstung anrichten werden. Eigentlich nichts derart Berichtenswertes in dieser inflationären Ausführlichkeit und ich frage mich immer, was diese live-zugeschalteten Reporter an der Küste sollen, die auch nicht mehr sagen, dass es stürmt und demnächst noch viel mehr. Welch Erkenntnisgewinn. Bezeichnend ist, dass hier die eigentlich entscheidende Frage aus dem Fokus des Medieninteresses genommen wird: Inwieweit hängen diese Hurrikans nun mit dem Klimawandel zusammen, inwieweit ist dieser menschengemacht und wie verhält sich dies mit dem Ausstieg der Trump- USA aus dem Pariser Klimaabkommen. Bisher haben dies die Demokraten und die Trumpgegner noch nicht medial als die eigentliche Frage ins Zentrum der Aufmerksamkeit gestellt—in Zeiten der Not steht die Nation zusammen und stellt keine weitergehenden Fragen, während Trump sich als Retter der Nation inszenieren kann.

Gelegentlich taucht diese Frage aber am Rande auf, so z.B. in Form von Leserbriefen und Kommentaren, wie z.B. folgenden im Münchner Merkur. Während die eine Seite eine Verstärkung der Stürme infolge des menschengemachten Klimawandels behauptet, behauptet die andere Seite, dass es kein Indiz für mehr Hurrikans und menschengemachten Klimawandel gebe.Hier seien einmal zwei Leserbriefe zur letzten Position zitiert, die den Standpunkt klarmachen- so schreibt ein Dr.Andreas Uhlig aus Gräfelfing:

„Prof.Dr.Gerhard Berz schreibt in seinem oben genannten Leserbrief: „(…) entscheidend ist: Die Wahrscheinlichkjeit für extreme Stürme hat bereits zugenommen“.Dazu ist zu bemerken, dass die Fakten mit diesen Aussagen nicht übereinstimmen.Die Zahl der Hurrikans in diesem Jahrzehnt (bis einschlöießlich 2016), welche die Landfläche der USA getroffen haben, ist deutlich niedriger als in den vorgegangenen Jahrzehnten und die Windgeschwindigkeiten dieser Stürme sind deutlich geringer gewesen (keiner über 85 Knoten zwischen 2000 und 2016). Dies geht klar aus den Daten des Atlantic Oceanographic& Meterological Laborartory der USA hervor, die bis 1851 zurückgehen. Es existieren auch graphische Dartsellungen, welche die verstärkte Hurrikanaktivität im laufenden Jahr einbeziehen und eine langfristig sinkende Häufigkeit der Hurrikans der Stärke drei bis fünf aufzeigen.Auch die weltweite Zahl von Hurrikans mit Windgeschwindigkeiten von miondestens 96 Knoten zeigt seit den 1990er Jahren eine eher sinkenmde Tendenz auf. Die Schlussfolgerung von Prof.Berz, die heftigen Hurrikans, die in diesem Jahr aus dem langjährigen Trend fallen, seien eine zwangsläufige Folge des über Jahrzehnte ablaufenden Klimawandels, lässt sich in dieser Form, nicht aufrecht erhalten.Fest steht hingegen, dass bis zum Jahr 2016 Aktivität und Stärke der Hurrikans während Jahrzehnten abgenommen haben.“

Es wird also konzidiert, dass die jetzigen Hurrikans stärker als die vorigen sind, jedoch bezweifelt ob diese „Ausreisser“ einen langfristigen Trend oder gar eine Trendumkehr der vorigen Jahre begründen können. Während das Zentrum der Kritik also an der Frage der Häufigkeit, der Stärke und des Trends geäußert wird, stellt der nächste Leserbriefschreiber mit Doktortitel, Dr. Jürgen Langheine aus Gauting den menschengemachten Klimawandel generell infrage:

„Der oben genannte Leserbrief kann nicht unwidersprochen bleiben.Zwar werden darin die höheren Meerestemperaturen den stärker werdenden tropischen Wirbelstürmen richtig zugeordnet, für die Ursache der steigenden Meerestemperaturen wird jedoch ein menschengemachter Klimawandel verantwortlich gemacht. Als Meterologe sollte Herr Berz wissen, dass es in der Erdgeschichte häufig Klimaveränderungen gegeben hat, ohne dass der Mensch auch nur den Hauch einer Eingriffsmöglichkeit ins Klimageschehen hatte. Mit der Reduktion der Kohlendioxidkonzentration in der Atmospäre dieser Klimaänderung entgegentreten zu wollen, ist Aktionismus in falscher Richtung.Die Kohlendioxidanreicherung wird durch die Temperaturerhöhung bewirkt und nicht umgekehrt. Wir sollten unsere Lebensräume für diesen Klimawandel sicherer machen anstatt unsere finanziellen Mittel für unsinnige Aktivitäten zur Klimabeeinflussung wie das Pariser Klimaabkommen oder beispielweise die deutsche Energiewende einzusetzen.“

Nun weiß man nicht, welchen Doktortitel der Autor hat,ob es sich bei ihm überhaupt um einen Experten handelt oder um einen Hobbymeterologen mit Laubfrosch auf dem Leiterchen seines Einmachglas. Dazu bedeutet, dass es vor dem Menschen und in seiner frühen Existenz schon Klimawandel ohne menschliches Eingreifen gegeben hat  noch lange nicht, dass der heutige Klimawandel nicht doch durch die immense Industrialisierung und CO2-Emmissionen durch den Menschen bewirkt wird, ist also kein Gegenbeweis, sondern platte Polemik. Zumal eben auch 90% der heutigen Klimaforscher von einem menschengemachten Klimawandel ausgehen und es schon verwundern würde, wenn die alle falsch liegen würden, zumal eben auch über Hunderte von Regierungen, die deswegen das Pariser Kliamabkommen nach jahrzehntelanger Vorabeit abgeschlossen haben. Schwer zu beurteilen, ob es sich hier um einen ideologisch motivierten Klimawandelleugner handelt, der sein Wissen aus eben jenen zahlreichen unwissenschaftlichen Verschwörungsseiten bezieht oder ob diese Argumente stichhaltrig sind.Den menschengemachten Klimawandel kann er jedenfalls nicht plausibel entkräften.

Hier wäre es also Aufgabe der Medien für Aufklärung zu sorgen, einmal wissenschaftliche Sondersendungen und Diskussionen über den Klimawandel in den Fokus der Berichterstattung zubringen—stattdessen nur sensationsgeile Livebilder für potentielle Katastrophentouristen und Gaffer auf der Fernsehcouch, die an Bildern der Verwüstungen und Opferzahlen nicht genug bekommen können.



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