Ungleichheit und das Ideal der Gleichmacherei

von Ralf Ostner
Zwei Logikfehler in folgendem Artikel: Zum einen ignoriert er die Frage: Ungleichheit bei was (ökonomisch, kulturell, politisch) und in welchem Ausmass? Da dürfte es schon Unterschiede geben. Schon zwischen kapitalistischen Ländern gibt es da eine breite Bandbreite.Der Artikel verzichtet auf sämtliche konkreten Beispiele, Statistiken und Fakten. Nicht einmal der Gini-Koeffizient oder vergleichbare Indikatoren werden erwähnt und so bleibt dies eine höchst abstrakte Angelegenheit.Schon am Beispiel Nordkorea könnte er zeigen, dass dies eine höchst ungleiche Gesellschaft ist.Es gibt aber sicherlich auch Gegenbeispiele von linken Systemen, insofern sie nicht der alten Planwirtschaft oder totalitären Charakters sind mit weniger Ungleichheit.So bleibt dies eine reine Behauptung ohne Verifizierung. Zudem die Frage auch ist, inwieweit Gewaltenteilung und eine Demokratisierung der Witrschaft und Politik für weniger Ungleichheit und Hierarchien sorgen könnte, bzw. inwieweit dies dann in die Funktionsfähigkeit des Systems eingreift und dieses eventuell bremst oder paralysiert.Zum anderen romantisiert der Autor etwas den Kapitalismus, der keineswegs nur Wohlstand mit ein wenig Ungleichheit schafft, sondern auch massenhaft Armut und Kriege.Neben dem neuen Mittelstand und Wohlstandsgewinnen in den emerging economies, gibt es eben auch massenhafte Vereldendungstendenzen, failed states und Staatenzerfall, die er bei seiner Betrachtung ignoriert.Richtig ist aber der Ansatz, ob linke oder rechte Sytseme egalitärer sind, wie dies vorgebliche klassenlose Gesellschaften von sich behaupten, wie er auch noch thematisieren könnte, ob die Utopie vom Paradies auf Erden nicht ein unrealistisches Hirngespinst ist. Die Ideologie der Gleichmacherei hat sicherlich zumeist ungleicheren und ärmeren Zuständen geführt, wei auch oft autoritären oder totalitäören Herrschaftsformen. Oder auf Wowereits modernere Formel zu Berlin gebracht : Arm, aber sexy!

Warum „linke” Staaten nicht weniger ungleich sind

Es ist keine gute Idee, unsere Gesellschaftsform mit hypothetischen politisch oder ideologisch motivierten Utopien zu vergleichen. Man macht es sich viel zu leicht, wenn man unser System mit all seinen Problemen mit einem hypothetischen System vergleicht, in dem es überhaupt keine Probleme gibt.

Natürlich haben wir Probleme. Wir haben zum Beispiel einige Gewässer zu 99 Prozent überfischt. Natürlich kann man sich darüber streiten, ob unsere jetzige Art zu wirtschaften wirklich nachhaltig ist (obwohl die Lage wahrscheinlich nicht so schrecklich ist, wie einige Leute behaupten). Zweifellos sind unsere heutigen sozioökonomischen Strukturen jedoch die produktivsten und freiesten in der Geschichte der Menschheit.

Der westliche Fokus auf Kapitalismus, freiem Unternehmertum und Individualismus produziert zwar Ungleichheit. Aber tatsächlich produzieren alle Systeme Ungleichheit, egal ob sie „rechts“ oder „links“ sind. Es gibt ein neues Buch, „The Great Leveller“ von Walter Scheidel. Der Autor analysiert darin, ob Staaten, die einer „linken“ politischen Philosophie folgen, weniger Ungleichheit haben als „Rechte“. Die Antwort ist: Nein. Dafür gibt es keine Belege.

Scheidels Ergebnisse weisen auf etwas sehr Grundlegendes hin. Nämlich, dass Ungleichheit sowohl in kooperativen als auch in wettbewerbsorientierten Systemen die Regel ist. Man kann keine Sache wertschätzen, ohne eine Hierarchie zu schaffen. Wenn eine Gesellschaft sich einigt „es ist lohnenswert, X zu machen“, dann wird es zwangsläufig Leute geben, die „X“ besser können als andere, egal was „X“ ist. Und dann werden sie auch noch durch Übung immer besser.

Das Problem ist: Wenn wir uns einig sind, dass „A“ besser als „B“ ist, dann müssen Menschen, die „A“ besser als andere können, belohnt werden. Daran führt kein Weg vorbei. Also hat man Ungleichheit. Es gibt kaum Belege dafür, dass die Maßnahmen von Sozialingenieuren Ungleichheit nennenswert reduzieren können. Das ist ein grundsätzliches politisches Problem, für das es keine eindeutige Lösung gibt.

Aber unsere Gesellschaft in ihrer Gesamtheit zu kritisieren, ist sinnlos. Der Westen – und zunehmend die restliche Welt, die unseren Ansatz übernimmt – hat unglaublichen Wohlstand geschaffen. Sogar in China funktioniert es, trotz der außergewöhnlich totalitären Neigung ihrer Führung. Linke sagen, die Ungleichheit sei die Schuld des Westens oder des Kapitalismus. Aber das ist offenkundig falsch. Ungleichheit bedeutet nicht, dass ein System korrupt ist. Denn jedes System produziert Ungleichheit. Aber es gibt kaum ein System, das neben Ungleichheit auch Wohlstand generiert.

Dieser Beitrag ist ein Ausschnitt aus eine Interview mit Charlie Kirk von der Organisation „Turning Point USA“. Hier geht es zum Original-Video auf dem YouTube-Kanal von Jordan B. Peterson.



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