Die Schlacht am Monopteros und die Schwabinger Krawalle- Fight Mobs als neues Phänomen?

von Ralf Ostner

Bayern und München ist ja bekannt für seine Law-and Order-Regierung , will nun neue restriktivere Polizei- und Psychatriegesetze beschliessen und verkündet auch fast wöchentlich, dass in Bayern Ruhe und Ordnung herrsche und man alles unter Kontrolle habe, sowie die bayerische Jugend optimistisch in die Zukunft blicke und gut geraten sei. Dies Bild wird seit letzter Woche etwas eingetrübt, denn:

Was ist eigentlich in München am Monopteros los? Laut Presseberichten: Über 1000 Jugendliche, die sich scheinbar über Facebook versammelt hatten, um sich mit Polizei und Rettungskräften eine Schlägerei zu liefern. Nach dem ersten Mal hätte man dies ja noch als Ausrutscher sehen können–shit happens. Aber nun haben sich die 1000 Jugendlichen nochmals bewußt versammelt, um Revanche zu nehmen, haben Polizei und Rettungskräfte per Notruf herbeigerufen, um sich wieder eine Schlacht zu liefern.

Erwarten uns da neue Schwabinger Krawalle oder gar ein bayerischer Frühling?Aber die Schwabinger Krawalle hatten einen konkreten Anlass: Das Verbot der Strassenmusikanten durch die Polizei, die die Jugendlichen nicht hinnehmen wollten, sowie wohl auch Protest gegen den Mief der Adenauerära, zu jener Zeit als Halbstarkenfilme mit James Dean und Marlon Brando in Mode waren.

So klingt dies rein destruktiv und ist auf den ersten Blick kein richtiges Motiv zu erkennen, das es aber geben muss. Konservative würden fragen: „Geht es denen zu gut?“ und ein Arbeitslager empfehlen oder linke Sozpäds würden wieder die obligatorische Frage stellen: „Macht sich hier mangelnde Zukunftsperspektive sichtbar?“ und würden eine Aufstockung von Streetworkern und anderen Sozialarbeitern fordern. Ist das ein Wohlstandsphänomen, weil es ihnen zu gut, respektive zu schlecht geht und sie als unpolitische Menschen keinen Sinn oder konkrete Gesellschaftsprojekte oder Hobbys mehr im Kopf haben, für die man sich konstruktiv engagieren könnte? Geht es ihnen zu gut und man muss sie in ihrem jugendlichen Überschwang und Hedonismus einbremsen? Oder hat sich hier nur Frust angestaut, der sich nun organisiert mittels Facebook entlädt?

Bin mal gespannt, ob es weitere Schlachten um den Monopteros geben wird. Manchmal künden solche Exzesse ja gesellschaftliche Veränderungen und manchmal sogar zeitversetzt neue politische Bewegungen an: Den Schwabinger Krawallen folgten zeitversetzt denn auch die 68er. Oder gehört dies heute wie der Hooliganismus zum normalen Alltag und speist sich nur aus blindem Vandalismus und hirnloser Gewaltbereitschaft, die einem exzessiven Hedonismus und destruktivem Antiautoritarismus geschuldet ist?

Bleibt zu beobachten, was folgen wird, bevor man das einordnen kann. Vielleicht bleibt es auch nur eine Fußnote der Geschichte und ist einfach den neuen Technologien und sozialen Medien geschuldet, die eben auch die eine oder andere ausufernde Facebookmassenparty generieren und somit im Bereich der neuen Normalität anzusiedeln sind und keinen bayerischen Frühling wie den arabischen Frühling mit seinen Twitterrevolutionären hervorbringt.

Aber interessant ist, dass die Münchner Polizei eingesteht, dass sie bei diesem Phänomen vor einem noch zu ergründendem Rätsel steht und die Vorfälle als außergewöhnlich betrachtet:

Polizeisprecher: Müssen die Motive herausfinden

Es reiche aber nicht, jetzt einfach nur Stärke zu zeigen, sondern man müsse schauen, was für Motive dahinter steckten, so die Polizei. Deshalb geht es laut Marcus da Gloria Martins nun vor allem darum, herauszufinden, warum die Jugendlichen auf die Idee kamen, sich ohne Grund mit der Polizei und den Rettungskräften anlegen zu wollen.

