Warum ich weder Petra Kelly, noch Jutta Dithfurth noch Joschka Fischer nachtrauere

von Ralf Ostner

Oft ist zu hören, wie sich die Grünen doch von ihren Gründungsidealen verabschiedet haben. Als ideale Ikone und Göttin grüner Unschuld und als Founding Mother Earth wird da Petra Kelly romantisiert. Kelly war eine recht zerbrechliche, übersensible, weinerlich-radikalpazifistische Extremistin und Heulsuse, die sich Widerstand bestenfalls als zivilen Ungehorsam nach Vorbild der Civil Rightsbewegung ala Martin Luther King vorstellen wollte, ideologisch eine basisdemokratische, wie auch von ihr geträumte sanfte Hippiewelt von Love and Peace völliger Gewaltfreiheit meinte erzeugen zu können. Pipi Langstrumpflyrik eben. Diese Vernachlässigung aller realen Bedingungen, Machtverhältnisse, Gewaltverhältnisse führte sie zu einer idealistischen Weltsicht, in der sie symbolische Aktionen und sich selbst als Vorbild , das soft poweraustrahlung entfalten sollte, als geeignetes Mittel betrachtete. Zumindestens erreichte Kelly, dass die Grünen aufgrund ihrer zur Show getragenen Harmlosigkeit und Exotik in den Bundestag kamen, doch schon bald entfachte sich der Streit zwischen Fundis und Realos, aus dem sie einfach ausstieg und sich desillusioniert zurückzog, nachdem sie die Grünen nicht nochmals für den Bundestag aufstellten.

Dies überliess sie den Fundikräften um Jutta Dithfurth, die ebenso ideologisch-fundamentalitische Positionen, nur militanter vertrat und den Realos um Otto Schily, Joschka Fischer und Daniel Cohn-Behndit, bei dem Dithfurth unterlag und sich als Ökolinx in die Bedeutungslosigkeit verabschiedete. Die Realos wiederum ordneten alle Ideale nur noch der Machtfrage und der Regierungsfähigkeit unter. Ergebnis war die erste rotgrüne Koalition unter Schröder/Fischer, bei dem eine neoliberale Wirtschaftspolitik von Agenda 2010 mit Niedriglohnsektor, Befristung von Arbeitsverhältnissen, Reallohnkürzungen, Schwächungen der Gewerkschaften, Deregulierung der Finanzmärkte, des Arbeitsmarkts- und Arbeiterrechten vollzogen wurde, was in Kombination mit der Aufnahme Griechenlands in den Euro wesentlich zur Finanz- und Eurokrise 2008 Folgezeit führte. Die ersten Bundeswehreinsätze Deutschlands in Jugoslawien, wie in Afghanistan möchte ich beiden nicht vorwerfen, da diese nachvollziehbar waren, zudem beide sich nicht am Irakkrieg 2003 beteiligten, ja mit Frankreich in bewusste Opposition dazu gingen. Dennoch nervte mich an Fischer, dass er Jugoslawien mit dem Holocaust und Auschwitz begründete, also deutsche Geschichte instrumentalisierte, um Auslandseinsätze zu rechtfertigen.

Dieser humanitäre Imperialismus, der heute innerhalb der Grünen Stimmen aufbringt wie etwa den Vorsitzenden der Heinrich-Böllstiftung Fücks Israel in die NATO aufzunehmen,die Bundeswehr zur Verteidigung Israels einsetzen zu wollen (wie im übrigen der CSU-Shootingstar Karl Theodor von und zu Gutenberg) , die Bundeswehr zur Befriedung Syriens einzusetzen, die ganzen NATO-Osterweiterungen gegen Rußland gefördert zu haben, bis es eben zur Ukrainekrise kam,man Putin stürzen will, die arabischen Frühlinge unterstützte,die soviel Instabilität brachten, die Erdogantürkei in die EU aufnehmen wollten und jeden Kritiker daran als islamophob und als Europafeind denunzierten—all das gehört zu jener ebenso idealistischen Geschichte angeblicher humaitär-idealistisch verklausulierten Sorte imperialistischer grüner Realopolitik, die nur ein Desaster hinterließ. Während Schröder von Putin in die Northstreampipeline Gazproms aufgenommen wurde, nun in Rosneft einen Posten bekommen soll, sowie für Rothschild einen Beraterposten ausfüllt, hat sich Fischer bei der jüdischstämmigen Ex-Außenministerin Madeleine Albright mittels seiner betonten antifaschistischen Biographie in deren Consultingunternehmen als Berater und als Lobbyist für eine US-Pipeline Nabuco anheuern lassen.Fischer ist nur so der Emporkömmling, der gerne überall mitreden und auf großer Spur leben  will, seien es exklusive Weine, exotische Frauen, Promitreffen oder wie er sagte: Er sei „der letzte Rock´n Roller“der deutschen Politik. Wenn er schon politisch-inhaltlich eher ein Desaster hinterließ, so redet er sich doch auf Stilfragen raus und stilisiert sich als popkulturelles Kultphänomen–was wiederum dem deutsch-französischen Pariser Mai 68er Nostalgiesender ARTE wiederum zu einer Dokumentation gereichte. Wie sagte Göring einmal angesichts des drohenden Galgens: „Jedenfalls 12 Jahre gut gelebt!“Von daher kann ich weder etwas mit Kelly, noch Dithfurth oder gar Fischer politisch anfangen.Mir sind diese Charaktere und die von ihnen verfolgte Politik zutiefst zuwider.

Eigentlich gefiel mir bei den Grünen vor allem Gaby Gottwald, die Gelder und Spenden für den antiimperialistischen Kampf der Sandinisten und der salvadorischen FLMN gegen die faschistischen Todesschwadrone der Somoza- Contras sammelte und sich Massenbewegungen bemächtigte und nicht imperialistischen Militärbündnissen. Das hat Kelly nie gefallen, da sie Radikalpazifistin war, die von ihrem General Bastian erschossen wurde.Umgekehrt hat sich auch Gottwald niemals der Fischerschen Realopolitik angeschlossen, die sich zum Arschkriecher und Erfüllungsgehilfen des Kapitals und expansionistischer NATO- und EU-Erweiterungen im Sinne der multinationalen Konzerne und des Finanzkapitals machte.



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