Gottesbeweis-zwischen Einstein und Stephen Hawkings

von Ralf Ostner

Gibt es Gott oder gibt es „ihn“nicht? Der enge Atheismus verneint dies, da er vom Menschen ausgeht, von der Überzeugung des eigenen menschlichen Willens, der nicht gottgelenkt ist, der gesellschaftlichen Entwicklung, die ebenso als menschgemacht angesehen wird und da eher Systemveränderung und gesellschaftliche Veränderung als Lösung sieht, als ein Gott, den man nur anbeten kann, der aber ersichtlich nichts zur Menschheitsveränderung beiträgt.Diesen eng gefassten Atheismus teile ich, da er meiner eigenen, meiner geschichtlichen Erfahrung entspricht und ich einem Humanismus zuneige, der den Menschen als gesellschaftliches Individuum mit einem begrenzten eigenen Willen sieht, der zwar auch durch Freudsche Triebstrukturen beeinflußt wird, aber im Kern schon einen eigenen Willen und gesellschaftliche Interessen hat, die dann ebenso gesellschaftlich organisiert werden. Einen Gott braucht es dazu nicht.

Im Gegenteil: Jedesmal wenn sich Menschen aufgeschwungen haben im Namen eines Gottes oder einer Religion zu handeln, führte dies zumeist zu Religionskriegen, Hexenverbrennungen, Auslöschung oder gewaltmäßiger Unterdrückung von Anders- und Ungläubigen.

Dieser eng gefasste Atheismus geht aber noch nicht auf die Frage ein, woher diese Welt stammt, weswegen sie existiert oder beantwortet irgendwelche Sinnfragen des Lebens, insofern Sinnfragen nicht menschliche Kategorien sind für deren Beantwortung es keine Antwort gibt, sondern es nur Ziele gibt, die man sich selbst setzt oder die gesellschaftlich vorgegeben werden oder eben als Auseinandersetzung zwischen beidem und damit zu ermitteln sind.

Einstein war zwar Rationalist, aber fragte sich immer angesichts der Naturgesetzlichkeiten und der abstrakten, wenngleich nicht konkreten Ordnung des Universums, ob es alles Zufall sei oder nicht ein höheres Wesen kenne: „Gott würfelt nicht!“Er ließ sich diese Frage offen.Anders hingegen Stephen Hawking, der den ultimativen Antibeweis gegen einen Schöpfergott in Stellung bringt. Auf die Frage, was vor dem Urknall war, was diesen aus seiner Singularität in ein schöpferisches und expandierendes Universum entstehen ließ, und welcher Funke dieses eigentlich zur Zündung gebracht hätte, entgegnet er, dass dies sehr menschliche Vorstellungen seien, es bei einer Singularität und dem Urzustand des Universums, einem gigantischen schwarzen Loch keine Zeit mehr gegeben habe, daher auch kein Vorher und Nachher, keine zeitbedingte Kausalität, deswegen keinen Ursprung und letzten Verursacher, ja Schöpfer oder Funken, sondern nur ein zeitloses schwarzes Loch.

Eine Singularität, ein schwarzes Loch mit nahezu unendlicher Masse und ohne Zeit mag zwar von der menschlich und wissenschaftlich geprägten Makroebene so als totes, zeitloses Nichts erscheinen, aber vielleicht auf seiner eigenen Mikroebene als lebendiges Mikrouniversum mit multidimensionalen Interaktivitäten, ja auch Kausalitäten, vielleicht auch einer nicht wahrnehmbaren Mikrozeit. Hawkings betrachtet Singularitäten nur mithilfe seiner makrosokopischen Weltsicht.

Selbst einmal Hawkings These so akzeptiert, fragt sich dann aber ob keine Zeit auch keine Kausalitäten mehr bedeutet oder wenn man sich dieser Sicht anschließt es keine zeitbedingten Kausalitäten mehr gibt, aber eben mehrdimensionale Kausalitäten, die der menschliche Geist nicht nachvollziehen kann,die vielleicht noch mathematisch erfassbar oder denkbar sind, aber noch nicht von der makroskopischen , menschlichen Forschung erfasst und von Stephen Hawkings angedacht sind. Sehr wahrscheinlich gibt es auch zwischen nichtzeitlichen Dimensionen Kausalitäten. Von daher ist Stephen Hawkings Antigottesbeweis auch kein letztendlicher Beweis.

Ebenso stellt sich die Frage: Woher kommt die zeitlose Singularität und das schwarze Loch, das eben existiert und eben nicht nichtexistiert. Woher kommt die zeitlose, wenngleich doch riesige Masse, zumaleben mirt mehr Dimensionen oder keiner mehr? So genau kann das Hawkings auch nicht erklären und ist dies eher eine Scheinantwort, die sich mit der vermeintlichen Nichtexistenz von Zeit aus generellen Kausalitäten möglich mehrdimensionaler Mikrouniversen nicht weiter befasst hat.

Umgekehrt haben aber die Wissenschaftler mehr Argumente auf ihrer Seite, als all jene Religiösen, die uns als gottesbestimmt, gottesgemacht behaupten oder aber von dem Schöpfer sprechen, ohne einmal Schöpfer- oder gar Schöpfungsmodelle vorzulegen oder definieren zu wollen, die man eventuel wissenschaftlich nachprüfen oder logisch nachvollziehen könnte. Es sei denn man sieht alles, vom Universum über den Menschen bis hin zu seinen Gedanken, Willen und Träumen als Geistesprodukt einer allmächtigen übergeordneten Existenz. Dagegen gibt es keinen Gegenbeweis, aber eben aucgh keinen Beweis. Und wenn mir ein Mensch aufgrund dieser Unzulänglichkeit erzählen will, ich solle mein Handeln auf einen Gotesglauben hin orientieren, den zudem dann wieder menschengemachte Religionsgemeinschaften für sich als Herrschaftsideologie beanspruchen, werde ich sie wie jden anderen Scharlatan abweisen.



Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.