Satire: Kopftransplantation, Frankenstein und die Groko

Wie zugänglichen Mainstreammedien zu vernehmen, plant ein italienischer Chirurg namens Sergio Canavero die erste Kopftransplantation. Freiwillige gesucht. Dafür bewarb sich ein Russe, der keine längere Lebensaussicht hat, wie auch gelähmt ist, wie auch ein Freiwilliger aus China, wobei dies mit der Freiwilligkeit in China immer so eine Sache ist–von Freiwilligen im sinoamerikanischen Freiwilligenkrieg in Korea in den 50ern zu Organspenden in China bis eben hin zu dem Freiwilligen einer Kopftransplantation, von der man noch erfährt, dass die chinesische Regierung dies unterstützen soll, da sie damit Spitzenleistungen in der Medizin und vielleicht auch noch einen Nobelpreis als Prestigetrophäe abzustauben gedenkt und sich da mit erhofften Kopfprämien nicht zurückhält.

In den chinesischen Medien, allen voran der Global Times gibt es in China, wie auch im Westen darum eine ebenso heftige Debatte zwischen Befürwortern und Gegnern der Kopftransplantation, die abwechselnd ethische und medizinische Bedenken erheben.Medizinisch in der Richtung, dass solche Kopftransplantationen noch nicht einmal ausreichend an Tieren ausgetestet seien, zumal man eben auch bezweifelt, dass sich die durchkappten Nervenzellen wieder zusammenwachsen lassen, daher man einen Toten oder bestenfalls Querschnittsgelähmten hervorbringe, eine Art modernes Frankensteinmonster. Ethisch, dass dies wohl ein Eingriff des Menschen sei, der sich anmasse Naturgesetze zu umgehen und auch keine Rücksicht auf Opfer nehmen in dem Streben medizinischen Ruhm und Fortschritt zu erreichen. Wiederum wird auf Shelleys Frankenstein verwiesen.

Die Befürworter verweisen darauf, dass jeder medizinische Fortschritt mit Mißerfolgen gepflastert war, der Probant auch sterben könne, man aber hier eben einer revolutionären Chirurgie der Zukunft zum Durchbruch verhelfen könne, die eine Weiterleben nach dem Tod, wie auch andere wertvolle medizinische Erkenntnisse generieren könne. Zumal eben auch inzwischen mittels Stammzellenforschung menschliche und tierische Zellen bis hin zu ganzen Organen oder eben Nervenzellen gezüchtet worden seien, die eben auch die fehlende Brücke zwischen Rumpf und Kopf, was die Nervenverbindung betrifft mittel- und langfristig überbrücken und kitten könnte.

Zumal eben auch Vertreter des Silicon Valley wie Ray Kurzweil in seinem Singularitätsbuch die Verbindung zwischen körperlicher Intelligenz und künstlicher Intelligenz, sowie deren Verschmelzung durch Biochips kommen sehen. Fortgeschrittenere Vordenker des Silicon Valleys wiederum sehen in Kopftransplantationen einen gedanklichen Rückschritt, da man mittels künstlicher Intelligenz und Quantencomputer menschliche Hirne und Lebenserinnerungen sowie -funktionen in Computersoftware von Avataren überführen könne, die im Netzwerk von Computern ein ewiges Leben führen könnten, man sich also der physischen Körperlichkeit ganz entledigen könne.

Jedenfalls würden sich durch solch eine Kopftransplantation viele Optionen für die Menschheit ergeben. Man könnte einen Mick Jagger ewig konservieren, wenn man seinen Kopf auf den Körper eines jungen Justin Biebers setzte, ein chinesischer Kommentator meinte, ob man Trumps Körper nicht mit einem Pandakopf auststatten könnte–der wäre schöner und zumal intelligenter. Auch die Nordkoreakrise könnte man lösen, indem man Kim Yonguns Kopf auf die Atomraketen und die Atomköpfe auf Kim Yonguns Körper aufsetzt und beide miteinander austauscht–so wäre die koreanische Halbinsel nachhaltig denuklearisiert.

Aber auch für deutsche Gefilde ergäben sich Möglichkeiten bei der Koalitionsbildung, wenn man Merkels Kopf auf den Körper von Schulz setzen würde oder umgekehrt oder zwei Köpfe als siamesischer Grokozwilling  auf Augenhöhe oder vielleicht hätte sich auch eine Jamaikahydra eingefunden, insofern Cem Özdemir und Christian Lindner sich nicht ein Kopf- an Kopfrennen geliefert hätten, wobei eine Jamaikahydra den Vorteil hätte, wenn man einen Kopf abschlägt dann einer oder neue nachwachsen–Regierungsfähigkeit und Stabilität für Europa forever!

Für Pegidademonstranten, die mit Kopf-ab-Guilotinnen auf ihren Demos brillieren, wäre dann auch noch eine öffentliche Hinrichtungsstätte nach Muster der französischen Revolution denkbar, bei der Merkel enthauptet und Höcke verkopft würde.So würde sich auch der ansonsten kopflose Wutbürger befriedigen und die AfD bekämpfen lassen.Vielleicht sollte sich die deutsche Öffentlichkeit einmal mehr der medizinisch-politischen Potentiale von Kopftransplantationen bewußt werden. Also: Kopf hoch Deutschland und nicht kopflos werden!

 

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.