Erdogans Sudan-Deal: Golfkrise erreicht das Horn von Afrika

Die 6 Monate alte Golfkrise droht nun auch das Horn von Afrika zu erreichen. Neuester Höhepunkt ist nun die Unterzeichnung eines Abkommens zwischen der Erdogan-Türkei und dem Sudan über die Wiedererichtung eines alten Hafens, sowie eines neuen Docks mit zivilen und militärischen Anlagen, die es auch ermöglichen sollen, dass türkische Kriegsschiffe den Sudan anlaufen können.

Das Horn von Afrika ist ein strategischer Punkt durch den Großteile der Weltöllieferungen sowie wichtige Handelsströme fließen.Aber viele Staaten wie Somalia oder Sudan sind in politische Krisen verstrickt und zwischen Iran und Saudiarabien wird im Yemen ein Stellvertreterkrieg geführt.

Selbst China will sich aus dem Konflikt nicht mehr heraushalten, hat sich der internationalen Anti-Pirateriekoalition, bei der auch die USA und Deutschland beteiligt sind angeschlossen und in Dschibouti neben den USA, Frankreich, Japan und Saudiarabien eigene Militärbasen errichtet.

Der türkisch-sudanesische Vertrag über 650 Millionen US-$ verschärft den Konflikt zwischen den verschiedenen Groß- und Regionalmächten und ermöglicht es auch der Türkei eine militärische Präsenz im Roten Meer zu haben.Der Konflikt zwischen den Golfstaaten zieht sich bisher über Nord-, Zentral- und Westafrika einschließlich der Sahelzone hin und scheint nun auch das Horn von Afrika zu erreichen.

Saudiarabien und die Vereinigten Arabischen Emirate sorgen sich angesichts der neuen türkischen Präsenz, zumal die Türkei enge Beziehungen zum Iran, Katar, den Muslimbrüdern sowie anderen islamistischen Gruppen unterhält.Die Türkei unterhält in Katar eine Militärbasis und will diese ausbauen, sowie sie Militärbasen in Somalia hat und nun neben Sudan eine weitere in Dschibouti diskutiert.

In Anspielung auf Saudiarabien, erklärte Erdogan bei seinem Staatsbesuch bei Sudans Militärdiktator Omar Al Baschir, dass der neue Hafen auch dazu dienen werde Pilgerscharen für den Hadsch in Mekka zu organisieren.Saudiarabien, das wiederum Militärstützpunkte in Berbera und in der weggebrochenen Provinz Somaliland unterhält, fürchtet, dass die Türkei sich hier in der Nähe Jeddahs eine strategische Position ermöglicht.

Das türkisch-sudanesische Abkommen konterkariert zudem die zuvor verbesserten saudi-sudanesischen Beziehungen, nachdem die meisten afrikanischen Staaten inklusive Sudans die Beziehungen mit dem Iran 2016 zurückgestellt hatten, was die Saudis als geopolitischen Erfolg in Afrika verbuchte.

Sudan hat sich zudem mit eigenen Truppen im Yemenkrieg gegen den Iran, bestehend unter anderem aus den Janjawidmilizen auf Seiten Saudiarabiens engagiert und Donald Trump die Sanktionen gegen den Sudan gelockert.Sudan erklärte, es werde seine Truppen trotz türkisch-sudanesischem Vertrag weiterhin in Yemen belassen.

Doch zwischen Sudan und Ägypten  eskaliert ein weiterer Konflikt um die territorial umstrittene Grenzregion Halayeeb. Der Sudan beschuldigt Ägypten Truppen jenseits seiner Grenze stationiert zu haben, sowie in seinen Luftraum eingedrungen zu sein und auch die Küstengebiete zu überfliegen.

Sudan hat desweiteren die Grenzen zu Eritrea geschlossen angesichts von Berichten über die Stationierung von Truppen Ägyptens und der Vereinigten Arabischen Emirate in Eritrea. Sudan hat sich bei der UNO desweiteren darüber beschwert, dass Ägypten Saudiarabien zwei strategische Inseln in der Nähe Halayeebs zurückgegeben habe.

Hinzu kommt der Konflikt über Äthiopiens Pläne einen Nildamm zu bauen, der Ägypten von lebenswichtigen Wasserzuflüssen abschneiden könnte, zumal Äthiopien hierbei die Unterstütztung des Sudans anvisiert.Momentan befinden sich die Verhandlungen zwischen Äthiopien und Ägypten in einer Sackgasse, während Sudan Äthiopien unterstützt.

In den ägyptischen Medien kommen klare Warnungen, so etwa in der Kolumne „Omar Baschirs politischer Selbstmord“ des ägyptischen Journalisten Emad Adeeb: „Der sudanesische Präsident Omar Baschir spielt im Austausch gegen Dollar mit dem Feuer. Der Sudan verletzt die Gesetze der Geschichte und Geographie und verschwört sich gegen Ägypten im Schatten türkischer Verrücktheit, iranischer Verschwörung und dem äthiopischen Plan Ägypten des Wassers zu berauben, und Katars Finanzierung von Bemühungen Ägypten zu untergraben.“

Und das sind bei weitem nicht alle Konflikte: Katar zog als Antwort auf die Runterstufung der Beziehungen  Eritreas und Dschiboutis mit sich, die 400 starke Friedenstruppe von der Insel Douimera im Roten Meer zurück. Eritrea besetzte darauf die Insel, die von Dschibouti als Eigentum reklamiert wird, was wiederum Äthiopien in einen Konflikt mit Eritrea bringen könnte.Der türkisch-sudanesische Deal bereichert die schon an Konflikten reiche Region nun um einen weiteren.

 

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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