Harakirifahrt in die SPD-Zentrale–ein unpolitischer Selbstmordversuch?

von Ralf Ostner

Ja, was geschah eigentlich in der SPD- und vor der CDU-Zentrale? Bisher gibt es noch keine offizielle Darstellung, aber dennoch kann man schon einiges sagen. Ein reiner Selbstmordversuch war dies nicht, denn der Mann hätte sich daheim erhängen, vergiften oder vor einen Zug werfen können. Er beabsichtigte also seinen Abgang mit einer politischen Botschaft zu versehen–deswegen wählte er die SPD und die CDU, die gerade in ewigen Sondierungsgespärchen sind und keine anderen Parteien oder eine unpolitische Variante. Der Mensch scheint sehr chaotisch und ungeplant vorgangen zu sein. Zum einen schien er keine Ortskenntnisse zu haben, noch sich ala Andreas Brevik gründlich vorbereitet zu haben, der ein ganzes Regierungsviertel hochbombte und dann ein Masaker unter Norwegens Jungsozialisten anrichtete. Technisch versiert schien er auch nicht zu sein. Zum einen stellte er bei der CDU-Zentrale eine Tasche mit brennbaren Materialien vor dem Gebäude ab, ohne dass diese jedoch einen Zeitzünder hatte, noch einen Sprengsatz darstellten.Sie wäre folgenlos auch die nächsten Monate da herumgestanden, hätte sie der Pförtner nicht entdeckt. In die SPDzentrale raste er mit seinem Auto, legte im Autoinneren einen Brand, der wohl eine Selbstverbrennung bewirken sollte, hatte zudem im Kofferraum Benzinkanister und Grillanzünder, die er wohl hoffte sich entzünden und vielleicht für eine Explosion des Autos sorgen sollten. Nicht gerade ein versierter Bombenlegr und Sprengstoffexperte, dieser Mensch. So aber löschte die Sprinkleranlage des Willy-Brandthauses den Innenbrand des Autos–Ortskenntnisse scheinbar auch nicht vorhanden, insofern er sich wirklich umbringen wollte.

Eine andere Erklärung wäre, dass er sich gar nicht umbringen wollte, von der Sprinkleranlage wußte, eine symbolisch-politische Aktion begehen wollte, die er selbst überlebt, um die deutsche Öffentlichkeit auf sein Begehr zu lenken. Aber was ist das Begehr?`Es gibt ja keinen Bekennerbrief, noch irgendwelche sonstigen Verlautbarungen als jetzt die offizielle Stellungsnahme, dass er sich umbringen wollte. Oder man lässt kein öffentliches Statement zu und nach außen dringen, weil dies SPD und CDU nicht opportun erscheint. Hat hier ein Wutbürger oder ein Agendaopfer oder ein politisch frustrierter Deutscher seiner unartikulierte Wut oder Verzweifelung Ausdruck verleihen wollen? Zumindestens kann man nicht von einer unpolitischen Tat sprechen, da hier zielgerichtet die SPD und die CDU angegriffen werden sollten, bzw. diese in Verbindung mit einer möglichen harakirimäßigen Suizidaktion gebracht werden. Mal sehen, was die weiteren Ermittlungen ergeben–ob uns der Täter als unpolitisch und geistig gestört dargestellt wird oder ob vielleicht es sogar eine politische Vorgeschichte des Harakirifahrers gibt oder ob es sich um einen spontanistschen Wutbürger handelt, der es „denen da oben“und „dem Establishment“ mal zeigen wollte und sich so Gehör und Medienaufmerksamkeit für nicht näher artikulierte politische Kritik verschaffen wollte, die er hofft dann eine wie immer geartete erhoffte Reaktionen in der deutschen Bevökerung auslösen sollten..Jedenfalls sollte man diese Harakirifahrt nicht als unpolitische Tat werten, vielleicht desorganisiert, insofern keine Gruppe dahintersteht, aber eben politisch , zumal es ja ähnliche Anschläge, aber wesentlich besser exetutiert auf Repräsentanten des deutschen Staates, sei es nun die Kölner Bürgermeister Reker oder andere Vertreter etablierter Parteien in der letzten Zeit gab. Vielleicht ist diese Harakirifahrt auch Ausdruck dessen, dass die politische Debattenkultur nun vollends vergiftet ist und sich weiter radiaklisiert und immer mehr Menschen durchdrehen.



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