Wäre nach einem Sieg über den Iran der Islamismus besiegt?

von Ralf Ostner

So es doch richtig ist, den Einfluß des schiitischen Irans in der Region zurückzudrängen, ihn an dem Erwerb von Atomwaffen zu hindern und vielleicht auch das Ajatollahregime zu stürzen, so illusorisch ist die Annahme, damit wäre die Hauptwurzel des Islamismus besiegt, wie dies einige US-Strategen in der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie und ähnlich gesinnte Geister suggerieren. Denn der schiitische Iran hat bestenfalls in Libabon, Bahrain, Nordsaudiarabien, Yemen, Irak und Afghanisan (Heratregion) Schiiten, die er beeinflussen und zu Verbündeten machen kann, insofern sich nicht noch ein sunnitisch-schiitischer Pansislamismus ergeben sollte, was aber eher unwahrscheinlich ist.

Viel gefährlicher sind mittel-und langfristig die sunnitischen Muslimbrüder, die mit anderen sunnitischen Islamisten im Falle des Sturzes von Assad in Syrien die Macht übernehmen würden, wie auch im sunnitischen Raum überall die Macht übernehmen wollen, Die Muslimbrüder sind im gesamten sunnitischen Raum von Nordafrika über den Greater Middle East bis hin zu Bangladesch, Malasiya und Indonesien vertreten. Die Muslimbrüder sind dazu im Bündnis mit Erdogan, der ihnen Exil in der Türkei gibt sowie Katar und alle drei unterstützen auch die Hamas und wollen den Konflikt mit Israel, sowie die israelfreundlichen Regierungen in Ägypten, Jordanien und Saudiarabien stürzen.Von daher sollte also zweimal überlegen, ob man wirklich Assad stürzen und ein islamistisches, von Muslimbrüdern dominiertes Syrien will.

Klüger wäre es die sunnitischen Islamistenmilizen zu entwaffnen und Assad und Rußland auf einen Abzug der Hisbollah und iranischer Truppen in Syrien hin zu drängen. Es ist sowieso befremdlich, wie die Muslimbrüder im Westen verharmlost werden, ja oft immer noch als moderate Muslime angesehen werden. Auch die Sprachregelung bezüglich Syriens ist da bezeichnend. Oft ist von der „Freien Syrischen Armee“ die Rede, die inzwischen schon längst nicht mehr von säkular-demokratisch-freiheitlichen Gruppen, sondern von der islamistischen Muslimbruderschaft und anderen Islamisten dominiert und kontrolliert wird. Ebenso wird oft das Wort „Rebellen“ benutzt für islamistische Milizen wie Jayesh el Islam, Ahrar al Sham, Jayesh el Fatah und die Al Nusrafront und wie sie sonst noch alle heißen. Zeit einmal diese Illusionen und neurolingustischprogrammierenden Schlagworte zu hinterfragen.



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