Die Rohingyakrise und das islamistische Attentat auf den Dalai Lama in Indien

von Ralf Ostner

Kaum eine Randnotiz ist es westlichen Medien wert, von dem Attentatsversuch islamistischer Fanatiker am 19. Januar auf den Dalai Lama in Indien zu berichten. Als der Dalai Lama einen spirituellen Workshop bei einer Pilgerreise in indischen Bihar besuchen wollte, kam es zu einem Bombenanschlag der Neo-JMB, einer Abspaltung der Jamaat-ul-Mujahideen Bangladesh (JMB), worauf die indische Polizei 2 Personen dieser Gruppe als Verdächtige festnahm. Die Neo-JMB wollte am Dalai Lama symbolisch als Vertreter des Buddismus Rache für die Gräueltaten des burmanesischen Militärs und der fanatischen Vereingungen buddhistischer Mönche gegen die Rohingyas in Myanmar nehmen.

(Quelle:BenarNews, an Radio Free Asia-affiliated online news service.

https://www.rfa.org/english/news/tibet/dalailama-blast-02022018164307.html  )

Hintergrund sind die zunehmenden Aktivitäten und Terroranschläge durch Islamisten im säkular-muslimischen Bangladesch, die seitens der Regierung mit Verhaftungen und Eliminierung militanter Islamisten der Jamaat-ul-Mujahideen Bangladesh und anderer Islamistengruppen seit 2016 beantwortet wurden, Die Gotteskrieger und Islamisten wichen daraufhin ins indische Westbengalen aus, das in der Kolonialzeit noch mit dem heutigen Bangladesch eine Einheit bildete und erst durch die pakistanisch-indische Trennung zuerst Ostpakistan und Westbengalen wurde und später Ostpakistan dann nach dem indisch-pakistanischen Krieg von 1971  Bangladesch. In Westbengalen gibt es immer noch einen muslimischen Bevölkerungsanteil unter den Indern, von dessen Radikalisierung einiger Elemente sich die Islamisten Bangladeschs Unterstützung und Zulauf erhoffen, um ihren Jihad grenzübergreifend und flächendeckend führen zu können. Zumal auch Pakistan gegen Indien und Bangladesch islamistische Terrorgruppen in Kashmir sowie in Indien , wie auch in Bangladesch desöfteren schon unterstützt hat.

Die Rohingyas sind da willkommener Anlass für Islamisten gegen den Buddhismus, das Christentum und die säkularen Regierungen in Pakistan, Bangladesch, Myanmar und Indiens zu hetzen unter dem Vorwand der muslimischen Solidarität.

Die Rohingyas sind eine muslimische Flüchtlingsbevölkerung, die zwischen Bangladesch und Myanmar angesiedelt sind, vor allem in der Region Rakhine. Myanmar behandelt die Rohingyas als Menschen zweiter Klasse, verweigert ihnen die Staatsbürgerschaft samt Paß und die elementaren Menschenrechte. Die Rohingyas werden sowohl in Bangladesch wie auch in Myanmar als unwillkommene Ethnie gesehen, sind quasi die Zigeuner Asiens. Für die muslimischen Bangladeschis ist es dabei egal, ob sie Muslime sind–nach Ansicht der meisten bangladesischen Bürger und ihrer Regierung sollen die Rohingyas in Myanmar bleiben und als dessen Staatsbürger anerkannt werden.

Zum einen ist festzuhalten, dass die Rohingyas auch im muslimischen Bangladesch als Fremdkörper gesehen werden, obgleich sie mehrheitlich auch Muslime sind. Sie werden also von der säkular-nationaldenkenden Regierung Bangladeschs als fremde Ethnie und Fremdkörper wahrgenommen, den man nicht haben möchte, zumal sich ja auch Teile der Rohingyas bewaffnet haben und Bangladesch eben auch als Hinterland für ihren Aufstand gegen die burmanesische Zentralregierung nutzen könnten. Zumal ein Teil der bewaffneten Rohingyagruppen islamistisch geprägt sind, fürchet auch Bangladesch eine Stärkung der ohnehin schon in Bangladesch operierenden Islamisten.  In Burma werden sie wohl seitens Aung San Su Kis, der Regierung, Großteilen der Bevöklkerung sowie des Militärs sowohl als fremde Ethnie und eine weitere störende Minderheit und seitens buddhistischer Extremisten um die radikalen Mönchsbewegungen als feindliche Religion verfolgt, die kulturfremd ist und in einem vornehmlich buddhistischen Burma nichts zu suchen hätte.

Diese Diskriminierung scheinen die Rohingyas legitimerweise nicht hinnehmen zu wollen. Soweit noch nachvollziehbar, dass man sich wehrt. Dennoch fragt sich, welche politischen Ziele diese bewaffneten Gruppen haben. Geht es um legitime Verteidigung gegen die Repression des burmanesischen Militärs oder geht es darum einen eigenen unabhängigen Staat zu schaffen, der sich aus Burma herauslöst, was keine Regierung jemals akzeptieren kann, zumal die burmanesische Zentralregierung es ja auch noch mit weiteren rebellischen Minderheiten zu tun hat, die den Besatnd des multiethnischen Staats gefährden oder geht es darum einen islamischen oder gar islamistischen Staat bis hin zu einem Kalifat zu gründen?

Auf jeden Fall besteht die Möglichkeit, dass sich die Rohingyas von Seiten seperatistischer oder islamistischer Fanatiker instrumentalisiert werden und sich weiter radikalsiieren. Zumal die International Crisis Group in einem ihrer Berichte auch schreibt, dass einige bewaffnete Rohingyagruppen Unterstützung aus Saudiarabien und einigen Nahoststaaten erhalten, was Schlimmeres befürchten lässt.

