Osterwieck: Keine Ausländer. Probleme mit Gewalt an Grundschule

Das Kollegium einer Grundschule in Osterwieck (Sachsen-Anhalt, 11.000 Einwohner) schickt einen Hilferuf an die Eltern. (Der Brief landet dann bei den Medien.)

Die Lehrer berichten in ihrem Elternbrief (laut Spiegel Online)

von “permanent auftretenden, gravierenden Verhaltensproblemen vieler Schüler”, es gebe “mittlerweile täglich” schwerste Probleme: Beklagt werden “extreme körperliche Gewalt, Körperverletzungen und Schlägereien”, “Sabotage” und “unerlaubtes Verlassen des Unterrichts” sowie eine generelle “Gefühlskälte” gegenüber Mitschülern.

und:

Im Interview mit dem MDR hatte sich Elternvertreterin Mandy Bähsel am Donnerstag noch “schockiert” von dem Brief gezeigt und befürchtet, “dass Kinder sich vielleicht auch gar nicht mehr trauen, in die Schule zu gehen, weil sie Angst vor Mitschülern haben, weil sie geschlagen werden”.

Ausländer? Gibt es dort kaum.

Die betroffene Grundschule sei “ausdrücklich keine Brennpunktschule”, auch gebe es nur einen einzigen ausländischen Schüler.

Auf einschlägigen rechtspopulistischen Seiten im Netz waren zuvor Migranten für die Konflikte verantwortlich gemacht worden.

Im Spiegel-Artikel steht nichts von den Hintergründen und möglichen Ursachen. Die soziale und kulturelle Lage in vielen der ostdeutschen Kleinstädte ist allerdings desparat. Die Einwohner fühlen sich abgehängt. Der Frust überträgt sich auf die Kinder. Ist das so in Osterwieck?

Gewalt ist kein Ausländerproblem, sondern ein soziales. Gestern hab ich den Schlüsselsatz dafür zitiert, ich wandle ihn jetzt etwas ab:

“Gewalt ist in erster Linie eine Frage von Lebenslagen.”

Man wird sich die Lebenslagen in dieser Kleinstadt anschauen müssen.

Je schlechter die Lebenslage, desto anomischer das Verhalten. Die Regel gilt herkunftsunabhängig.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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