Türkei: Opfer der eigenen islamischen Zinstheorie

von Ralf Ostner

Interessant ist die Entwicklung in der Türkei. Neben den religiös-konservativen und islamistischen Wählern gab es ja auch viele, die Erdogan wegen seiner wirtschaftlichen Erfolge gewählt haben oder eben wie die MHP wegen des antikurdischen Nationalismus und seiner neososmanischen Großmachtsattitüde–ähnlich wie die KP China ja als geheimen Konsens für ihre Diktatur wirtschaftliche Entwicklung und den Aufstieg Chinas zur Weltmacht gegen politische Rechte ihrer Bürger eintauscht, um ihre Dikatur zu legitimieren. Erdogan wie auch seine religiösen Anhänger betrachten ja Zinsen als Wucher, als unislamisch und zudem zutiefst jüdisch.Dies ist auch die Grundlage des sogenannten Islmaic Banking. In dieser Weltsicht, ist alles ,was mit Geld zu tun hat gleichzusetzen entweder personell mit Juden oder aber mit einem jüdischen Wucherprinzip der Geldschneiderei. Geld regiert die Welt, die Juden oder das jüdische Prinzip des Wuchers kontrolliert die Welt, ergo kontrollieren die Juden, das jüdische Finazkapital und/ oder das vermeintlich jüdische Zinswucherprinzip die Welt. Daraus resultiert dann eine moralisch motivierte islamische Zinstheorie, die besagt, dass niedrige Zinsen, in dieser Sicht: wenig Wucher, also quasi weniger jüdisch und mehr halal auch eine niedrige Inflation hervorbringen würden, was diametral entgegengesetzt zur volkswirtschaftlichen Lehre und aller geschichtlichen Erfahrung und Erkenntnis ist.Doch auf wissenschaftliche Ratio kommt es bei dieser religiös-moralischer Ideologie nicht an, wie nun auch die Vorgänge in der Türkei verdeutlichen.

Die Lira verzeichnet seit Januar dramatische Kursverluste um 20% und bisher versuchte Erdogan die Zinsen immer weiter zu senken. Nun hat die Zentralbank angesichts des Falls der Lira die Notbremse gezogen und die Zinsen erhöht, dennoch fällt die Lira weiter, da eine Art point of no return erreicht zu sein scheint. Bezeichnend ist nun, dass Erdogan nun seine Landsleute auffordert, etwaige Euro- und Dollarvermögen in Lira patriotisch umzutauschen, um die nationale Währung zu stabilisieren.Es ist jedoch anzunehmen, dass selbst den treueren Anhängern das Hemd näher ist als die Hose, weswegen auch dies nichts bringen wird.Verbleibt dann nur noch, andere Institutionen verantwortlich zu machen und wüste Verschwörungstheorien zu verbreiten, die den wirtschaftlichen Niedergang als Komplott ausländischer Kräfte – seien es Ratingagenturen oder jüdisches Finanzkapital oder ähnlichem – dann erklären soll, um den angeblich unaufhaltsamen Aufstieg zur neoosmanischen Weltmacht unter Erdogan verhindern zu wollen.

Bei den Wahlen könnte es für Erdogan allerdings diesmal knapp werden. Islamexperte Daniel Pipes meint aber, dass Erdogan ohnehin schon die wesentlichen Positionen im Staatsapperat besetzt habe, sich zudem wie beim dem Gleichschaltungsreferendum der Wahlfälschung bemächtigen wird und die Präsidentschaftsdikatur kommen wird und nur noch eine formale Sache sei, da sie faktisch ohnehin schon vollzogen sei. Dennoch müsste Erdogan, sollte er die Wahlen verlieren, dann mit offener Gewalt und Rechtsbruch agieren, was ihm aber auch zuzutrauen ist, aber seine Legitimität untergraben würde.Jedenfalls hat Erdogan für den Fall seines Sieges damit gedroht, die Geldpolitik und die Zentralbank unter seine eigene Kontrolle zu bringen, was die schon eingeschränkte Unabhängigkeit der Zentralbank endgültig beenden und der islamischen Zinstheorie mit all ihren fatalen Folgen dann endgültig zum Durchbruch verhelfen dürfte. Islamic Banking ohne Zins dann auch durch die Zentralbank.



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