Arab TV oder was Nahost-und Fernost von Merkel unterscheidet

von Ralf Ostner

Ich hatte die Gelegenheit in einem Krankenhaus, das auch sehr viele muslimische und vor allem arabische Patienten hat, auf dem dargebotenen Fernsehkanal ca, 12 arabische TV_sender zu sehen: Saudi TV, Katar TV, Kuwait TV, Jordan TV, Oman TV, Sudan TV, Qutar TV, Al Jazziera (arabische Version), Al Irakiya, Quran TVu.a. Nun bin ich der arabischen Sprache nicht mächtig, noch kenne ich die Feinheiten zwischen ihrer Kultur, so aber möchte ich mir rausnehmen, die wesentlichen Botschaften der Sender verstanden zu haben und wiedergeben zu können. Zum einen fällt auf, dass die arabischen Staatsfernsehen reine Propagandakanäle sind wie Oman TV, Al Masriya oder Saudi TV. In allen werden die jeweiligen Staatsführer exzessiv rausgestellt, sei es vor seinem Militär, seinem Staatsvolk, seinen Stammesfürsten, seinen Traditionen und seiner Moderne. Auf Saudi Tv erlebt man in der ersten Hälfte des Sendetages vollverschleierte Frauen und Männer in Beduinenkleidung innerhalb normaler Saudis zeigen, während die Soap Operas auf Saudi TV völlig unverschleierte, voll westlich gekleidete Männer und Frauen zeigen. Bertrachtet man diesen Film würde man nicht mehr vermuten, dass die meisten saudiarabischen Frauen noch vollverschleiert oder überhaupt verschleiert wären. Dann auch noch ein Saudikrimi: Ein westlich gekleideter Geschäftsmann wird von einem ebenso westlich gekleidetem Konkurrenten entführt und geknebelt, die saudische Polizei in westlicher Kleidung schreitet deeskalierend wie in westlicher Deeskalationsstrategie dazwischen. Der Bösetäter verlangt einen Bus, der ihm zugestanden wird, bis eben eine saudische GSG-9 mittels Sturmgewehren mit Laserzielfernrohr die Bösen beseitigt und alles ein Happy End nimmt. Die Dramaturgie dieser Krimis ist blutfrei und sensationslos gehalten,die Botschaft soll wohl sein, dass der saudische Staat jeden Übeltäter erwischt.

SaudiTV hat dann auch nebst solchen nicht spannenden Krimis ein ausführliches Sendeprogramm, das das neue Moderniesierungsprogramm Saudiarabiens „Vision 2030“ von Kronprinz Mohammed bin Salaman darstellt.-mittels Werbeclips. Ausschnitten von Ansprachen und graphischer Power Pointpräsentationen.Diese Führerpropaganda mit Visionen für die Zukunft des Landes kann man ebenso auf Oman TV oder dem ägyptischen Al Masriyah TV sehen. Die jeweiligen Staatsführer werden als Führer ihres Staaes innerhalb eines Volksbades gezeigt, in Militäruniformen samt Militärpropaganda, beim Beduinenschwerttanz, bei der einfachen Fellachen- und Beduinenbevölkerung. Zugleich werde ´m diese staatstragenden Führerpropagandafilme mit Landschaftsbildern von wasserreichen Wasserfällen und Oasen umgarnt nebst Protzbauten moderner Megacities. Da ist zum einen bei Wüstenstaaten derWunsch Wasserreichtum, Oasen und blühende Utopie nebst Moderne vorzuspiegeln wie eine Fata Morgana, zum anderen aber eben auch, dass nur ihre neuen Führer dies erzielen können mittels ihrer Modernisierungsprogramme.

Al Masriyah, das ägyptische Staatsfernsehen veröffentlicht ja stundenlang Eröffungszeremonien von General Al Sissi. Zwei davon sah ich. Al Sissi sitzt in einer Traube von Hofzöglinnen, ca !/3 Militär, seine untergeordneten Militärs verlesen die Erfolgsgeschichten Al Sissis, zumal al Sissi  neben einem weiblichen Top Model sitzt, dass man sich fragt, wie er es mit seiner Frau hält, die scheinbar nicht eingeladen ist. Aber abgesehen von solchen Details, verlesen Militärs die wesentliche Vision von Al Sissi: Den neuen Suezkanal, Aquafarming und Aufforstung von Wüstengebieten, eine neue Stadt neben Kairo und Alexandria, dann werden Statistiken eingeblendet, die von Fisch-, Rind-, Geflügelproduktion bis gebauten Elekrizitätswerken und Strassen so alles bildlich und propagandistisch darstellen. In dieser Ausführlichkeit bringt dies nicht einmal die KP China und es scheint auch undenkbar, dass eine Merkel solch eine visionäre Darstellungsweise wählen könnte oder Vorstellungskraft haben könnte, zumal sie eben auch nicht solch visionäre Ziele wie die KPChina oder Al Sissi oder Saudiarabiens Vision 2030 jemals haben wird, ja sie selbst schon nicht einmal einen EU-10-Punkte-Macronplan andenken kann.

Kurz: Die staatlichen Propagdasender sind dafür ihre Vision der Zukunft ohne oppositionelle Widersprüche aktiv zu verbreiten, die arabischen Sender haben aber eine Schizophrenie zwischen ihrer westlich-modernenen Selbstdarsteullung und der eigentlichenRealität ihrer Gesellschaft,sind so etwa das, was Samuel Huntington als „CNNkultur“ bezeichnete,die die reaktionären Teile der Bevölkerung,die einer Modernisierung ablehnend oder diese sogar bekämpfend gegenüberstehen. Jedenfalls sollte man festhalten, dass die muslimische und arabische Welt in zugespitzten Identitätskonflikten existieren, die diese in eine fortschrittiche, aber ebenso rückschrittliche Richtung katapulieren kann.Da lob ich mir doch Quaran TV—ein Bild von der Kabaa Mekkas, in dem die Leute um den schwarzen Stein herumgehen und man sich auch bei jedem Zappen sicher sein kann, dass die Leute immer noch rumgehen, alles umrahmt von ewigen rezitierten Koransuren.



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