Hat China „nukleare Optionen“im Handelskrieg mit den USA?

von Ralf Ostner

Viele Kommentatoren beurteilen die Frage, ob China oder die USA im Falle eines Handelskrieg die Oberhand hätten und diesen gewinnen würden höchst unterschiedlich. Einige Kommentatoren weisen auf den politischen Vorteil des autoritären Regimes der KP China hin, das mittels staatlicher Propaganda, Gesellschaftskontrolle, Überwachung und strategischer Machtzentralität imstande sei die öffentliche Meinung in China zu seinen Gunsten zu mobilisieren, den Nationalismus zu nutzen, die Volkswirtschaft stärker zu lenken, eventuelle Proteste schon im Keim zu unterdücken und somit auch längerfristig durch die so erzielte Unterstützung der Bevölkerung trotz etwaiger Entbehrungen solch einen Konflikt längerfristig durchstehen und aushalten zu können als das pluralistische, durch Partikularinteressen bestimmte, medienunzensierte, in Wahlzyklen denkende US-amerikanische System. Trumpstünde sogar vor der Gefahr bald wieder abgewählt zu werden.

Andere Kommentatoren sind der Ansicht, dass die USA vielleicht relativ die Oberhand gewinnen könnten („upper hand“, „prevail“), aber von einem „gewinnen“(„win“) dann keine Rede sein könne angesichts einer möglichen Rezession, Arbeitslosigkeit und Inflation,zumal auch fraglich sei, ob die Strafzölle die erhoffte Wirkung haben oder nicht andere US-Industrien mehr schädigen als die Industrien, die man zu schützen und zu fördern meint.Die meisten Kommentatoren sehen 4 mögliche Optionen, wie China auf diesen Handelsstreit reagieren kann:

  • Die Verhängung von Strafzöllen und Quoten
  • Eine Diskriminierung für US-Kapital in der chineischen Wirtschaft, während man andere Handelsnationen bevorzugt
  • Den massenhaften Verkauf von US-Staatsschuldenbonds
  • Die Abwertung des Yuan

Momentan versucht China die ersten beiden Optionen zu verhindern, ja hat auch eine Liberalisierung und Öffnung seiner Ökonomie für Auslandskapital, sogar mit Mehrheitsbeteiligungen auf seinem 19. Parteitag beschlossen und in Aussicht gestellt, auch um Trump zu beschwichtigen. Die meisten Kommentatoren sehen aber in dem massenhaften Verkauf von US-Staatsschuldenbonds , von denen China 1,2 Billionen US $ an Wert besitzt, sowie der Abwertung des Yuan die mächtigsten Waffen. Während sich China diesbezüglich noch zurückgehalten hat, hat Japan die symbolische Summe von 50 Mrd US$ an US-Staatsschuldenpapieren verkauft, um gegen die Strafzölle der Trumpregierung ein Contra zu setzen und eine Warnung auszusenden.

Doch in einem Artikel der South Chinese Morning Post behauptet Tom Holland, dass beide Maßnahmen,  die er als „nukleare Optionen“bezeichnet eher theoretisch bedrohlich wären und für China praktisch solche Rückwirkungen haben würde, dass es besser davon absehen:

„China has „nuclear options“in trade war with US…really?

In theory, Beijing holds a lot of economic firepower that could do great damage to US financial interests, but the dangers of blowback are so great that China would be wise to keep its powder dry.“

Ein Versuch des massenhaften Verkaufs von US-Staatsschuldenbonds würde dies einen Kollaps der Bondspreise und ein scharfe Zinserhöhung auslösen, was die Kosten für den US-Staat, Leihkosten für Firmen und Konsumenten in die Höhe treiebn und einen Crsah and der Wallstreet auslösen würde, worauf das Vertrauen in den und der Wert des US-Dollar sinken würde. Doch so würde es nicht kommen. Zuerst würde Peking sich nicht imstande finden, massenhaft US-Staatsschuldenbonds zu verkaufen, da sich bei dem Gerücht, dass China dies tun werde, die potentuiellen Käöufer weglaufen würden und die Chinesen keinen Käufermarkt finden würden.Die Wirkungen würden sich in Grenzen halten.Die US-Behörden würden weiterhin massenhaft chineische Staatsschuldenbondsbesitzer das Vermögen einfrieren und die Fed solange US-Staatsschuldenbonds aufkaufen, bis sich die Lage stabilisiert habe.Bestenfalls würde China heftige Verluste bei seinem Vermögensportofolio erzielen. Schlimmstenfalls würden 1 Billionen US$ seiner Auslandsvermögen  eingefroren und wertlos.Das Vertrauen in den US-Dollar würde wahrscheinlich schon sinken, aber alle anderen Zentralbanken würden intervenieren, da ihre Währungsaufwertung ihre Exporte abwürgen würde, worauf sich der Dollar wieder stabiliseren würde.Und ein niedrigerer Dollar würde auch Chinas Exporte teurer machen für US-Konsumenten, was dann der Wirkung von neuen Strafzöllen gleichkäme.

Bliebe die Option, dass China abwerten würde. Die Idee den Yuan soweit abzuwerten, dass die Wirkungen der Strafzölle neutralisiert würden würde zum gegenwärtigen Stand eine Abwertung um 10% gegenüber dem Dollar bedeuten.Dies könne in einem Schritt oder sukkzessive erfolgen, doch in beiden Fällen hätte es Auswirkungen auf Chinas ambitionierte globalpolitische Ziele. Zum einen würde eine Abwertung bei Investoren und Unternehmen die Erwartung auslösen, dass weitere Abwertungsschritte kommen könnten, was zu einem Kapitalabfluß aus China führen würde, die bei weitem grösser wären als bei der letzten kleineren Abwertung im Jahre 2015 und auch Chinas immense Währungsreserven stark an Wert verlieren lassen würde. Eine plumpe Abwertung würde andere Handelsnationen in die Arme der USA treiben gegen den Währungsmanipulator China gegen den dann weitere Strafzölle und Maßnahmen ergriffen würden. Ebenso würde eine massive Abwertung Chinas strategisches Ziel infrage stellen, die Internationalisierung des Yuans zu erreichen, also den Yuan als verlässliche neue und allgemein akzeptierte  Weltwährung zu etablieren.

So kommt Tom Holland in seinem Kommentar zu dem Ergebnis, dass China sollte es eine oder beide „nuklearen Optionen“wählen würde, vor allem sich selbst schaden würde:

„Over the last couple of years, Beijing has put a great deal of effort into building the credibility of its exchange rate policy in order to lay the groundwork for attracting international portfolio investment and to persuade other countries to adopt the yuan as a currency for trade settlement.

If China were now to devalue the yuan in a tit-for-trade spat with the US, it would throw its treasured yuan internationalisation ambitions out the window. And in return, the gains from such a devaluation would be highly doubtful.

The policy would antagonise China’s other trade partners around the world, aligning them more readily with the US. And Washington would immediately declare China a currency manipulator, imposing a whole fresh set of penalties on Chinese trade and investment. The costs would outweigh the benefits.

In short, neither of China’s so-called nuclear options in its evolving economic quarrel with the US is an effective deterrent.

If deployed, both would misfire badly. ■

Tom Holland is a former SCMP staffer who has been writing about Asian affairs for more than 20 years

http://www.scmp.com/week-asia/opinion/article/2141579/china-has-nuclear-options-trade-war-us-really



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