Chinas Neue Seidenstrasse und das Gegenprojekt des Quad: Kritiker melden sich zu Wort

Chinas Jahrhundertprojekt Neue Seidenstrasse/ One Belt-One Road (OBOR) will mittels eines Netzes an Wirtschaftskorridoren und Transportwegen ein sinozentrisches globalisiertes Weltwirtschaftssystem generieren, das laut chinesischen Angaben den Welthandel boosten soll, unterentwickelte Länder ins 21. Jahrhundert bringen soll und für alle eine win-win-Situation wäre. Dieser Grand Narrative des wirtschaftlichen und damit gesellschaftlichen Fortschritts, der dann auch Konflikt friedlich und ökonomisch löst, da China der Ansicht ist, dass selbst religiöse, regionale oder ethnische Konflikte Armut als ökonomische Basis haben und mittels Armutsbeseitigung gelöst werden könnten, wurde schon früher auch seitens des Westens erzählt. Laut Derrida sind schon alle Großen Erzählungen erzählt und ist die Welt daher reichlich entzaubert und ist es an der Zeit diese Narrative zu dekonstruieren, da ihnen Interessen zugrunde liegen, die man untersuchen müsse.Im Falle Chinas ist das Interesse seine industriellen und finanziellen Überkapazitäten nach außen zu exportieren mittels eines Jahrhundertprojekts, das zum einen Chinas Westen entwickelt, zum anderen die heutige Globalisierung unter chinesischem Vorzeichen definiert und es so zur unumstrittenenen Weltmacht eines Asiatischen 21. Jahrhunderts friedlich aufsteigen lässt.

Dementsprechend gibt es auch Kritik an Chinas Neuer Seidenstrasse. Zum einen, dass dies ein imperialistisches und neokolonialistisches Projekt sei, das andere Staaten in Abhängigkeiten und unter chinesische Herrschaft bringen wolle, sei es über Handelsbeziehungen, Kredite, Bauauflagen,etc. Eine Studie zeigt schon, dass einige Staaten, die sich an der Neuen Seidenstrasse beteiligen schon jetzt in kritische finanzielle Abhängigkeiten von China kommen. Desweiteren durchziehen die Neuen Seidenstrassen, die kontinentale und die maritime Seidenstrasse,  Gebiete, die von anderen Mächten wie etwa Indien im Falle des China-Pakistan Economic Corridor (CPEC) in Anspruch genommen werden, sowie  Gebiete, die politisch höchst instabil sind und durch ethnische, religiöse und regionale Konflikte geprägt sind. Eine weitere Kritik an dem Projekt ist, dass der dazu benötigte Resourcenverbrauch, das zusätzliche generierte Wirtschaftswachstum die Resourcen der Erde, sowie deren ökologisches Gleichgewicht vollends aus der Balance bringen wird, kurz: ein ökologisches Desaster bedeuten würde.

Nichtsdesto trotz haben jetzt die USA, Indien, Japan und Australien, der Quad beschlossen ein ebenso ehrgeiziges Infrastrukturprojekt in Konkurrenz mit Chinas Neuer Seidenstrasse zu starten, das Asien-Pazifik, Afrika und selbst Lateinamerika entwickeln soll. Tom Holland kritisiert in der South China Morning Post vom 26.2.2018 beide Projekte als einen Wettlauf, bei dem weniger ökonomischer Nutzen, sondern geopolitische Ziele im Vordergrund stehen würden und man dann wohl auch in Zukunft mit vielen Bauruinen von Millardeninfrasstrukturprojekten konfrontiert sein werde, die gar nicht die wirtschaftlichen Effekte, die versprochen wurden halten werden wie er jetzt schon am chinesischen Hafen auf Sri Lanka meint ausmachen zu können:

What could be worse than Belt and Road? A copy of Belt and Road

With Australia, the United States, Japan and India joining the fray, it seems the heyday for transportation hubs is well on its way, whether there is yet any economic reason for them or not

Suddenly everyone wants to build roads, bridges, power plants and ports all over Asia. Last Monday, Australian foreign minister Julie Bishop revealed that Australia, the United States, Japan and India have got together to plan a joint infrastructure development scheme for the Asia-Pacific region. “There is an enormous need for infrastructure,” she said.

Commentators immediately flagged the plan as a competitor to China’s “Belt and Road Initiative” to fund and build projects across Asia to Europe, Africa and even South America. Yet both the new plan from the US, Australia, Japan and India – a group known in security circles as “the Quad” – and the criticisms levelled against it have more than a whiff of inconsistency and illogic about them.

Many of the international projects backed by the Belt and Road Initiative are likely to prove similarly wasteful. Some already have. For example, the Chinese funded and built port of Hambantota in Sri Lanka, which opened in 2010, generated so little revenue that six years later the Sri Lankan government was forced to conclude a debt-for-equity swap with China to get the liability off its books.

The awkward truth is that while Asia needs infrastructure, much of the region lacks the economic capacity to absorb new projects. While physical capital like a new port or railway can be built in just a few years, building the human and institutional capital that allow that port to contribute effectively to economic and social progress is an altogether slower process.

Trying to force the pace by throwing money at new projects doesn’t work. Building too much too quickly ends up destroying economic value.

Of course, despite the vehement protests of the politicians, no one really believes that either China’s initiative or the Quad’s proposed equivalent are really motivated by economic considerations. They are all about geopolitics.

But that only makes the problem worse. Australia’s international development minister was right. An international geopolitical competition to build infrastructure in Asia will mean that the region is likely end up dotted with useless and economically damaging ports, dams and railways – regardless whether they are funded by China or the Quad. “

Tom Holland is a former SCMP staffer who has been writing about Asian affairs for more than 20 years

https://www.scmp.com/week-asia/business/article/2134525/what-could-be-worse-belt-and-road-copy-belt-and-roadtoo-much

Die Frage wird also sein, ob es sich bei beiden Projekten um Fortschritt schaffende Visionen eines win-win handelt oder ob sie nicht wie schon früher eher verschuldete und finanzielle abhängige Staaten, Resourcenverschwendung und Bauruinen von Prestigeobjekten ohne wirtschaftlichen Nutzen, sowie ein ökologisches Desaster schaffen werden. Zumal es noch zusätzlich zu Handelskriegen, militärischer Aufrüstung nun auch noch zu einem geopolitischen Wettrüsten im Felde der Infrastrukturbauten kommt.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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