Oliver Stone-ein patriotischer US-Kritiker in der Flut von unkritischem US-Patriotismus-eine kritische Hommage

von Ralf Ostner

Oliver Stone ist als Regisseur neben Michael Moore so der denkbar streitbarste amerikanische Antiamerikaner in den USA. Während Michael Moore schon immer aus einem linksliberalen Kontext kommt, war Oliver Stone in seiner Jugend glühender US-Imperialist,Patriot, Republikaner, Militarist und anfangs glühender Befürworter des Vietnamkriegs, den er als gerechten Krieg gegen den Kommunismus sah wie seine Vorfahren gegen Nazideutschland. Erst seine Vietnamkriegserfahrung brachte ein Umdenken, wenngleich er es nun als neuen Patriotismus sah, vor solchen Kriegsabenteuren, bei denen man zumal besiegt werden kann zu warnen.

Oliver Stones erstes Werk war die Vietnam-Triologie Platoon,  Geboren am 4. Juni und Zwischen Himmel und Erde.Wobei die Besetzung bei Geboren am 4. Juni mit Tom Cruise exzellent ist, zumal Cruise bisher nur durch das US-militaristische Pentagonpropagandastück Top Gun bekannt wurde, nun aber in Stones Film einen GI spielt, der verkrüppelt aus dem Krieg zurückkommt und allseits keine Unterstützung seitens der Familie, Republikaner und Vietnamkriegsbefürworter erhält, sondern durch die Kriegsgegner und umdenkende Veteranenvereinigung.Stone nutzt Cruise um ihn vom militaristischen Helden zum Kriegsopfer und Antihelden umzufunktionieren, der dann zum eigentlichen neuen Helden eines kritischen nichtmilitaristischen US-Patriotismus wird. Genial.

Während Platoon und Geboren am 4.Juni noch die Vietnamkriegsgeschichte aus der Sicht von US-GIs ist, jenen überzeugten Kämpfern in Vietnam und ihren verkrüppelten Veteranen, die in den USA nicht als Helden gefeiert wurden,ist Zwischen Himmel und Erde der erste US-Antikriegsfilm, der den Vietnamkrieg aus der Perspektive einer vietnamesischen Frau betrachtet, die sowohl Vietnam wie auch die USA kennenlernt – ein völliger Perspektivwechsel zu den Heldenepen wie Green Berets mit John Wayne, Rambo oder eben Janes Fondas „Bring our Boys home!“.Erstmals durfte in den USA ein ehemaliges Vietcongmädel ihre Leidensgeschichte und Erfahrung mit beiden Ländern erzählen. Wohlweislich wurde der Film gedreht, als Bill Clinton versuchte mit Vietnam wieder diplomatische Beziehungen und eine Normalisierung aufzunehmen in den 90er Jahren und die Gegner einer solchen Aussöhnungen, rechtsradikale Veteranen und Südvietnamesen im US-Exil versuchten den Film mittels Bombendrohungen in Kinos zu verhindern.

Sein nächster Film JFK über  John F. Kennedy und das Attentat auf ihn war ein kritisches Hinterfragen der offiziellen Lesweise,  des Warrenreports seitens eines US-Staatsanwalts. Stone macht für die Ermordung Kennedys dabei Nixon und die Bushfamilie in Zusammenspiel mit der CIA, dem Militärisch-Industriellen Komplex, den Exilkubanern und der Mafia verantwortlich, stellt dann aber Kennedy als Vietnamkriegsgegner und Pazifisten dar, was auch übertrieben ist, weswegen der Film auch streckenweise verschwörungstheoretisch wird, da er Kennedy zur unbefleckten Gralsfigur aller US-Ideale und seine Ermordung als absolute Zeitenwende in der US-Politik darstellt und sehr manächistisch wird.

 

Der nächste Film war Nixon, ein sehr einfühlsames Profil des damals höchst umstrittenen US-Präsidenten , das bei aller Kritik an ihm doch sehr mitfühlend ist und ihn eher als Politiker mit erziehungsbedingtem Trauma seitens seiner puritanischen Mutter und dem Albtraum eines gestorbenen Bruder psychopathologisiert, der nur eine Marionette ist und versucht den Tiger des US-Imperalismus und des imperialistischen Systems zu reiten und zu bändigen und nicht anders handeln kann, als er handelt, also ein Getriebener ist, wobei er aber in dem Film bei einem Geheimtreffen mit seinen Unterstützern auch die Ermordung Kennedys bespricht, als deren Täter Oliver Stone ja eben Nixon und Bush senior vermutet.Wobei Stone mit Nixon so einfühlsam ist, da Nixon eben auch zum Teil Stone war, beide eben Republikaner, angetrieben von dem US-amerikanisch-puritanischen Wertesystem und seinen Zwängen, beide Getriebene, bis Stone eben sein Vietnamkriegserlebnis hatte und umdachte, aber eben Nixon aus seiner eigenen damaligen Lebenswirklichkeit nachfühlen kann, da er sein alter ego wurde.

 

Natural Born Killers war dann ein massenmordendes Killerpärchen, eine Art perverves Bonny und Clydepärchen, das durch die Medien gehypt wird, was dann eher als Kritik an der Sensationsgeilheit der Medien zu sehen ist, denn als Gewaltverherrlichung und selbst die brutalen Szenen halten den Medien und ihren Konsumenten, die wir sind, eben den Spiegel vor . Zumal Oliver Stone den Reporter, der über das Killerduo berichtet ihr eigenes Opfer werden lässt, wobei auch dies massenmedial ausgeschlachtet und alles erst selbst mittels des sensationsgeilen und seinen eigenen Tod dokumentierenden Reporter als Hauptakteur möglich gemacht wird.

