Vorkriegszeit?

von Ralf Ostner

Jetzt haben die Russen den USA gedroht, dass sie im Falle eines Raketenbeschusses auf Syrien deren Kriegsschiffe versenken werden.Vielleicht geht es dieses Mal noch mal gut, aber die Fälle, bei denen solche Konfrontationen eskalieren können häufen sich, dass es irgendwann mal außer Kontrolle geraten und eskalieren wird.Zumal Trump ein ziemlich impulsiver und wankelmütiger Mensch ist. Ich glaube ohnehin, dass wir in einer Vorkriegszeit leben.Am besten noch die letzten Jahre oder Monate geniessen im Biergarten und mit netten Menschen. Europa sitzt als Zaungast dieser Entwicklung nebenan, Macron facht diese noch an. Eine Friedensbewegung oder ähnliches ist nirgendwo in Sicht.Und in die angekündigten Treffen Trump-Kim und Trump-Putin habe ich auch keine grossen Hoffnungen, dass nun plötzlich der erhoffte große, alleslösende „Deal“herauskommt. Bestenfalls kommt es noch zu einer Art zweiten Kubakrise, die die wesentlichen Mächte angesichts des Blickes in den Abgrund und die Auslöschung zum Umdenken motiviert, wenn nicht auch diese diesmal anders ausgeht.

Interessant auch wie dies ein ehemaliger Diplomat aus dem Auswärtigen Amt sieht:

„Lieber Herr Ostner,

great minds think alike.

Vor mir liegt gerade das im Jahre 2005 erschienene Buch „Koloss auf tönernen Füssen„, das mir damals der – so die Selbstbezeichnung – „greise König aller Unken“, Peter Scholl-Latour, mit einer persönlichen Widmung zukommen ließ. Der Untertitel lautete „Amerikas Spagat zwischen Irak und Nordkorea“.

PSL widmete schon damals ein ganzes Kapitel dem von Condi Rice propagierten (2005!) „Arabischen Frühling“, einer Demokratisierungsstrategie des Nahen und Mittleren Ostens, und warnte eindringlich vor den Folgen eines solchen Ansatzes.

Der gute PSL war Journalist und seine Bücher waren natürlich oft recht holzschnittartig konzipiert. Aber er dachte geopolitisch, war ungemein erfahren und sachkundig. Die Entwicklung, die wir jetzt erleben, hat er geahnt und ziemlich genau prognostiziert.

Ich persönlich rechne mit einem Großkonflikt im Nahen und Mittleren Osten spätestens im September 2018, möglicherweise schon früher. Von Merkel und der EU ist außer Presseerklärungen dann nichts zu erwarten.

Bonne chance“

Großkonflikt–zwischen wem?

Großkonflikt-wird dann der Großteil des Nahen Ostens zur Trümmerwüste und wie steht es dann mit neuen Flüchtlingswellen?

Großkonflikt-bringt dieser eine Weltrezession hervor und wie wirkt sich dies dann auf die politische Stabilität der involvierten wie auch anderen Länder aus?

Großkonflikt–wird der nicht schnell zum Großmachtkonflikt, wenn die USA, GB, Frankreich, Rußland und NATO-Mitglied Türkei einbezogen werden und kann auch auf Europa überspringen? Oder bleibt Europa nur unbeteiligter Zaungast? Inwieweit lässt sich solch ein Großkonflikt begrenzen?

Großkonflikt könnte auch schnell Großmachtkonflikt und dann auch Weltkrieg bedeuten oder zu einem eskalieren. Das Wort Weltkrieg wird in keiner sogenannt seriösen Mainstreamzeitung mehr benutzt oder auch nur erwähnt. Das Schlimme ist, dass zumeist ewige Alarmisten, Paranoiker und Verschwörungstheoretiker diesen Begriff jahrelang so inflationär verwendeten, dass er entwertet wurde und man ihn nun für undenkbar hält, zudem es auch zu keinem der vielfach angekündigten Weltkriege bisher kam.

Zumal sich ja auch alle Welt in der Gewissheit sonnt, dass es wegen der Existenz von Atomwaffen ohnehin nie zu einem Weltkrieg kommen könne. Hier spielen die Erfahrungen des Kalten Kriegs , seiner Bipolarität und begrenzten Waffensysteme noch mit, wenngleich etwa neuere Studien wie Rethinking Armageddon von einem zweiten nuklearen Zeitalter sprechen, welches aufgrund der Multipolarität der Mächte sowie der neu hinzugekommenen Waffensystem von Cyberwaffen, Weltraumwaffen, konventionellen Flächenfeuersystemen, haystack-Waffen, Langdistanzwaffen, Stealthwaffen bis hin zu Mininukes und der globalisierten Wechselwirkungen viel instabiler als das erste nukleare Zeitalter sei.

Das Wort Weltkrieg überhaupt noch in den Mund zu nehmen, bewirkt, dass der Mahner in die Ecke mit den Zeugen Jehovas und deren jahrzehntenlangen  Prophezeihungen vom Weltuntergang gerückt wird. Wer das Wort Weltkrieg überhaupt benutzt gilt als Spielverderber, Panikmacher, German Angst oder eben als quasireligiöser Spinner. Inzwischen sind wir es daher  gewohnt nur noch Euphemismen oder Worte wie Großkonflikte oder Großmachtskonflikte zu benutzen, um den Schrecken zu verdrängen. Da wirkt die Sprachpolizei und die PC-Sprachregelung leider auf das politische Bewusstsein zurück und umhüllt uns mit einem Kokon der trügerischen Sicherheit, die solche Entwicklungen letztendlich dann doch wieder für undenkbar hält, zumal auch die Hoffnung als letztes stirbt.

 


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