Ostersonntag und die Tradition der Bundeswehr-warum keine Beate-Uhse-Kaserne?

von Ralf Ostner

Auf Phönix lief heute am Ostersonntag während Papst Franzisklus sein Urbi et Orbi verkündete eine Diskussion über die Tradition der Bundeswehr.Diskutanten waren:Der Junghistoriker Sönke Neitzel, General a.D. Kujat, eine mittelälterliche Historikerin und Moderation von Guido Knopp.

Zuerst ging es um Geschichte. Kujat erzählte, dass schon früher Armeen europäisch gedacht hätten, so die Royal-German League mit Wellington gegen die Franzosen bei Waterloo. Die Altheit einer Armee sage nichts unbedingt über deren Modernität auch für heute aus.Womit er die kaiserliche Armee und die Wehrmacht elegant umschiffte.

Die Historikerin meinte, dass man unterscheiden müsse zwischen Geschichte, Tradition und Brauchtum. Tradition habe immer eine Wertegebundenheit und die sei bei der Wehrmacht der Eid auf Adolf Hitler und bei der Bundeswehr eben auf die Verfassung der BRD.Daher verbiete sich eine Tradition im Sinne der Wehrmacht.

Hierauf widersprach Sönke Neitzel und meinte, es hätten zwar alle Wehrmachtler auf Adolf Hitler geschworen, aber die Truppe sei sehr heterogen gewesen. Es hätte auch Offiziere und Soldaten mit katholischer Wertebindung gegeben, die nicht dem Widerstand angehört hätten und trotzdem tapfer gewesen wären.

Zudem bilde sich Tradition von unten heraus. Wenn die einfachen Soldaten einer Kaserne und die dazugehörige Gemeinde der Ansicht seien, dass ein Namensgeber traditionswürdig sei, so solle man eben die Kaserne danach benennen. Zudem würden Kämpfer nur tapfer Kämpfer als Vorbilder sehen und wenn man dies ignorierte, würden die Soldaten ihre eigenen Vorbilder suchen–unabhängig vom Befehl von oben.

Wobei die Historikerin wiederum meinte, Tapferkeit setze man bei Soldaten berufsbedingt vorraus, wichtig sei aber die Wertebindung und für welche Werte sie einstehen. Worauf Guido Knopp den Fall der Oberst-Lendt-Kaserne hervorhob, die nun schon 60 Jahre unter diesem Namen existiere, zumal Lendt ja auch tapfer Alliertenbomber vom Himmel geschossen und so die deutsche Bevölkerung vor dem Alliertenterror bewahrt habe, Menschenleben gerettet habe.

Worauf Nötzel nachhakte und meinte, dass Oberst Lendt für katholische Wertebindung stand, wenngleich er nicht dem Widerstand angehört habe, wie auch die Soldaten in der Kaserne und die Gemeinde den Namen befürworte. Alles also Kritierien um den Erhalt des Kasernennamen zu rechtfertigen. Desweiteren sprach sich Nötzel für Heterogenität bei der Traditionspflege aus. Ein Spezialkommando brauche andere Vorbilder als Panzergrenadiere, Kampfflieger oder nun eben die Soldaten des neuen Cybercommands.

General Kujat meinte dann auch, dass ja inwzischen viele Kasernen zurecht umbenannt wurden, diese Diskussion ja schon über Jahrzehnte laufe, man auch darüber nachdenken könne Kasernen nach Deserteuren zu benennen, es aber eine gewisse Kontinuität bräuchgte und man die Traditionserlasse nicht unter jeden neuen Regierung wieder infrage stelle und umändere. Der jetzige Tradtionserlass, die Wehrmacht nicht als generelles Vorbild zu nehmen, aber einzelne verdiente Kämpfer schon sei nach wie vor sinnvoll und ausreichend.Von der Leyens Vorschlag, Kasernen nach Soldaten der jetzigen Bundeswehr und auch deren Kämpfer und Gefallenen zu benennen, wurde allseits positiv gesehen.

Interessant bei der Diskussion, inwieweit Junghistoriker inzwischen wieder die Rolle der Nationalkonservativen bei den Verbrechen des Hitlerfaschismus und seines Welt- und Vernichtungskrieges kleinreden, Wertefragen stark relativieren zugunsten von Sekundärtugenden wie Tapferkeit oder Kategorien, ob ein Kasernenname von unten, den Soldaten und den Gemeinden Zustimmung finde. Bei richtiger Zusammensetzung von unten, könnte es da schnell wieder berühmt-berüchtigte Kasernennamensgebungen und Vorbilder geben, vor allem wenn man den Kämpfertypen so in den Vordergrund spielt wie Nötzel dies tut. Leute wie der alte General Kujat haben da eine wertestabilere Beurteilungsbasis als solche Historiker-Jung-Yuppies wie Sönke Neitzel.

Vielleicht sollte man auch mal eine Bundeswehrkaserne nach Hitlers Kampffliegerin Beate Uhse benennen. Über unsere großdeutsche Dildofrau ist auf Wikipedia zu lesen:

„Bei der Luftwaffe flog sie die Jäger Messerschmitt Bf 109 und Focke-Wulf Fw 190 sowie Ju 87 und Messerschmitt Bf 110. Dabei kam es zu Begegnungen und Beschuss durch alliierte Jäger, die sie unbeschadet überstand.Ab dem 1. Oktober 1944 wurde sie im Rang eines Hauptmanns vom Überführungsgeschwader 1, Gruppe Mitte mit Sitz in Staaken übernommen. Kurz vor Kriegsende im April 1945 bekam sie dort eine Einweisung auf den Strahljäger Messerschmitt Me 262. Beim Einmarsch der Roten Armee konnte sie am 22. April 1945 von Gatow aus mit Sohn, Kindermädchen und weiteren vier Personen mit einer Siebel Fh 104 zunächst nach Barth und von dort am 30. April 1945 über Travemünde nach Leck und schließlich nach Flensburg flüchten.“

Tapferkeit hatte sie sowie allgemeine Beliebtheit bei der Truppe hätte sie heute sicherlich ebenso.Zumal die erste Frau.Wäre mal was Neues!



Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.