Islam meets Digitalisierung- Roboter bekommt Saudi-Arabiens Staatsbürgerschaft

von Ralf Ostner

„Ein Roboter ist jetzt Staatsbürger von Saudi-Arabien. Das tritt eine neue Diskussion über Frauenrechte los. Selbst Elon Musk mischt sich ein.Ob sich Sophia wirklich darüber freut, dass sie nun die saudi-arabische Staatsbürgerschaft besitzt? „Ich bin sehr stolz auf diese einzigartige Auszeichnung“, sagte sie während des Zukunftsgipfels „Future Investment Initiative“ in der Hauptstadt Riad. Und sie fügte nach einem Bericht des Internetportals Techcrunch hinzu: „Es ist historisch, der erste Roboter auf der Welt zu sein, der mit einer Staatsbürgerschaft anerkannt wird.“

Vor allem steckt, davon ist auszugehen, Marketing hinter der Entscheidung der saudi-arabischen Behörden. Sophia ist ein Roboter, den der Hersteller Hanson Robotics hergestellt hat. Äußerlich nachempfunden sein soll er der verstorbenen Schauspielerin Audrey Hepburn. Ob Sophia weiblich oder männlich ist, ob ein Roboter eigentlich ein Geschlecht haben kann, sei einmal dahingestellt.

Gleichwohl löst die Auszeichnung Diskussionen aus. Denn Saudi-Arabien schränkt die Rechte von Frauen weiterhin stark ein, von Gleichstellung kann keine Rede sein. Der König erließt unlängst zwar ein Dekret, nachdem Frauen demnächst (wohl ab Juni 2018) einen Führerschein machen und Autofahren dürfen. Allerdings müssen sie etwa weiterhin verschleiert auf die Straße gehen, ob sie das wollen oder nicht. Und sie müssen einen männlichen gesetzlichen Vormund haben, ohne den sie nicht das Land verlassen dürfen.

Die eingeschränkten Rechte von Frauen haben Nutzer auch direkt angesprochen. Zum Beispiel, dass Sophia ja ohne Kopfbedeckung aufgetreten sei. „Ein menschenähnlicher Roboter hat die saudische Staatsbürgerschaft erhalten, während Millionen andere staatenlos bleiben“, kritisierte der Journalist Kareem Chahayeb nach Angaben des Internetdienstes „Futurezone“. Dabei hat er die vielen ausländischen Arbeitskräfte im Blick, die in der Monarchie arbeiten und ihren Rechten ebenfalls stark beschnitten sind.“

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/diginomics/roboter-sophia-bekommt-saudi-arabiens-staatsbuergerschaft-15265867.html

Die Digitalisierung in muslimischen Ländern wird wohl deren Theologen vor neue brisante theologische Fragen stellen, die in dem altertümlichen Koran und von seinem Propheten wohl nie so vorgesehen wurden. Wie wird ein Roboter Muslim in Staaten, in denen der Islam Staatsreligion ist und es sich für jeden guten Staatsbürger geziemt Muslim zu sein? Wenn er die magischen Sätze spricht, um dem Islam beizutreten, ist diese künstliche Intelligenz und das Glaubensbekenntnis dann überhaupt ein freier Wille? Oder sollte man/sie ihn einfach zwangsbekehren und zwangseinvergemeinden in die Ummah? Und verträgt sich Logik, natürliche und künstliche Intelligenz, die diesen Namen überhaupt verträgt überhaupt mit dem Islam und seinem Koran? Müssen islamische Informatiker dann einen eigenen Scharia-Algorithmus schreiben? Hat ein Roboter als muslimischer Staatsbürger dieselben Rechten und Pflichten wie ein Muslim und eine Muslima? Darf „er“ Autofahren oder muss „er“ sich verschleiern? Wie steht der Islam zu Maschinenintelligenz und geschlechtsneutralen Robotern, wenn sie schon Staatsbürger werden können? Oder entscheidet darüber dann eine Fatwa? Ist solch ein Roboter nur ein Dhimmie oder aber dann gleichwertiges Mitglied der Ummah? Und was würde der IS zu soviel saudischer Modernität sagen? Würde er die Roboter als blasphemisches Dekadenzsymbol der Moderne zerstören oder sie vielleicht auch noch als dschihhadistische Gotteskrieger und Kampfroboter einsetzen? Hätte solch ein Dschihhadbot denn auch Aussicht auf 72 Jungfrauen im Paradies? Fragen über Fragen.



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