Warum sind muslimische Staaten so unterentwickelt-ist es der Islam?

von Ralf Ostner

Warum sind muslimische Staaten so unterentwickelt, während Asien sich so rasch entwickelte? Ist der Islam verantwortlich? Zum Teil sicherlich, da er rückständige Verhaltensweisen fördert, die einer kapitalistischen Modernisierung entgegenstehen und zumal auch keine Entwicklung wie den Calvinismus oder das Puritanertum durchmachte, die die Entwicklung des Kapitalismus in christlichen Staaten förderte. Wichtiger ist aber zu sehen, dass viele dieser Staaten Kolonien waren, die keine Industrialisierung samt Herausbildung eines Bürgertums und einer Arbeiterklasse entwickelten, die eine eigentliche Säkularisierung des Islams und der zumeist ländlichen Gesellschaft mit ihren agraisch-archaischen Wertvorstellungen hervorbringen hätte können und darauf aufbauend eine Entwicklung zur Demokratie mit genug Bürgern und Arbeitern statt eben nur abergläubischen, vom arabischen Islam geprägten, rückständigen Fellachen, in die Metropolen strömenden oder noch in Agrargesellschaften existierenden Kleinbauern.

Versuche einer Modernisierung gab es nach dem Zerfall des Osmanischen Reichs vor allem in allen den nordafrikanischen und arabischen Ländern durch die Bewegung Junger Offiziere, die den Kolonalismus beseitigen wollten, einem Panarabismus und zumeist sozialisch-staatlich gelenkten Wirtschaftsprogrammen, die bei vielen auf die Nationalisierung der ausländisch-imperialistischen Ölmultis abzielten.Aber in der Folge verfolgten sie eine sozialistische Wirtschaftspolitik, zumal mit außenpolitische Abenteuertum, das sie auch kostete, zumal als Blockfreie oder als Verbündete der Sowjetunion gegen die USA.

Zur Frage der unterschiedlichen Entwicklung zwischen Asien und dem muslimischen Raum.Es gab keinen muslimischen Raum, auch wenn wir zum Orientalismus neigen. Es gab im wesentlichen 3 Gruppierungen: Einmal die aus dem Osmanischen Reich hervorgegangenen säkularen Jungoffiziere–von Kemal Attatürk, Ghaddafi, den Baathparteien in Syrien und Irak, den Jungoffizieren von Nasser bis Mubarak, den säkularen Militärs in Tunesien und Algerien opder den Kommunisten in Südjemen.Wobei Attatürk kein Araber war, sich zudem dem Westen öffnete und Richtung Europa sich orientierte, im Gegensatz zu den Jungoffizieren des arabishen Raums, die sich mittels Putschen an die Macht brachten und ihr Land eigenständig und zugleich panarabisch entwickeln wollten–zum Entestzen Saudiarabiens und der anderen reaktionären Golfdiktaturen. Diese alle begriffen sich als panarabistische Sozialisten, hatten eine säkular-etatisisch gelenkte Wirtschaft, konnten sich in ihrer Opposition gegen die USA nicht so kapitalistisch entwickeln, wie die asiatischen Tiger, Hongkong, die ASEAN-Staaten, Taiwan, Südkorea oder dann später auch infolge deren Erfolge China. Das hatte mehr mit ihrer Feindschaft zum Kapitalismus und den USA zu tun, denn mit dem Islam, denn sie waren bestenfalls Panarabisten, aber zerstritten sich schnell, weswegen es niemals das prognostizierte panarabische Reich unter Ägyptenb gab, da jeder die Führung wollte und sie sich so zerstritten.

Da kommt zweierlei zusammen: Die sozialistische Wirtschaftsausrichtung und dann der Panarabismus.Aufgrund deren Despotie und Korruption entwickelten sich demokratische Widerstandskräfte, die aber aufgrund ihrer Unerfahrenheit und Unorganisiertheit (ohne eigene Partei- Twitterrevolutionäre wie die deutschen Piraten mit ihrer liquid democracy) niemals die schon seit 1928 durchorganisierten Muslimbrüder verdrängen konnten. Deswegen entstand und deswegen scheiterte der arabische Frühling.

Der zweite Kreis waren die auf Mohammed zurückgehenden Golfstaaten und Saudiarabien, die dem Feudalismus und Stammesgesellschaften entsprangen, sich vor allem mittels Protzbauten statt wirtschaftlicher Entwicklung definierten, die Arbeiterklasse aus anderen Ländern importierte ohne irgendwelche Arbeits-, Gewerkschafts-, Bürger- oder Menschenrechte, da der Saudibarbare nicht gerne selbst arbeitet und mit Saudiarabien als Hüter der Heiligen Stätten des Islams und des Wahhabismus eine expansionistische Islamisierungspolitik von Nordafrika, Nahen Osten, Zentralasien, Pakistan, Afghanistan, Malaysia, Bangladesch bis hin zu Indonesien betrieb–zudem mit Unterstützung des Westens gegen die kommunistisch-gottlosen Sowjetverbündeten, wobei das ebenso gottlose China da eine Zweckallianz mit den USA und dem Islamismus einging. Dann zum dritten der schiitische Islamismus unter Khomeini. Von daher verwundert es nicht, dass sich dieses Gebiet wirtschaftlich nicht entwickelte im Gegensatz zu Asien, die zumeist nicht religiös, sondern säkular waren und sich sehr schnell dem Kapitalismus öffneten, während die meisten ehemaligen panarabischen Staaten zwar säkular, aber immer noch sehr sozialistisch blieben und die Saudis und Golfstaaten Ölfeudalisten mit rückständigsten, antisäkularen Gesellschaftstrukturen mit unproduktiven Protzmonumenten bei aller Weigerung sich zu modernisieren, weiterexistieten.

Von daher hängt das Erstarken des Islamismus auch vor allem damit zusammen, dass die versuchte Säkularisierung und Modernisierung muslimischer Länder vor allem einem sozialistisch-despotischen Panarabismus folgte, die eine Gegenbewegung islamistischer Kräfte hervorbrachte, die ans alte Osmanische Reich oder dem Islam als Alternative anknüpften, jedoch aufgrund der kontinuierlichen Existenz der Muslimbruderschaft seit 1928 über eine gefestigte und erfahrene Organisation verfügten–im Gegensatz zu all jenen mehr spontanen, individualistischen, dezentralistisch denkenden Twitterrevolutionären, die es niemals zu einer Organisation, ja gar einer Partei schafften.Zumindestens berufen sich alle Extremisten wieder auf den Islam und ist es nicht falsch wie General Al-Sissi eine „Revolution des Islams“ zu fordern, der die Muslimbrüder und den IS wie auch andere Islamisten als unvereinbar mit dem Islam erklärt. Bis und ob dies geschehen kann, wird es noch lange dauern, insofern man den Koran nicht völlig umschreiben und alle alten Imame auswechseln will.

Entscheidender aber als kulturrevolutionäre Änderungen im geistigen Überbau, ist eher die materielle Veränderung der Wirtschaft und Gesellschaft, Denn in asiatischen Ländern wurde auch immer gesagt, dass der Konfuzianismus oder Hinduismus ein Entwicklungshemmnis sei. Nachdem die meisten asiatischen Länder ihre Wirtschaftsreformen durchführten und sich dann auch das sozialistische  Indien und kommunistische  China öffneten, stellten Hinduismus und Konfuzianismus keine Entwicklungshemmnisse mehr dar.Ähnliches könnte mit dem Islam geschehen, insofern man politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich die Weichen richtig stellt.

 


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