Olympische Spiele in Südkorea und die Hoffnungen auf den Weltfrieden

von Ralf Ostner

Nun wird der Geist der Olympischen Spiele als Chance für die Völkerverständigung, den Weltfrieden und eine koreanische Aussöhnung gefeiert. Dass Nordkorea vorerst auf seine Raketentests verzichtet, eine nordkoreanische Mannschaft gemeinsam als koreanische Mannschaft mit Südkorea auftreten lässt, Kim Yonguns attraktive Schwester als Botschafterin des Friedens entsendet, die Südkoreas Präsident eine Einladung zu einem Staatsbesuch in Nordkorea überbringt und sogar von einer möglichen Wiedervereinigung redet, wird da als Hoffnungszeichen interpretiert, auch wenn Nordkorea zuvor noch eine MIlitärparade in Pjöngyang abhielt als Kraftdemonstration. Einige Beobachter sehen dies eher als Spaltungsversuch Nordkoreas, um die USA Südkorea zu entfremden und letzteres zu Krediten zu bewegen, die das Sanktionssystem der USA und der UNO-Resolutionen aushöhlen..

Hingegen drängen die USA auf eine weitere Verschärfung der Sanktionen, klagen China und Rußland an, die Sanktionen trotz UNO-Beschluß weiterhin zu unterlaufen, planen US-Pentagonstrategen neuerdings eine militärische Option namens „Blutige Schnauze“, die einen begrenzten Krieg mit Nordkorea unterhalb eines Nuklearkrieges und einer Einmischung Chinas und Rußland erhofft, haben die USA in ihrer neuen Nationalen Sicherheitsstrategie China und Rußland als revisionistische Staaten bezeichnet, mit denen man sich auf Großmachtskonflikte einstellen müsse nebst Schurkenstaaten wie Iran und Nordkorea.Zwar hat Trump erklärt, dass er während der 2 Wochen der Olympischen Spiele nicht zündeln wolle, sind alle Seiten bemüht sich propagandistisch als Friedensmächte und nicht als Troublemaker zu inszenieren, aber die alten Widersprüche bleiben vorhanden, ja werden sogar ausgedehnt. Trump hat nun erklärt, dass nicht nur das Atomwaffenpotential Nordkoreas eine Herausforderung für die USA ist, sondern auch das Chinas. Chinas Kritik an der Stationierung von US- Raketenabwehrsystemen wie  THAAD in Südkorea und im Restpazifik, wonach die USA auch auf die chinesischen Nuklearpotentiale zielten, erfahren so aus Pekings Sicht eine gewisse Bestätigung. Zumal Trump nun auch die Modernisierung und Aufrüstung der US-amerikanischen Nuklearstreitmacht beschloss.

Dabei bleiben die Positionen zwischen Nordkorea und den USA weiterhin unversöhnlich, wenn man sie so grundsätzlich beibehält wie offiziell vermeldet. Nordkorea möchte von den USA als Atommacht anerkannt werden und einen Friedensvertrag mit Systemgarantie. Die USA, Südkorea und China drängen darauf die koreanische Halbinsel zu denuklearisieren, d.h. Nordkorea soll sein Nuklearwaffenprogramm einstellen, was es niemals tun wird, zumal es weiß, dass China und Rußland es nie zu einem Systemkollaps mittels Sanktionen kommen lassen wird und Nordkoreas Führer auch bereit ist, im Ernstfall wieder eine Hungersnot wie in den 90er Jahren einzugehen, um das in die nordkoreanische Verfassung neu aufgenommene Ziel einer Atommacht beizubehalten.

.Insofern Trump und die USA nicht willens sind, Nordkorea als Atommacht anzuerkennen, dafür auf einen Atomtest- und Raketentestverzicht Nordkoreas im Ausgleich für die Beendigung der jährlichen US-südkoreanischen Manöver zu bestehen, wird sich nichts ändern und stehen die Zeichen auf weitere Konfrontation.Wobei Nordkorea seine Raketentests auch nicht mehr ad ultimo abhalten kann, ohne nicht eine rote LInie zu überschreiten.Denn um zu beweisen, dass es Interkontinetalraketen mit Atomsprengköpfen bis in die USA transportieren kann, müsste es eine solche Interkontinentalrakete entwicklen, die auch den Wiedereintritt in die Atmossphäre und kurz vor der US-Küste schafft. Bisher flogen die Raketen ja nur bis kurz vor Guam oder hinter das Japanische Meer und hielt man noch sichere Distanz zu den USA, um diese nicht zu unüberlegten Reaktionen herauszufordern.

Je mehr sich Nordkorea einer faktischen Bedrohung der USA technologisch nähert, desto wahrscheinlicher ist eine militräische Konfrontation. Die Frage ist also, wie weit sich Nordkorea bei der Demonstration seiner technologischen Fähigkeiten auch die USA atomar treffen zu können vorantraut oder ob es sich eine Verhandlungslösung erhofft, die solch eine riskanten Raketen- und Atomtest nicht nötig macht, der zu einem point of no return führen könnte. Ansonsten bestünden noch die Optionen, dass Nordkorea seine begrenzten Atomtests- und Raketentests bis ultimo wiederholt ohne jegliche Beweiskraft und weitere Wirkung oder einen auf einer Interkontinentalrakete plazierten und mit Wiedereintritt in die Atmosphäre ausgerüsteten nuklearen Sprengkopf weit genug als Demonstrationsexplosion im Pazifik in sicherer Distanz zu Japan, Guan oder den USA , aber nahe genug zu  den USA, der keinem schadet, aber alle abschreckt, zündet. Schließlich könnte es noch darauf verweisen, dass ja auch die USA und Frankreich im Pazifik schon straflos genug Atomwaffen getestet hätten. Aber was wenn, wenn selbst dies keine Reaktion hervorbringt. Die nächste Stufe wäre, dass Nordkorea sich nach dieser Demonstration dann eine Armada von interkontinentalen Atomwaffen wie China zulegt, die die USA treffen können. Dann wäre die Frage, ob die USA dies hinnehmen oder aber dem militräisch zuvorkommen und kein zweites China noch weitere Atomwaffenstaaten zulassen werden. Vielleicht würden die USA dann eben auch mittels eines Präventivschlags Nordkorea völlig auslöschen–mit „Fire and fury“, wie Trump schon gedroht hat, auch als bleibende Warnung an den Rest der Weltgemeinschaft.

Durchaus wahrscheinlich, dass Nordkorea seine Eskalationsgrenzen bewußt sind, weswegen es nun vorerst versucht mittels der Olympischen Spiele und Südkoreas diplomatischen Spielraum zu erhalten. Wobei Nordkoreas Propagandaslogan von der Wiedervereinigung nicht ernst gemeint ist, da dies weder die USA noch China zulassen würden, noch irgendeine Möglichkeit besteht die durch die Großmächte garantierten und ihrem Gesellschaftssystem so unterschiedlichen koreanischen Staaten zusammenzubringen. Nordkorea zielt also darauf ab, dass Südkorea aus der gemeinsamen US-Front ausschert, die Sanktionshoffnungen Washingtons ad absurdum führt, um dann letztendlich auf dieser Basis vielleicht in gemeinsame Verhandlungen mit den USA, die vielleicht in einem Gipfeltreffen zwischen Kim Yongun und Trump gipfeln könnten zu treten. Daran ändert das bisherige beiderseitige Drohszenario wie auch der Austausch von Komplimenten durch ihre jeweiligen Führer („little rocket man“, „short and fat“) nichts.



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