Die Buchfeindlichkeit in der arabischen und muslimischen Welt

Heute ist im Münchner Merkur ein interessanter Artikel über den syrischen Orientalisten und Kulturhistoriker Azad Hamoto, der einen ganz guten Überblick über die Rolle des Buchs, des Lesens und seiner Inhalte in der arabischen, wenn nicht auch der muslimischen Welt gibt. So ist zu lesen:

„Doch einen Buchmarkt wie in Deutschland gibt es in der arabischen Welt nicht“ Das fängt bei den Druckereien an. Die Schriftsteller kommen von überall her, produziert und verlegt wird aber im Grunde nur in vier Ländern: im Libanon, in Ägypten, Syrien und Marokko. Von dort verteilen sich die Werke überall in die arabische Welt(…)

Buchpreisbindung? Fehlanzeige. Wie auf dem Basar handelte Hamoto die Preise aus (…) Die meisten Texte sind in Reimform geschrieben. Romane spielen in der arabischen Welt eigentlich keine Rolle. „Man erzählt Geschichten oder Dichtungen. Das Mündliche, nicht das Schriftliche steht in der arabischen Welt im Mittelpunkt“, sagt Hamoto.

Wobei man natürlich differenzieren müsse. Arabisch, das sei nur ein Überbegriff.“ Es ist wie mit dem Englischen. Wenn jemand etwas in britischem Englisch schreibt, wird es danach ins amerikanische Englisch übersetzt. So ist es auch im Arabischen“.

Für alle Länder gelte, dass Romane noch etwas Neues seien. Wenn man also den Experten nach Klassikern der Kinderliteratur fragt-nach „Pippi Langstrumpf“oder dem „Jim Knopf“ Arabiens- muss er passen.“ Im Westen sieht man die Welt gern mit westlichen Augen-und überträgt die eigenen Kulturgüter auf alle anderen Länder.Doch wie beim Theater, das ja eine europäische Tradition hat und erst nach und nach in andere Länder importiert wurde, ist auch das Buch etwas, was man in Ländern wie Marokko oder Saudiarabien kaum nutzt“: Schaut man sich nicht nur die Veröffentlichungen für Kinder, sondern auch die für Erwachsene an, sind es hauptsächlich Kochbücher oder religiöse Werke, die den Markt bestimmen.“ Ich habe in der Schule in der siebten Klasse noch Brecht gelesen“, erinnert sich Hamoto, der in Aleppo aufwuchs. Das wäre heute undenkbar. „Der politische Islam ist gegen Wissen- und deshalb auch gegen Literatur.“ (Münchner Merkur v.11.4.2018, S 16).

Man sieht also die kulturelle und themenmäßige Beschränktheit der arabischen Literatur, wie dem auch zu entnehmen ist, dass in muslimischen Ländern mit Ausnahme von Kochbüchern und religiösen Werken das Buch und das Lesen keine Tradition noch hohe Wertschätzung geniesst. Dies auch zur Erinnerung an all jene islamophilen Hobbyorientalisten, die von einem goldenen Zeitalter des Islams sprechen, in dem griechichische und antike Literatur ins Arabische übersetzt, dort gepflegt und weiterentwickelt worden sei. Fakt ist, dass arabische Christen und Juden die Werke Griechenland und Roms übersetzten und retteten, die Muslime und ihre Herrscher hingegen an ihnen nicht interessiert waren, sie bestenfalls duldeten, aber sie nicht lasen oder geisteswissenschaftlich weiterentwickelten. Von daher ist die angebliche kulturelle Blüte- und Hochzeit des Islams, die manchmal als Vorbedingung der europäischen Renaissance oder gar als arabische Reneaissance zusammenfabuliert wird, eher eine Märchen aus 1000 und 1 Nacht. Muslimische Herrscher und Korangelehrte fielen in der Geschichte eher dadurch auf, dass sie nach Einnahme anderer Länder die Bibliotheken niederbrannten und zerstörten.

So weist etwa auch der indische Poet Dr. Roy in einem Interview auf diese Barbarei muslimischer Invasoren ein, die zerstörerischer waren als der gesamte britische Kolonialismus in Indien:

„But among all invasions, India was worst inflicted by the Mughals. The forced and ill-willed tax-system, destruction of ancient places of worship and forced conversions changed the social-cultural fabric of India. Besides these, Muhammad bin Bakhtiyar Khilji, a Turkish invader, destroyed the Nalanda University in 1193 AD which was an ancient seat of learning. He not only destroyed it, but burnt its rich library that took three months to burn about nine million books. He also destroyed Vikramshila University in around 1200. The last invasion by the British affected Indian culture a lot, still people believe that there are few good signs of development left over by them, Indian Railways system is one of them.“

Diese Tradition andere Kulturgüter einschließlich Bücher, die nicht der Koran sind zu zerstören hat sich auch bei den militanten Islamisten, seien es die Taliban, die Boko Haram, die Anwar El Sine in Mali, die die Bibliothek von Timbutku niederbannte, dem Islamischen Staat und anderen erhalten. Evolutionäre Islamisten wiederum zensieren oder verbieten eher Bücher. Grundsätzlich aber hat sich in den arabischen und muslimischen Ländern tendenziell eine gewisse Buch- und Lesefeindlichkeit mit Ausnahme des Korans herausgebildet,die die geistige Entwicklung dieser Länder blockiert. Und sollte mal ein Salman Rushdi kritische Bücher wie „Satanische Verse“schreiben, wird er sogleich mit einer Fatwa belegt.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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