Auf dem Weg zu Großalbanien und zum nächsten Balkankrieg?

Die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) hatte eine Studie herausgegeben, in der unvorhergesehene geopolitische Krisen skizziert wurden. Neben Pandemien, Dürrekatastrophen infolge des Klimawandels wurde auch die Möglichkeit einer neuen Balkankrise aufgezeigt, die sich aufgrund des aufkeimenden albanischen Nationalismus ergeben könnte. Nun scheint es soweit zu kommen.

Albanien und Kosovoalbanien haben nun gemeinsame Gespräche aufgenommen. Es zirkulierte auch der Vorschlag einen gemeinsamen Präsidenten zu ernennen. was dann aufgrund des Drucks seitens der EU und der USA zurückgenoimmen wurde. Doch wurde inzwischen eine gemeinsame Zollbehörde geschaffen und sollen die Grenzen zwischen Albanien und Kosovo ab Januar 2019 geöffnet werden, was bei den Nachbarn auf dem Balkan Unruhe auslöst, da sie die Entstehung eines Großalbaniens befürchten, das dann territroiale Ansprüche gegenüber den albanischen Ethnien in Montenegro, Mazedonien, Griechenland und Serbien stellt, wo insgesamt noch 6 Millionen Albaner leben.

Zusätzlich für Ängste sorgt, dass Kosovo-Staatspräsident Thaci nun auch „Grenzkorrekturen“ für erstrebenswert erklärt hat. Konkret meint er damit vorerst die Angliederung des Presovotals an den Kosovo. In einer Art Tauschgeschäft sollen serbische Minderheit und albanische Mehrheit Gebiete tauschen, um ethnisch homogene Staaten zu schaffen, die dann die alten Streitigkeiten beseitigt. Insofern dies darauf begrenzt bliebe, wird dies auch seitens der EU und der USA unterstützt und begrüsst.

Seitens Serbiens, welches den Kosovo immer noch als Teil seines Staates und des legendären Amselfeldes sieht wird dies anders gesehen: „Tirana und Pristina schaffen ein Großalbanien“titelt etwa die serbische Regierungszeitung „Politika“. „Alle Balkanländer haben Grund zur Sorge“ meint Serbiens Verteidigungsminister Aleksandar Vulin. Die Idee sei „ein Unglück“, das mit allen Mitteln verhindert werden müsste. Dementsprechend hat Serbien seine Streitkräfte in Alarmbereitschaft versetzt, wie nun auch die Kfor-Truppen der NATO in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt wurden, falls Nationalisten beider Seiten zu zündeln beginnen und Serbein eventuell gar einen neuen Balkankrieg beginnen sollte.

Großalbanische Nationalisten gibt es auch im Kosovo. So die zweitstärkste Partei Vetevendosje (Selbstbestimung), die die Vereinigung aller Albaner auf dem Balkan auf dem Programm hat.Ende Juli ist im Kosovo auch die Symbolfigur dieser nationalistischen Bewegung gestorben: Adam Demaci, der unter Tito-Jugolsawien als fanatischer albanischer Nationalist 28 Jahre im Gefängnis saß und im Kosovo wie auch in Albanien große Sympathie erfährt.  Fälschlicherweise wurde dieser fanatische Nationalist als „Nelson Mandela Kosovos“ gefeiert und 1991 von dem EU-Parlamant mit dem Sacharowpreis ausgezeichnet.Kosovopolitiker versicherten bei seiner Bestattung, dass sie den Ideen des „Vaters der Nation“ weiter verpflichtet seien.

Neben den albanischen und serbischen Nationalisten, bleibt auch abzuwarten, wie sich Russland, die EU und die USA zu dem Konflikt positionieren. Die USA haben ja Kosovo so als erster Staat anerkannt, während Rußland und andere Staaten dies als völkerrechtswidrig ansahen. Zumal Rußland mehr auf Seiten der Serben steht, während die USA mehr auf Seiten der Kosovoalbaner, zumal sie auch einen Militärstützpunkt im Kosovo gebaut haben–Camp Bondsteel. Dass der Großmachtkonflikt dann in den Balkan hineinstrahlt, ist durchaus möglich.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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