Bitches, Kohle, Maserati–die Grenzen positiven Songwritings beim Rap

von Ralf Ostner
Gastautorin: Carola Teich

187 Strassenbande ist die Hamburger Rap-Formation, die seit einiger Zeit unsere Kinder und Jugendlichen begeistert und regelrecht vereinnahmt. An Mauern und Strassenschildern jedes noch so kleinen Dorfes bis ins tiefste Oberbayern prangt die verheißungsvolle Zahl „187“ (Nummer im kalifornischen Strafgesetzbuch unter welcher Mord geahndet und bestraft wird).

Man kann Teilen der jungen Fangemeinde Glauben schenken, wenn diese beteuern, sie verstehen die Texte eh nicht und interessieren sich auch nicht großartig für deren Inhalte, sondern sind nur geflashed von diesen abgespaceten, bombe, hammer, stylischen Players…Will man nämlich die Texte tatsächlich verstehen, muss man sie schon nachlesen, denn die verwaschene Aussprache lässt hier und da Zweifel aufkommen (187 = „ein Sack Zwiebeln“).

Ist man dann bereit, sich durch Wortneuschöpfungen, Gossenslang und Grammatik-Labyrinthe durchzuschlagen um sich halbwegs mit dem Inhalt der Texte auseinandersetzen, entsteht nicht selten ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit. Vollgepackt mit absoluter Verherrlichung von Drogen und Gewalt, der Priorität des Materialismus und höchster Frauenfeindlichkeit, sorgt man sich trotz ihres Textunverständnisses um die Zukunft der jungen Generation.

Da stellt sich einem (oder einer) die Frage: Haben diese Herren denn keine Mütter oder sind diese dann vielleicht keine Frauen? Denn alle anderen werden allein auf ihr Geschlechtsteil reduziert, beleidigt und sollen lediglich einen guten Blowjob erledigen, sowie Putzen können…(Zitat: „“Schlampe, mach den Mund auf, ich komme.“ „Putzen und Blasen ist ihr Auftrag.“) Wehe wer denkt, in unserem Land hätten wir solche Ansichten bereits überwunden.

Keine Frage – von Zuständen in einer Welt wie dieser muss man sich mit Recht distanzieren. Aber ist Propaganda von absolutem Reichtum, (um diesen zu erreichen, man sich alles erlauben darf) und die stetige Abwertung, Kränkung und Beleidigung anderer, sprich die konsequente Verbreitung von Negativismus auf der anderen Seite nicht doch fragwürdig? Der Vergleich zu Narcos (Netflix-Serie über mexikanische Drogenkartelle) liegt auf der Hand und ist offensichtlich auch so gewollt, denn die Rapper haben diesen geilen Lifestyle auf einer Mexiko-Reise ja gebührend zelebriert.Das Gutheißen von Gewalt, Terror, Folter und skrupellosen Morden an Kindern und Familien macht natürlich schon was her, um die schläfrige Zuhörerschaft aufzurütteln und ihr Aufschreie zu entlocken. Und nur das alleine bringt Prestige und nur darum geht es.

Da können dann die großen Bros, wie Farid Bang und Kollegah schon mal antisemitische Schockäußerungen bringen, denn das allein steigert Popularität und damit den Profit. Und im Anschluss nimmt man dann einfach ein Album mit  dem jüdischen Kollegen Sun Diego auf oder besucht die Gedächtnisstätte Auschwitz, damit die tobende Masse und die Musikkritiker wieder ruhig gestimmt werden. Hauptsache, der Rubel rollt und man wird nicht aus dem Showbiz gekickt. Dafür muss man heutzutage schon mit ein bisschen mehr auffahren. Mit positivem Songwriting kommt man ja wohl nicht weit genug („Digga, was juckt mich Rap? Ich will groß verdien´n.“ „Hauptsache, ich werd reich und zwar gleich“).

Diese Art von Fake kennt man häufig nur aus der Politik und es ist schon ein großes Armutszeugnis, dass sich diese Leute ihr Koks und Geschmeide vom größtenteils minderjährigen Publikum finanzieren lassen. Manche Politiker hingegen bereichern sich ja immerhin nur am mündigen Steuerzahler.



Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.