AfD-Parteitag: Gaulands Machtkonzentration verhindert Spaltung der neuen Harzburger Front

von Ralf Ostner

Es ist zu einfach, die AfD als Nazis zu bezeichnen. Der Parteitag zeigt, dass es sich bei der AfD um eine zur Partei gewordenen Harzburger Front handelt, jenem Bündnis zwischen Nationalkonservativen und Faschisten in der Weimarer Republik in Neuauflage. Wie Meuthen und Gauland immer wieder betonen gibt es zwei Hauptlager und die Wahl Gaulands zeigt, dass sich die AfD ohne die Integratoren wie Meuthen und Gauland schon längst gespalten hätte.Das Patt zwischen Padzerski und von Sayn-Wittgenstein (die stellvertretend für den Höcke-„Flügel“kandidierte, in der deutschen Gesellschaft nicht ankommen will, die Deutschen als „spirituelles Volk“bezeichnet und zudem Gruppen, die vom Verfassungsschutz wegen ihrer Identiätssuche in Sachen Volkstanz und Heimatliebe observiert werden gutheißt),jenes Patt, das Gauland als „gefährlich“bezeichnete zeigt aber auch die schiere Macht des Höckeflügels eine gemäßigtere nationalkonservative AfD zu verhindern.Wie die Harzburger Front bleibt die AfD somit ein rechtsradikales Hybrid, was auch ihre Konstruktion der Doppelspitze zeigt, die der Formierung einer alleinigen Führerpartei entgegensteht.

Auch ist zu hinterfragen, ob die Wahl Gaulands wirlich so zufällig geschah, wie dies nun von ihm dargestellt wird. Gauland hatte ja vor gegen Padzerski zu kandidieren, zog dann aber taktisch seine Bewerbung zurück, nachdem ihm Pazderski zugesagt hatte, dass er auf den Posten des Bundesgeschäftsführers verichte. Dies war Gaulands erster taktische Winkelzug, um ein Erstarken des Padzerskisflügels und dessen personeller Machtkonzentraion entgegenzuwirken. Dann aber schickte der mit Gauland eng verbundene Höckeflügel als neue Gegenkandidatin Doris von Sayn-Wittgenstein ins Rennen, womit die Wahl Pazderskis verhindert wurde und Gauland als einzige Lösung blieb. Nun hat Gauland Fraktionsvorsitz und Parteivorsitz, wenngleich als Teil einer Doppelspitze und hat somit eine unwahrscheinliche Machtkonzentration innerhalb der Partei erfahren. Fraglich, ob dies nur dem Zufall geschuldet ist oder nicht strategische Absicht Gaulands war.



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