 

Dann kam Alexander der Große, ein historisch sehr korrektes und detailiertes Epos, das aber seitens Griechenland boykottiert wurde, da Oliver Stone die homopilen Veranlagungen Alexanders zeigte, die Griechen aber keinen schwulen Alexander akzeptieren wollten.

Ähnliche Erfahrungen hatte Stone mit der Türkei. Sein Film Midnight Express, in dem er einen drogenschmuggelnden US-Amerikaner in der Wahnsinnshölle eines türkischen Gefängnisses zeigt, brachte Stone Drehverbot für weitere Türkeifilme.

 

Oliver Stone drehte dann noch einen Film über zwei unter den Trümmern des World Trade Centers begrabenen Feuerwehrmännern, was bestenfalls als patriotischer Kitsch durchgehen kann.Hier hatte ihn wieder sein alter Patriotismus gepackt und wollte er angesichts 9-11 nicht außerhalb der patriotischen Front stehen, sondern eben nur patriotischer US-Amerikaner sein. Egal ob US-Regierung und ihre CIA Osama BinLaden jahrelang unterstützt hatte und den Islamismus kräftig gefördert hatte—dazu kam nichts in seinem 9-11-Drama.

 

Desweiteren drehte Oliver Stone ein völlig unkritisches Portrait über Fidel Castro, bei dem dieser seine Propaganda ohne jegliche kritischen Nachfragen verbreiten konnte. Da sein Sohn zum Schiitentuim konvertiert war, wollte Stone auch einen Film über Khomeini und Ahmadinedschad drehen, erhielt aber seitens des Irans keine Dreherlaubnis, da Stone schon Alexander den Großen als homophil dargestellt hatte und man Schlimmeres bei den eigenen Staatsmännern und Geistigen Führern befürchtete. Stone war nicht so der holzschnittartige Propagandist und unberechenbar.Auch wollte Stone noch über Mao einen Film drehen, erhielt aber seitens der VR China da keine Dreherlaubnis, da diese Kritik an ihrem Nationalhelden befürchtete, zumal kritische Maobiographien wie „Mao“von Jung Chang in China verboten sind.Zumal ist auffällig, dass Stone nur über große Männer dreht, die Weltgeschichte machten, bisher aber niemals über welthistorische Frauen.

 

Zuletzt drehte Stone noch seine „Geschichte der USA“, die sehr kritisch ausfiel, wenngleich auch zum Teil verschwörungstheoretisch ist und streckenweise einfach Fake News brachte. So etwa als bestbelegtestes Beispiel die alte kommunistische Propagandalüge, dass Südkorea und die USA Nordkorea überfallen hätten. Ich selbst kenne die damals gebrachten Indizien dafür, da ich damals der kommunistischen Propaganda glaubte, aber dann sehen mußte, dass sie eine einzige Lüge war. Zum einen der Bericht einer US-Zeitung in den kommunistischen Medien , dass südkoreanische Truppen eine nordkoreanische Grenzstadt angegriffen hatten. Eine Fehlmeldung, die auch korrigiert wurde, zumal auch selbst in diesem Fall Nordkorea deswegen noch lange nicht das Recht gehabt hätte ganz Südkorea zu überfallen. Zum zweiten der Ausspruch des damaligen südkoreanischen Präsidenten Syngman Ree, den „Marsch nach Norden“anzutreten. Das war einfach Großsprech, zumal Südkorea noch keine richtige Armee hatte und die USA damals auch keinen Beistandspakt für Südkorea geschlossen hatten, sondern es unter Truman sogar aus seiner Sicherheitszone ausgenommen hatten und damit ein Machtvakuum hinterließen, dass Stalin, Mao und Kim Ilsung füllen wollten mittel eines Krieges. Und wem auch dies nicht genug ist, der möge Chrustschows Memoiren lesen, in denen er von dem Treffen zwischen Stalin, Mao und Kim Ilsung berichtet, in welchem erstere beide Nordkorea grünes Licht für seinen Angriffs- und Wiedervereinigungskrieg gaben. All das verschweigt Stone und zeigt, dass er gerne oberflächlich Kritik übt, aber sich nicht tiefer mit den Details und Fakten beschäftigt, die nicht in sein Weltbild passen. Und die sind:Nachdem er ein absoluter Befürworter des US-Imperialismus war, ist er nun sein vehementester und übertriebener Kritiker.Von einem Extrem ins andere. Dennoch ist es in der Masse des unkritischen US-Patriotismus gut zu sehen, dass es auch noch andere Amerikaner gibt, wenngleich die Qualität ihrer Kritik hinterfragbar und selbst kritisierbar ist. Auch wenn Stone immer dann abstrakt von „dem System“spricht, aber keine konkreteren Angaben machen kann, was das System nun sein soll und was daran zu ändern wäre. Darunter kann sich dann jeder vorstellen was er will und alle sind dann gut aufgehoben ohne Wesentliches oder gar Konkretes gesagt oder gar gedacht zu haben. Für intellektuelle Kritiker der USA sehr wenig und flach, für US-Amerikaner und ihrem nahezu kaum hinterfragten US-Patriotismus bleibt Stone aber ein wichtiger Dorn im Fleische des US-Imperialismus.



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