Es handelte sich ihm zufolge um überwiegend männliche Münchner, die teilweise aus den Randbezirken kommen und stark betrunken waren. Der Großteil sei klassische Mitläufer. Angestachelt wurden sie Martins zufolge wahrscheinlich von ein kleineren Gruppen oder ein paar Drahtziehern.

 Innenminister Herrmann fassungslos

Innenminister Joachim Hermann erklärte dem BR, er könne nicht begreifen, dass sich hier Leute ganz offensichtlich nur zusammengefunden hätten, „um durch vorgebliche Schlägereien die Polizei zu provozieren“. Mit Blick auf den Angriff auf die Rettungskräfte sagte der CSU-Politiker:

„Das ist wirklich unglaublich. Das ist unerträglich.“ Joachim Herrmann (CSU), Innenminister

Herrmann verwies darauf, dass die Gewalt gegen Einsatzkräfte zunehme. „Unser Rechststaat muss diejenigen schützen, die uns alle schützen. Das haben die Männer und Frauen der Feuerwehren, der Rettungsdienste und auch der Polizei verdient“, erklärte Herrmann.“

https://www.br.de/nachrichten/oberbayern/inhalt/brennpunkt-englischer-garten-was-die-polizei-jetzt-plant-100.html

Das spricht für eine gewisse Ratlosigkeit seitens der Politik und den Sicherheitskräften, die zwar hier eine organisierte Vorgehensweise mit Schwarmwirkung vermuten, aber das Phänomen nur deskriptiv beschreiben können und bei der Ursachen- und Motivationsanalyse plank sind.Zumal wohl auch die Befürchtung seitens der Counter-Insurgency darin besteht, dass solch eine organisierte Vorgehensweise noch breitere Massen von Jugendlichen, vielleicht auch an anderen Orten mobilisieren könnte, ja einen Flächenbrand auslösen könnte, der die Einsatzkräfte wie schon bei dem OEZ-Einsatz paralysieren könnte und sich vielleicht auch noch organisieren und radikalisieren könnte.

Beängstigend ist hier – neben dem Vorfall an sich – tatsächlich der Fame-Faktor, der gelangweilte Jugendliche in anderen Städten zu ähnlichem mobilisieren könnte. Ich weiß jetzt nicht ob selbiger „Fight-Mob“ (oder wie auch immer man das Phänomen titeln möchte) in Problemvierteln anderer Städte (Köln, Frankfurt, Berlin…) ähnlich „harmlos“ verläuft oder ob Frankfurter Randalierer nicht drauf wetten, den größeren Zeitungsartikel in einem einschlägigeren Blatt zu „erhaschen“! Mit Glück bleibt´s beim (zweimaligen) Einzelfall und wir können uns wieder auf wirkliche Probleme konzentrieren.

„Fight-Mob“-imteressanter Begriff. Erinnert mich wie auch das ganze Szenario etwas an den Fight Club (Film). Da waren ja auch lauter sinnentleerte Gestalten, die sich nicht mehr konstruktiv in die Gesellschaft einbringen konnten und ihre Aggressionen dann in Boxkämpfen oder anderen Gewaltexzessen austobten. Aber das war abgeschottet in irgendwelchen Hinterhöfen, anonym und untereinander, ohne Konfrontation mit der Staatsmacht und nicht massenmedial und mehr individuell–hier haben wir wirklich einen „Fight Mob“ als Flash Mob. Bliebe immer noch die Frage nach dem Motiv: Hooligans geht´s vornehmlich um ihren Fußballverein, Autonomen am 1. Mai oder beim G-20-Gipfel um politische Ziele, Neonazis um national befreite Zonen und abgefackelte Asylheime, hier aber beim „Fight Mob“bleibt ein Vorwand oder eine ersichtliche Motivation jedoch (noch) unartikuliert.

 

 

 



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