AfD-Parteitag: Gaulands Machtkonzentration verhindert Spaltung der neuen Harzburger Front

Es ist zu einfach, die AfD als Nazis zu bezeichnen. Der Parteitag zeigt, dass es sich bei der AfD um eine zur Partei gewordenen Harzburger Front handelt, jenem Bündnis zwischen Nationalkonservativen und Faschisten in der Weimarer Republik in Neuauflage. Wie Meuthen und Gauland immer wieder betonen gibt es zwei Hauptlager und die Wahl Gaulands zeigt, dass sich die AfD ohne die Integratoren wie Meuthen und Gauland schon längst gespalten hätte.Das Patt zwischen Padzerski und von Sayn-Wittgenstein (die stellvertretend für den Höcke-„Flügel“kandidierte, in der deutschen Gesellschaft nicht ankommen will, die Deutschen als „spirituelles Volk“bezeichnet und zudem Gruppen, die vom Verfassungsschutz wegen ihrer Identiätssuche in Sachen Volkstanz und Heimatliebe observiert werden gutheißt),jenes Patt, das Gauland als „gefährlich“bezeichnete zeigt aber auch die schiere Macht des Höckeflügels eine gemäßigtere nationalkonservative AfD zu verhindern.Wie die Harzburger Front bleibt die AfD somit ein rechtsradikales Hybrid, was auch ihre Konstruktion der Doppelspitze zeigt, die der Formierung einer alleinigen Führerpartei entgegensteht.

Auch ist zu hinterfragen, ob die Wahl Gaulands wirlich so zufällig geschah, wie dies nun von ihm dargestellt wird. Gauland hatte ja vor gegen Padzerski zu kandidieren, zog dann aber taktisch seine Bewerbung zurück, nachdem ihm Pazderski zugesagt hatte, dass er auf den Posten des Bundesgeschäftsführers verichte. Dies war Gaulands erster taktische Winkelzug, um ein Erstarken des Padzerskisflügels und dessen personeller Machtkonzentraion entgegenzuwirken. Dann aber schickte der mit Gauland eng verbundene Höckeflügel als neue Gegenkandidatin Doris von Sayn-Wittgenstein ins Rennen, womit die Wahl Pazderskis verhindert wurde und Gauland als einzige Lösung blieb. Nun hat Gauland Fraktionsvorsitz und Parteivorsitz, wenngleich als Teil einer Doppelspitze und hat somit eine unwahrscheinliche Machtkonzentration innerhalb der Partei erfahren. Fraglich, ob dies nur dem Zufall geschuldet ist oder nicht strategische Absicht Gaulands war.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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