Trump will Militärparade-die weitere Militarisierung der amerikanischen Gesellschaft

Trump hat nun das Pentagon beauftragt für die Zukunft Militärparaden in Washinton vorzubereiten. Damit will er an den militaristischen Patriotismus der US-Amerikaner appellieren, der bis weit in die demokratische Partei hineinreicht und auch in der Bevölkerung breit verankert ist. Das US-Militär und seine Kriegshelden haben in den USA eine quasireligiöse, sakrale Stellung, die auch dadurch aufgewertet wurde, dass Trump erstmals ein Kabinett mit vielen ranghohen Generälen anführt, so daß sich einige Beobachter schon an eine lateinamerikanische Militärjunta erinnert fühlen. Bisher verzichteten die USA auf Militärparaden in ihrer Hauptstadt, anders als etwas China, Rußland, Nordkorea und Frankreich an seinem Nationalfeiertag oder zu Kriegsende. Mit der militärischen Aufrüstung unter Trump, seiner Modernisierung der Nuklearstreitkräfte, der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie, die Großmachtkonflikte mit China und Rußland für möglich hält und seinem Make America great again, setzt Trump neben seinem Wirtschaftsprogramm vor allem auf militärische Stärke und droht auch unverhohlen mit Kriegen.Nun gilt es auch die Bevölkerung kriegsbereit und mobilisierbar zu machen. Offiziell behauptet Trump, dass ihm die Idee bei der Militärparade in Paris bei Macron während des Nationalfeiertags gekommen sei, doch das ist gelogen und seine Bemühungen in den USA Militärparaden zu initieren, reichen schon zu dem Tag seiner Amtseinführung zurück.

Schon zu seiner Amtseinführung wollte er die Inaugaration zur Militärparade umbauen. Zum einen fällt das außergewöhnliche Erscheinen von US-Militärs bei seiner Amtseinführungsrede auf, zum anderen kann man folgendes lesen:

“It is quite clear, however, that this did not represent a mere gaffe by the military or the White House. It was a calculated maneuver by Trump to impress upon both the nation and the world his militaristic and nationalistic message. He had already unsuccessfully attempted to requisition missile launchers and tanks from the military for his inaugural parade. His inaugural speech was filled with lamentations about the “sad depletion” of the US military and vows to bolster it with increased spending and personnel.”

https://www.wsws.org/en/articles/2017/01/28/mili-j27.html

Vielleicht wird Trump auch noch einen Krieg beginnen, den er meint leicht gewinnen zu können und sich dann mittels einer pompösen Militärparade als Größten Feldherren aller Zeiten feiern lassen.Auf dieser nationalistischen und militaristischen Welle könnte Trump dann höchste nationale Zustimmung erheischen, um wiedergewählt zu werden und sich weiteren innen- und außenpolitischen Abenteuern zuzuwenden. “America first ” würde dann zu “Amerika, Amerika über alles, über alles in der Welt”. Und wie leicht in den USA Patriotismus und Militarismus geweckt werden kann, kann man auch schon während des Superbowles (in Anlehnung an George Orwells „Sports is war minus the shooting“) oder zu Zeiten des zweiten Irakkriegs 2003 sehen, dem auch Hillary Clinton und viele Demokraten euphorisch und begeistert zustimmten. Right or wrong-my country!

Mal sehen, wann die Debatte auch nach Europa überspringt angesichts der kommenden Aufrüstung der NATO und den Stimmen, dass ein „gesunder Patriotismus“noch nie geschadet habe und auch Deutschland sich von seinem Nachkriegspazifismus und seiner Scheckdiplomatie verabschieden müsse, militärisch mehr „Verantwortung“in der Welt übernehmen sowie sein Militär wieder stärker in der Gesellschaft verankern und wertschätzen soll. Noch kann man sich aber eine Militärparade der Bundeswehr beim Brandenburger Tor nicht vorstellen.

Aber Times are changing und die Erhöhung des deutschen Verteidigungetats um 36 Milliarden Euro, um ihn auf die NATOzielmarke von 2% des BIP zu heben, braucht auch die entsprechende gesellschaftliche Akzeptanz und eine zunehmende Militarisierung der deutschen Gesellschaft. Gut möglich, dass die ersten Stimmen dazu auch von der AfD kommen werden.Zumal, wenn solche Demokratien wie die USA und Frankreich das machen, warum sollte das dann Deutschland nicht auch dürfen, zumal die deutsche Bundeswehr ja auch schon mittels des deutsch-französischen Corps bei der Militärparade am Nationalfeiertag in Frankreich als gute Europäer mitmarschiert ist.Vielleicht würde eine solche Militärparade auch im europäischen Mantel zukünftig denkbar. Da wären wahrscheinlich auch Joschka Fischer, Cohn-Behndit und die Grünen begeistert, wenn Europa militärisch selbständiger würde und dies auch symbolisch untermauern würde. Dann hieße es nicht mehr „Deutschland über alles“, sondern „Europa über alles“.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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