Osterwieck: Keine Ausländer. Probleme mit Gewalt an Grundschule

von Ralf Ostner

Das Kollegium einer Grundschule in Osterwieck (Sachsen-Anhalt, 11.000 Einwohner) schickt einen Hilferuf an die Eltern. (Der Brief landet dann bei den Medien.)

Die Lehrer berichten in ihrem Elternbrief (laut Spiegel Online)

von “permanent auftretenden, gravierenden Verhaltensproblemen vieler Schüler”, es gebe “mittlerweile täglich” schwerste Probleme: Beklagt werden “extreme körperliche Gewalt, Körperverletzungen und Schlägereien”, “Sabotage” und “unerlaubtes Verlassen des Unterrichts” sowie eine generelle “Gefühlskälte” gegenüber Mitschülern.

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Im Interview mit dem MDR hatte sich Elternvertreterin Mandy Bähsel am Donnerstag noch “schockiert” von dem Brief gezeigt und befürchtet, “dass Kinder sich vielleicht auch gar nicht mehr trauen, in die Schule zu gehen, weil sie Angst vor Mitschülern haben, weil sie geschlagen werden”.

Ausländer? Gibt es dort kaum.

Die betroffene Grundschule sei “ausdrücklich keine Brennpunktschule”, auch gebe es nur einen einzigen ausländischen Schüler.

Auf einschlägigen rechtspopulistischen Seiten im Netz waren zuvor Migranten für die Konflikte verantwortlich gemacht worden.

Im Spiegel-Artikel steht nichts von den Hintergründen und möglichen Ursachen. Die soziale und kulturelle Lage in vielen der ostdeutschen Kleinstädte ist allerdings desparat. Die Einwohner fühlen sich abgehängt. Der Frust überträgt sich auf die Kinder. Ist das so in Osterwieck?

Gewalt ist kein Ausländerproblem, sondern ein soziales. Gestern hab ich den Schlüsselsatz dafür zitiert, ich wandle ihn jetzt etwas ab:

“Gewalt ist in erster Linie eine Frage von Lebenslagen.”

Man wird sich die Lebenslagen in dieser Kleinstadt anschauen müssen.

Je schlechter die Lebenslage, desto anomischer das Verhalten. Die Regel gilt herkunftsunabhängig.



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