Die westliche Berichterstattung und Kritik an der myanmarischen Regierung von Aung San Suiky macht es sich jedoch etwas einfach. Zum einen wird gar nicht darauf eingegangen, dass der Auslöser für die Vertreibung der Rohingyas Anschläge bewaffneter Rohingyagruppen auf burmanesische Polizei- und Militärstationen war, möglicherweise mit islamistischen Hintergrund.Zumal kamen die Angriffe gerade zu der Zeit, als Aung San Sui Ky gerade mit Vertretern anderer ethnischer Minderheiten einen Friedensplan verhandelte und sie dies als Störung und Boykottierung des ohnehin fragilen Firedens in Myanmar betrachtete.

Es scheint also durchaus dschihhadistische und islamistische Einflüsse auf den bewaffneten Aufstand der Rohingyas zu geben, der einen Counterjihad und Counterterrorismus durchaus legitim erscheinen lassen kann.Um eine solche Radikalisierung zu verhindern, wäre es aber auch nötig, dass die burmanesische Regierung die Diskriminierung beendet und die Rohingyas als gleichberechtigte Staatsbürger betrachtet und gesetzlich auch so gleich stellt. Damit entzöge sie radikalen Seperatisten und Islamisten auch die Basis und ideologische Legitimation. Solange aber die rassistische Diskriminierung, auch seitens burmanesischer Nationalisten und extremistischer Buddhisten anhält, werden sich die Rohingyas weiter radiaklsieren oder es eben zu Vertreibung oder gar einem Genozid kommen.

Über die Rohingya wird viel berichtet und unter emotionalen Druck. Fakt ist, dass sie diskriminiert werden  in Burma, wie auch im muslimischen Bangladesch. Zumal auch schon viele Massaker seitens des burmanesischen Militärs stattgefunden haben, die es aber auch an anderen zumal ebenfalls bewaffneten Minderheiten wie etwa den Karen gab und gibt, was ich nicht rechtfertige, aber eben kein Völkermord oder gar „neuer Holocaust“ ist, sondern ein seit Jahrzehnten stattfindender Bürgerkrieg der burmanesischen Zentralregierung gegen die Minderheiten in dem multiethnischen Staat, der verzweifelt versucht seine Zentralgewalt udnd territoriale Souveränität zu erhalten und ein Auseinanderbrechen zu verhindern. Das burmanesische Militär betreibt eine ethnische Säuberung, also Terrormaßnahmen gegen die Rohingya als ethnisches Kollektiv, um dieses aus Burma zu vertreiben, wie es dies das burmanesische Militär auch schon gegen andere Minderheiten wie die Karen, die Shan, die Kachin und andere getan hat. Brutal, aber eben kein Völkermord, kein Genozid oder gar „neuer Holocaust“. In den meisten Fällen haben sich die Vertriebenen in Flüchtlingslagern im Nachbarland wiedergesammelt, ihre Logistik ausgebaut, dann Guerillalager jenseits der Grenze gebaut samt Wiederaufnahme des Krieges.

Inzwischen hat sich die Lage wieder etwas beruhigt, wenngleich sie nicht gelöst ist. Die heftig kritisierte Aung San Sui Ky hat den ehemaligen UNO-Generalsekretär Kofi Annan als Beobachter und Gutachter der Krise beauftragt, der nun die Diskriminierung und die Gräueltaten an den Rohingyas in seinem Bericht anprangerte. Gleichlautend mit Annan fordert die säkulare Regierung in Bangladesch, dass Myanmar die Rohningyas zurückführt und menschlich behandelt. Bangladeschs Regierung hat zwar erklärt, dass die Rohingyas zwar Muslime seien und man sie daher als Flüchtlinge kurzfristig unterstütze, dass aber das arme Bangladesch diese nicht lange finanzieren könne, sowie sie auch als Staatsbürgers Myanmars ansieht, die dort auch dieselben staatsbürgerlichen Rechte haben sollten, damit sie nicht fliehen müssen.

Islamisten in Bangladesch, Indien und Pakistan hingegen betrachten dies als Glaubenskrieg, fordern einen Krieg gegen das buddistisch-säkulare Myanmar und die säkulare Regierung Pakistans, Bangladeschs und Indiens, die sich nicht für die Rechte von Muslime einsetzen würden, ja sogar der Komplizenschaft bei einer antimuslimischen Verschwörung verdächtigt werden. Bei diesen Glaubenskriegern ist der religiöse Aspekt auch wichtig. Deswegen nehmen sie auch Papst Franziskus bei seinem Besuch in Myanmar und Bangladesch, wie nun auch den Dalai Lama als vermeintlichen Vertreter des weltweiten Buddhismus als Anschlagsziele ins Visier. Zwar hat der Dalai Lama sich zugunsten der Rohingyas ausgesprochen, was diese fanatischen Islamisten ebenso wenig kümmert, wie auch die Tatsache, dass er nur Vertreter des tibetischen Buddhismus ist und nicht des burmanesischen oder gar eines Weltbuddismus, ja erstere auch kritisiert hat, während Franziskus bei seinem Besuch in Myanmar und Bangladesch sich des Themas weitgehend enthielt. Aber das ist den Islamisten egal–die Rohingyas dienen ihnen nur als Vorwand für ihr Ziel die jeweiligen Regierungen zu destabilisieren, Gottesstaaten zu errichten und dann Glaubenskriege auf diesen zu führen.



Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.