Trump-Kim-Gipfel–Anfang eines „Prozesses“statt „Vogel friß oder stirb“

Nun scheint der Trump-Kim-Gipfel doch stattzufinden. Interessant sind nun Trumps Äußerungen auf Twitter, was er sich von dem Gipfel vorstellt. Zum einen, dass es keine schnelle Lösung gebe und dieser Gipfel nicht alle Probleme auf einmal lösen könne, sondern einen „Prozess“auslösen soll, also längere Verhandlungen, wie man zu einer Denuklearisierung Nordkoreas käme und was man darunter verstehen würde. Damit ist es durchaus möglich, dass sich Trump erst einmal mit einem Atomtest- und Raketentestmoratorium als schon vorhandenen Schritt und ersteren kleineren vertrauensbildenden Schritten abgibt, um weiteres zu verhandeln.Trump machte wie auch Matthis klar, dass der Abzug der US-Truppen nicht zur Disposition stehe, man aber trotzdem an einem Friedensabkommen arbeiten könne. Damit nimmt Trump viel Druck aus den hohen, überzogenen Erwartungen, will den Gipfel wie Kim als Erfolg verzeichnen, wenngleich nicht als Endpunkt, sondern eben als Beginn eines Prozesses, bei dem man aber auf Sanktionen und Militärmanövern solange beharrt, bis konkrete Schritte folgen und man sich nicht mehr wie früher Zusagen machen lässt, die dann seitens Nordkoreas nicht eingehalten werden.

Auch Nordkorea hat verbal erklärt, dass man alte Muster nicht wiederholen wolle. Möglicherweise gibt es in Zukunft dann noch eine Reihe Trump-Kim-Gipfel, was auch Kim zugute kommen würde, ist er doch so erpicht auf die Anerkennung Nordkoreas als offiziellem Gesprächspartner der Weltmacht USA. Damit hat sich Trump eindeutig von den Ansichten seines Nationalen Sicherheitsberaters John Bolton distanziert, dass Trump bei dem Gipfel Kim mit „Vogel friß oder stirb“-Methode die sofortige Auslieferung der nordkoreanischen Atombestände in die USA nach Vorbild der lybischen Lösung erpressen oder gleich den Verhandlungstisch verlassen solle. Interessant ist nun, dass zum kommenden Kim-Trump-Gipfel seitens des Weißen Hauses auch die Möglichkeit eines Trump-Putintreffens parallel signalsiert wird.Zeitgleich verschärft Trump seinen Handelskonflikt mit dem Rest der Welt, erklärt sein Handelsbeauftragter, dass die USA sich an WTO-Urteile nicht halten würden und eskaliert der Konflikt mit dem Iran. Inwieweit Trump hier bei Treffen mit Kim Yongun und Putin zu Resultaten kommen kann, während er dem Rest der Welt den Konflikt erkärt bleibt abzuwarten. Die Nationale Sicherheitsstrategie der USA  (NSS) sieht China und Rußland als revisionistische Mächte, sowie Nordkorea und Iran als zu bekämpfende rogue states. Während Trump auf Rußland und Nordkorea zuzugehen scheint, eskaliert er den Konflikt mit der EU , China und Iran zur selben Zeit. Gleichzeitig hat Trump jetzt vorgeschlagen, Rußland wieder bei den G-7-Gipfeln teilnehmen zu lassen, was die gewollte Annäherung an Putin offenkundig macht und für Entsetzen bei den EU-Staaten sorgt. „Der Westen“ist spätestens seit dem G-7-Gipfel Geschichte.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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