Times are changing: Schwarze Männer und Frauen in der Musik vor Hip Hop und Rap

Heute ist jeder schwarze Rapper und Hip Hopper von mindestens einem Schwarm bikinitragender und titten- und arschwackelnder Tuzzis umgeben, erklärt wie Jay-Z: „I have 99 problems, but a bitch ain´t one!“ und fuchtelt zumal mit Waffen rum und brüstet sich mit seiner maskulinen Gewalttätigkeit, der sich Frauen unterordnen sollen und erklärt, dass man Schwule, Warmduscher, Gutmenschen und Weicheier am besten ausrottet–selbst im Reaggae.

Wie sah´s in den 70ern aus? Bei Boney M. war der schwarze Mann der halbnackte Quotenbimbo , ja Sexualobjekt und von drei angezogenen schwarzen Frauen eingerahmt. Me too hätte sich eher auf ihn bezogen, da jede Frau gerne mit ihm geschlafen oder ihn begrapscht hätte.Man braucht nur einmal einen Blick auf das Boney M.-Video „Ma Baker“zu richten.

https://www.youtube.com/watch?v=otna9Pe3jWg

Selbiges Muster beim Lied Daddy Cool von Boney M:

Gegen Mitte des Songs legt der schwarze Mann einen Striptease hin:

https://www.youtube.com/watch?v=otna9Pe3jWg

Die schwarzen Männer und die schwarzen Frauen hatten beiderlei Afrolook, respektierten einander noch, ihre Texte waren ironisch und gewaltfrei. James Brown sang von sich als Sex Machine, Donna Summer stöhnte ihr orgastisch-erotisches „I feel love“, kurz: man fröhnte der Sexualität und Körperlichkeit, ohne dass sich solch frauenfeindlichen Texte und Bezeichnungen wie dieses machohafte „bitch“, „whore“, „motherfucker“, etc. einschlichen, wie etwa nach der davon freien und letzten politischen schwarzen Band „Public Enemy“ bei Ice Cube, Ice T, Niggers with Attitude, Bodycount, wenngleich sich die Stereotype herausbildeten, dass Black, sex und Lebensfreude zusammengehören.

Aber an Hiphop und Rap gehörten Sex im Form von Frauenverachtung und Machtdemonstration , Gewalt, Kriminalität und primitivster Wortwahl zusammen.

Sieht man sich die heutigen Hip Hop- und Rapviedos an, sind sie nur gewaltverherrlichende, machodominierte Clips, die nichts von Erotik und Lebensfreude der 70er verkörpern, sondern nur von tätowierter muskel- und Gangsterrapbezogener kleinkrimineller Männergewalt erzählen, bei der Frauen nur Staffage sind. Selbst Beyonce, die mit Jay Z liiert ist, schwankt, wenn sie solo auftritt  zwischen dem zärtlich-erotischen „Hallo“

https://www.youtube.com/watch?v=bnVUHWCynig

und einem Roadmovieclip mit Jay Z, bei der sie als Gangsterrapperduo der Marke „Bonny und Clyde“Richtung Mexiko mal wieder kleinkriminell ala Natural Born Killers flüchten und die Polizei übertölpeln.

https://www.youtube.com/watch?v=xm0Xba8eFTg

Aber das ist mehr dies Ausnahme, da Jay Z sich ansonsten in den übliche machohaften Rappergangvideos als Solomann in 99 Problems verewigt:

https://www.youtube.com/watch?v=6uikJTnmtg

Und da sind als Solonummer nur wieder Gewalt, Waffen, Frauenverachtung, bitches, Kampfhunde und Gangsterrapkleinkriminalität zu sehen.

Vielleicht kommt ja wieder eine andere Zeit, bei der man wieder hedonistisch und gleichberechtigter miteinander, nicht nur in der Musik umgeht. Aber die weltweiten Trends weisen in eine noch brutalere Richtung, bei der Radikalisierung, Hate speech und Fake News immer dominater werden. Zumal es jetzt auch eine weisse Männerbewegung gibt, die weisse Gewalt zum Schutz der weissen Frau vor Flüchtlingen und Ausländern propagiert, wobei die Frau als Schutzobjekt dann aber auch wieder der maskulinen Männergewalt untergeordnet werden  und sich den weissen Männerwünschen fügen soll als Schutzgeld.Diese Typen sind genauso so faschistisch und frauenfeindlich wie ihre schwarzen oder islamischen Vorbilder, aber erhalten auch einigen Zuspruch.

Vielleicht erzeugt dies aber eine Gegenbewegung wie die Antivergewaltuigungsdemos in Indien, Brasilien, Me too, die Schülerdemos gegen Waffen und Trump in den USA. Aber dies bleiben bisher sehr unorganisierte Gegentrends. Auch stellt sich die Frage, ob es auch nochmals eine neue Musikbewegung geben wird oder ob es nur vereinzelte und zersplitterte Musiker geben wird, die den kommerziellen Einheitsbrei des Gehabten und Konventionellen der Remakes und Crossovers durchbrechen können.

 

 

 

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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