Trumps Asienreise und die Liberalisierung der Finanzmärkte

von Ralf Ostner

Die SZ hat heute in ihrer Bewertung des APEC-Gipfels gemeint, dass China und die USA die Rollen getauscht hätten. China dabei nun als Vorreiter der Globalisierung, des Freihandels und des Multilateralismus.Bezeichnend dabei ist, dass 11 APEC- und TPP-Staaten nun TPP unter neuem Namen weiterführen wollen, Japan hofft, dass die USA (nach Trump) wieder an Bord kommen, es also den anderen asiatischen und APEC- Staaten nicht so wohl ist derart Peking ausgeliefert zu sein. Japan versucht da eher eine Hinhaltestratgie, um eine Dominanz Pekings in der APEC-Region zu verhindern, kalkuliert darauf, dass nach Trump die USA zusammen mit Japan TPP realisieren werden und ökonomisches Führungsduo im asiatisch-pazifischen Raum bleiben können.Man wird also sehen, inwieweit China TPP so einfach ersetzen kann, aber Xi Jinping scheint da auf Tempo zu drücken, um die historische Chance nicht verstreichen zu lassen.Es wird also auch stark darauf ankommen, welche Bedinungen China bei künftigen multilateralen Freihandelsabkommen bietet und ob Trump wirklich die erhoffte Eintagsfliege sein wird.

 

Interessant ist aber, dass Peking jetzt seinen Finanz- und Dienstleistungssektor öffnet.

 

Öffnung des Finanzmarktes : Ausländer dürfen Mehrheit an chinesischen Banken übernehmen

  • Aktualisiert am 10.11.2017-08:56

 

Es ist ein großer Schritt zur Öffnung des für Ausländer oft verschlossenen chinesischen Finanzmarktes: Künftig dürfen ausländische Unternehmen die Mehrheit an Banken, Brokern oder Versicherern übernehmen. Das war bisher verboten.

China macht einen großen Schritt bei der Öffnung seines bislang für Ausländer oft verschlossenen Finanzmarkts: Bald soll es ausländischen Unternehmen erlaubt sein, die Mehrheit an chinesischen Banken, Brokern oder auch Versicherern zu übernehmen. Damit dürften frustrierende Jahre für viele westliche Finanzkonzerne enden, die auf dem Riesenmarkt China nur schwer mit den örtlichen Großbanken konkurrieren konnten.

Die zuständigen Behörden würden gerade die Details der neuen Regelungen ausarbeiten, sagte der stellvertretende Finanzminister Zhu Guangyao in Peking. Diese sollten dann bald veröffentlicht werden. Nach seinen Worten sollen Ausländer künftig bis zu 51 Prozent an Finanzunternehmen halten dürfen; diese Begrenzung würde dann mit der Zeit ganz aufgehoben.

Bislang waren Ausländer darauf beschränkt, die Rolle des Juniorpartners bei Gemeinschaftsunternehmen im chinesischen Finanzsektor zu übernehmen: Sie durften maximal 49 Prozent halten. Aus diesem Grund hatte sich etwa die größte amerikanische Bank JP Morgan Chase im Dezember aus einem Investmentbanking-Joint-Venture in China zurückgezogen.

Unmittelbar nach dem Trump-Besuch

Die jetzige Öffnung kommt, nachdem der amerikanische Präsident Donald Trump seinen ersten Besuch im Reich der Mitte abgeschlossen und eine positive Bilanz gezogen hatte: Er sprach am Freitag in einem Tweet von „sehr produktiven“ Treffen mit Staats- und Parteichef Xi Jinping in Peking bezüglich der Themen Handel und Nordkorea.

Allerdings hatte China auch schon zuvor die Restriktionen für Ausländer im Finanzsektor gelockert. So können Investoren über Hongkong auch an den Märkten in Festland-China handeln.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/china-oeffnet-finanzmarkt-fuer-auslaender-nach-trump-besuch-15285864.html

 

Beim Wirtschaftssender Bloomberg fragt man „Historischer oder symbolischer Schritt?“. Zudem wird darauf hingewiesen, dass diese Offerte Chinas auch mit den intransparenten hohen Schuldenständen mancher chinesischer Banken zu tun hat, die auf eine Risikostreuung und Kapitalsteigerung hoffen könnten, man diese Angelegenheit also ambivalent sieht.Ein zweiter wesentlicher Schritt bei der Änderung der internationalen Finanzarchitektur ist neben der Öffnung des chinesischen Finanzmarktes für Auslandskapital auch die nun unter dem neuen Fed-Chef angekündigte Deregulierung der US-amerikanischen Finanzmärkte, die Beseitigung des Dodd-Frank-Acts, der im Rahmen der Finanzkrise 2008 erlassen wurde, um ähnliche Finanzkrisen in Zukunft zu vermeiden und einzudämmen.Glaubt man den Experten von Bloomberg so plannt der neue Fedchef Powell nur eine graduelle Deregulierung, zumeist der kleineren Banken und nicht die völlige Zurücknahme des Dodd-Frank-Acts, zumal auch die großen Banken Jahre bräuchten um sich wieder umzustellen, was geringere Planungssicherheit bedeuten und daher auch abgelehnt würde.Inwieweit dies wahr ist, ist schwer zu beurteilen, dennn es ist durchaus möglich, dass man die Deregulierung weiter treiben will, aber Rücksicht auf die öffentliche Meinung nehmen muss, die eine neue Fianzkrisde befürchten könnte.Jedenfalls werden beide Beschlüsse—Chinas Öffnung des Finanzsektors für Auslandskapital und die (graduelle) Deregulierung der US-Finanzmärkte- die gloable Finanzarchitektur verändern. Möglich auch, dass durch diese neu entstehende Vernetzung die globalen Fianzrisiken auch zunehmen werden, eine Globalisierung der nächsten Finanzkrise dadurch Tür und Tor geöffnet werden könnte.


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