Braucht der Islam Aufklärung?

von Ralf Ostner

Die selbsterklärte liberale Muslima Lamyar Kaddor schlägt wieder zu:

„MEINUNGUnsinnige Vergleiche
Der Islam braucht keine Aufklärung

Eine Kolumne von Lamya Kaddor
12.04.2018, 17:50 Uhr

Der Islam gehöre nicht zu Deutschland, denn ihm fehlten die Werte der Aufklärung: Wer das behauptet, hat keine Ahnung von Geschichte.

Die Debatte über den Islam nimmt hysterische Züge an. Jüngster Tiefpunkt ist der Beitrag von Alexander Dobrindt. Der Islam gehöre nicht zu Deutschland, so der CSU-Landesgruppenchef. Sein Argument: Dem Islam fehle das, was für das Christentum die Aufklärung gewesen sei – mit all ihren positiven Rückwirkungen auf Glauben, Recht und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Das zeugt leider von völliger sachlicher Unkenntnis. Der Islam braucht keine Aufklärung und Reformation im abendländischen Sinn. Er hatte deren Errungenschaften bereits von Anbeginn an.

Ich verzeihe all jenen, die mich nun für durchgeknallt erklären oder in mir eine verkappte Islamistin sehen wollen. Denn die verzerrten Islamdebatten, die wir hierzulande seit fast 20 Jahren führen – geprägt von Einpeitschern ohne Kenntnis der islamischen Geistesgeschichte oder mit zweifelhafter persönlicher Agenda – lassen willigen Laien wenig Raum, um im öffentlichen Diskurs die tatsächlichen Wahrheiten zu erkennen.“

http://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_83596174/kolumne-der-islam-braucht-keine-aufklaerung.html

Ja, durchgeknallt ist dies schon, zumindestens sehr widersprüchlich und unlogisch.Mal wieder beschwört Lamyar Kaddor nostalgisch-romantisch verklärend die gute alte Zeit des angeblich aufgeklärten Islam, der erst in den letzten 2 Jahrhunderten pervertiert worden sei:

„Mit dem Ende des Osmanischen Reichs, dem Aufkommen des Nationalismus, dem Erstarken des Imperialismus, mit der Erstarrung der geistigen Strukturen im Inneren, wurde das eigene Erbe zu-nehmend verschüttet. Die Geschichte der islamischen Welt hat damals einen massiven Bruch erfah-ren, von dem sie sich bis heute nicht erholt hat. Diktaturen entstanden, Kleptokratie, Klientelwirt-schaft und Rentenökonomie breiteten sich aus. Islamisten traten auf und instrumentalisierten die Religion zu einem modernen Herrschaftsinstrument, um das Volk zu unterdrücken und sich zu neu-en Herren aufzuschwingen. Die vergangenen zwei Jahrhunderte haben die Muslime in antiaufkläre-rische Zeiten geführt.
Aufklärung unter Muslimen heißt daher: Back to the roots. Zurück zu den Wurzeln. Muslime müs-sen wieder an die Geisteswelt anknüpfen, die den Islam im Mittelalter auszeichnete. Und sie dann in die heutige Zeit übertragen.“

Aber dann fordert sie doch wieder eine „Aufklärung“, des heute real existierenden und dominierenden Islam, was eigentlich ihren Slogan konterkariert:

„Der Blick auf die historischen Entwicklungen zeigt: Der immer wiederkehrende Hinweis auf angeblich mangelnde Aufklärung im Islam ist im besten Fall überheblich. Der Ruf nach Aufklärung unter den Muslimen der Gegenwart indes ist es nicht! Im Gegenteil: Hier erlangt der Appell seine Berechtigung. Vor allem arabisch und türkisch geprägte Muslime sind heutzutage von den geistigen Wurzeln ihrer Kultur oft gekappt. Die Pflanzen wurden vor rund 200 Jahren totgetreten.“

Die Frage ist, ob diese Muslime von ihren „Wurzeln gekappt“sind oder nicht eher gerade aus diesen hervorwachsen–zumal das Osmanische Reich für sie ja ein Hort der vielzitierten Thomas Bauerschen Ambiguitätstoleranz ist und dessen angeblich liberaler und toleranter, aufgeklärter Geist wiederbelebt werden soll. „Mit Ende des Osmanischen Reichs (…) wurde das eigene Erbe zunehmend verschüttet“.

Auf die Idee, dass Muslimbruder und Islamist Erdogan für seine neoosmanischen Reichsträume und seine islamofaschistische Sultanatsdiktaur vielleicht gerade dieses Osmanische Reich als Wurzel sehen, kommt sie nicht. Da sagt doch auch Erdogan, wie die Muslimbrüder und die Wahhabisten und Salafisten: Back to the roots!



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