Nach G7spaltung , SCO- und BRICStreffen : Xi Jinpings Lateinamerikareise

Interessant ist, dass nach der Spaltung der G7 durch Trump, dem Treffen der Shanghai Cooperation Organization (SCO), bei der erstmals Indien und Pakistan als neue MItglieder teilnahmen und China die SCO als Alternative zur G7 zum neuen Modell eines “ global governance for a new era“ erklärte, Xi Jinping nachdem er das BRICStreffen besuchte, nun nach Lateinamerika eine Staatsreise unternimmt, um im vormaligen US-amerikanischen Hinterhof sich zu etablieren. Xis Reise führt ihn zu den drei bestimmenden Ländern in Lateinamerika: Brasilien, das zugleich Mitglied der BRICS ist, Argentinien, Venezuela, das vor dem Kollaps steht und bei dem sich China erhofft dieses als Einflusssphäre gegen die USA zu beerben-zudem Kuba. Inzwischen haben schon die  meisten grossen Länder Südamerikas mehr Handelsbeziehungen zu China als die USA es noch haben. Die USA sind faktisch zurückgedrängt auf Mexiko und Mittelamerika und Trump unterhöhlt nun auch die Handelsbeziehungen zu diesen Ländern, vor allem Mexiko mit seiner Kündigung von NAFTA, wie er auch antiamerikanische Populisten wie Almo-Obrador stark macht.

Graphik und Analyse des lateinamerikanischen Handels dazu nachlesbar unter folgendem NZZ-Artikel, der zu folgender Schlussfolgerung kommt:

„China hat eine klare Strategie, was es in und mit Lateinamerika in den nächsten fünfzig Jahren erreichen will. Und was will Lateinamerika von China? «Die meisten Regierungen in der Region wissen nicht einmal, was sie in den nächsten fünfzig Tagen tun werden», sagt Enrique Dussel Peters. Die Ratlosigkeit gegenüber China widerspiegle nichts anderes als den grundsätzlichen Mangel an einer Strategie vieler Regierungen in der Region. Die chinesische Charmeoffensive kommt ihnen gerade recht: Von den USA links liegengelassen und geschmäht, nehmen sie China als verlässlichen Partner wahr, der an die Region glaubt und einen Plan für die Zukunft hat.“

https://www.nzz.ch/international/china-baut-einfluss-in-lateinamerika-rasant-aus-ld.1390173

Fraglich ist, warum Xi Jinping seine Reisen diesmal noch nicht direkt nach Mexiko, Nicaragua und Panama unternommen hat. Vielleicht wäre dies ja eine zu offensive, zu aggressive Herausforderung der USA in ihrem nächstliegenden Hinterhof, zumal Nicaragua einen neuen Panamakanal mit China bauen will, zusätzlich zum Pananmakanal, der ohnehin schon von einem Hongkongchinesen wie Li Kaihsing kontrolliert wird, der über beste Kontakte zur chinesischen Staatsregierung verfügt. Vielleicht besucht Xi diese Länder auch nicht, um die USA im Tiefschlaf zu halten, zumal auch keine Eskalation des Handelskonflikts zu betreiben, wenn er NAFTA-Mitglied Mexiko besuchen würde, den USA geographisch vorerst nicht zu nahe zu kommen will, damit Trump vielleicht nicht noch aufwachen könnte und eine neue Monroe -Doktrin gegen China in Lateinamerika verkündet oder da Aktitvitäten fremder Mächte wie Deutschlands Zimmermanntelegramm und dessen Bündnis mit Mexiko erkennen könnte.Es bleibt abzuwarten, inwieweit die Trump-USA überhaupt auf Chinas Vordringen in Latein- und Mittelamerika  reagieren werden, zumal es auch möglich ist, dass Trump wie schon beim G7-Treffen da eine ähnliche Diplomatie bei der OAS wie auch mit Lateinamerika verbundenen multilateralen Organisationen verfolgt, die aus „America first“ „America alone“machen, zumal eben Nordamerika, ja die USA nicht allein Amerika und schon gar nicht Lateinamerika ist, auch wenn das Trump noch nicht kapiert hat oder jemals kapieren wird.

Ein ehemaliger Diplomat aus dem deutschen Auswärtigen Amt kommentierte Chinas Lateinamerikaengament derfolgt:

„Das chinesische Vorgehen entspricht der chinesischen Afrikastrategie seit Anfang der 2000er Jahre. Auch damals wollten die EU-Mitglieder auf Pekings Langzeitstrategie nicht mit einem Gegenentwurf antworten. Es war schlicht bequemer, die alte Entwicklungshilfepolitik undurchdacht fortzusetzen.Gerne zitiere ich Mao: Politik ist Krieg ohne Blutvergießen, Krieg ist Politik mit Blutvergießen.

Pekings gewaltfreie Durchdringungspolitik, die Franzosen nannten das im 19. Jahrhundert „pénétration pacifique“, ist erfolgreich und sehr wirkungsvoll. Schon heute ist Peking das Machtzentrum Nr. 1 auf der asiatisch-europäisch-afrikanischen Landmasse.

Wenn das so weiter geht, ist Peking ab dem 2. Drittel des 21. Jahrhunderts das weltweite Machtzentrum Nr. 1. Mit „America alone“ ist für Washington schon heute nichts mehr zu gewinnen.“

Das Beispiel Afrika als Modell für die penetration pacifique Chinas nun auch in Lateinamerika illustriert dies sehr gut. Doch der EU mangelt es nicht nur bezüglich Afrikas an einer Strategie, China ist dabei auch Ost- und Südeuropa langsam friedlich zu durchdringen, wie die Formierung der chinesischen 16 plus 1 Gruppe im Vorhof Europas zeigt. Beachtlich, dass da keine Gegenreaktionen kommen–außer hilflosen Protesten ist da nicht viel in Sicht. Dabei wäre es nötig, dass die EU ihr Transeuropean Transport Network (TENT)-Programm, das eine rudimentäre europäische Seidenstrasse darstellt einmal zentral ins Zentrum stellt , auch propagandistisch und auch ausbaut.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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