Likud will Westjordanland annektieren

von Ralf Ostner

Interessant ist, dass die Boykottbewegung gegen Israel soviel Unterstützung erfährt, gibt es doch auch andere Regionalkonflikte, die ähnliches Konfliktpotential haben.Für alle Deutschen, die sich so wahnsinnig für die Menschenrechte der Palästinenser interessieren und deshalb – und natürlich auschließlich deshalb – „Israel kritisieren“, wie man sagt, empfehle ich den Konflikt Marokko vs. Westsahara:

Marokko kontrolliert derzeit die westlichen zwei Drittel des Landes, alle größeren Städte sowie die bedeutenden Phosphatvorkommen der Westsahara. Die Polisario bzw. die Demokratische Arabische Republik Sahara kontrollieren das Hinterland. Der größte Teil ihrer Angehörigen lebt jedoch außerhalb der Westsahara in westalgerischen Flüchtlingslagern.

https://de.wikipedia.org/wiki/Westsaharakonflikt#Status_quo

Ich bin sicher, dass die Israelempörten nun zahlreiche Marokkokritikgruppen bilden und auf Demos „Kindermörder Marokko“ rufen. Menschenrechte sind ja unteilbar, gell? Interessant wäre auch, wenn sich die zahlreichen Israelboykottgruppen wegen Palästina auch mal für Tibet solidarisieren. Aber es dürfte wohl einfacher sein Waren „Made in Israel“ zu boykottieren als Waren „made in China“. Im ersten Fall wäre dies ein überschaubarer Partialverzicht, im anderen ein eher unüberschaubarer Totalverzicht, bei dem man ja vielleicht mal wirklich auf vieles verzichten müsste.

Hier wird also oft mit zweierlei Maßstab gemessen. Umgekehrt kann man sich auch nicht für alle Konflikte der Welt gleichzeitig einsetzen–das überfordert den politischen Einzelmenschen und die Soligruppen und ist bestens arbeitsteilig möglich.

Dennoch halte ich einen Wirtschaftsboykott gegen Israel angesichts der aktuellen Entwicklungen für legitim:
„Likud will Westjordanland annektieren

Offiziell unterstützt Benjamin Netanjahu eine Zwei-Staaten-Lösung im Konflikt mit den Palästinensern. Ein brisanter Vorstoß des Zentralkomitees der Partei des israelischen Regierungschefs verstärkt indes die Zweifel an der Aufrichtigkeit der Parteilinie.

Das Zentralkomitee der israelischen Regierungspartei Likud hat für eine Resolution gestimmt, in der die Annexion des besetzten Westjordanlandes verlangt wird. Mit seinem nicht-bindenden Votum ruft das ZK die Likud-Abgeordneten in der Knesset auf, die „Souveränität Israels auf Judäa und Samaria (Westjordanland)“ auszuweiten. Regierungschef Benjamin Netanjahu, der Mitglied des Zentralkomitees ist, war bei der Abstimmung nicht anwesend.“

https://www.n-tv.de/politik/Likud-will-Westjordanland-annektieren-article20208333.html

Das wäre die letztendliche Aufkündigung des Osloabkommens, einer Zweistaatenlösung, eine kolonialistische Annexion, die dann vermutlich nur mittels brutaler Unterdrückung oder einen zweiten Nakba, Vertreibung der Palästinenser zu bewerkstelligen wäre. Wobei ja auch schon eine jordanische Lösung oder ein Palästina im Nordsinai für die Palästinenser statt des Westjordanlands seitens Israel, Ägypten, Saudiarabiens, Jordaniens sowie einiger Golfstaaten angedacht wird. Der PLO bliebe auch nichts weiter übrig, als ihren bisherigen Gewaltverzicht aufzukündigen und wieder zu alten Terrormethoden zurückzukehren wie dies die Hamas jetzt schon tut. Und man könnte es ihr nicht verdenken, da der friedliche Verhandlungsweg, den sie seit den 90er Jahren konsequent verfolgte seitens Israel aufgekündigt wird. Natürlich könnte dies Israel dann wiederrum nutzen, um unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung eine zweite Nakba zu inszenieren.



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