Konflikt Trump-Erdogan: Wirtschaftskrieg oder ein Hauch von Clash of Civilizations?

von Ralf Ostner

Dass Trump nun so entschieden gegen die Erdogan-Türkei vorgeht, verleitet manche Leute dies als Trumps Einsatz gegen einen Despoten und für Menschenrechte mißzuverstehen. Trump hatte Erdogan zur Wahl als neuen islamofaschistischen Präsidenten gratuliert, bisher auch nichts gegen seine Menschenrechtsverletzungen und die Unterdrückung der Opposition gesagt, auch nicht, als US-Bürger, teils türkischer Abstammung, teils Bioamis von Erdogan unter lügenhaften Vorwänden inhaftiert und als Geißel genommen wurden. Nun aber hat sich Erdogan mit dem US-Missionar Brunson den Falschen ausgesucht. Denn zu Trumps treuster Wählerschaft gehört Amerikas Religiöse Rechte und ihre 80 Millionen fanatischen Evangelikalen, die zumal treueste Unterstützer Israels sind und dieses als Kreuzritterstaat stellvertretend für Christentum im Heiligen Land sehen. Diese 80 Millionen US-Evangelikalen sehen  wie auch die islamistischen Muslimbrüder im Greater Middle East Jerusalem als heilige Stätte wie die Saudis Mekka und Medina. Trumps Jerusalementscheidung war zum Teil auch auf Druck der mächtigen evangelikalen Israellobby geschuldet und brachte Erdogan und andere Islamisten wie auch allgemein die meisten Muslime gegen die USA und Israel auf. Dementsprechend ist es den meisten Kommentatoren entgangen, dass sich hier auch ein „Clash of Civilizations“ artikuliert. Dies wurde auch deutlich, als Erdogan neben den üblichen Verdächtigungen des US-Pfarres in Richtung Unterstützung der PKK und der Gülenbewegung, deren Chef ja in den USA im Exil weilt,vor allem herausstellte, dass Brunson „evangelikal-zionistisch“sei.  Hier wird einfach übersehen, dass es sich auch um einen religiös-ideologisch motivierten Konflikt handelt.Ein weiteres Detail macht dies auch deutlich.

So rätseln viele Ökonomen, warum Erdogan entgegen aller Vernunft die Zinsen nicht erhöht, um die Inflation zu bekämpfen. Einige versuchen sich es damit zu erklären, dass er mittels niedriger Zinsen das Wirtschaftswachstum hoch halten will. Doch selbst wenn dies der Fall wäre, erklärt dies nicht die dogmatische Handlungsweise auch im Krisenfall und bei freiem Fall der Lira und explodierender Inflation dennoch stur die Zinsen niedrig zu halten. Dabei übersehen rein ökonomisch argumentierende Experten die islamofaschistische und antisemitische Natur dieses Regimes.

Es ist wohl auch so, dass Erdoğan den Islam nicht nur als machtpolitisches Vehikel im Verhältnis zu seinen Untertanen benutzt, sondern ihm eigenes Herzblut entgegenbringt. Deshalb fließen womöglich die „wirtschaftspolitischen“ Regeln des Islam in sein Denken und Handeln ein. Eigentlich müssten Erdoğan und seine Zentralbank die Zinsen erhöhen, um die Lira zu stützen. Das aber wäre ausgesprochen unislamisch, denn im Islam sind Zinsen als solche aus dem Reich des Bösen. Erdoğan hat sich zuletzt bereits als Gegner der Zinsen bezeichnet und angekündigt,eine größere Kontrolle über die eigentlich unabhängige Zentralbank auszuüben – was internationale Investoren noch skeptischer machte als sie es ohnehin schon waren.

Im Islam werden Zinsen aus ökonomischer, sozialer und ethischer Sicht als schädlich für die Gesellschaft betrachtet.Zitat Koran 2:2275 : „Diejenigen, die Zins verschlingen, werden nicht anders aufstehen als jemand, den der Satan durch Wahnsinn hin und her schlägt. Dies wird sein, weil sie sagten, Verkaufen ist das gleiche wie Zinsnehmen. Doch hat Allah das Verkaufen erlaubt und Zinsnehmen verboten.“

 

Erdogan, seine religiösen Anhänger wie auch die Muslimbrüder im Nahen Osten betrachten ja Zinsen als Wucher, als unislamisch und zudem zutiefst jüdisch.Dies ist auch die Grundlage des sogenannten Islamic Banking, bei dem sogar gar keine Zinsen erkaubt sind. In dieser Weltsicht, ist alles ,was mit Geld zu tun hat gleichzusetzen entweder personell mit Juden oder aber mit einem jüdischen Wucherprinzip der Geldschneiderei. Geld regiert die Welt, die Juden oder das jüdische Prinzip des Wuchers kontrolliert die Welt, ergo kontrollieren die Juden, das jüdische Finanzkapital und/ oder das vermeintlich jüdische Zinswucherprinzip die Welt.

Daraus resultiert dann eine moralisch motivierte islamische Zinstheorie, die besagt, dass niedrige oder gar keine Zinsen, in dieser Sicht: wenig oder kein Wucher, also quasi weniger jüdisch und mehr halal auch eine niedrige Inflation hervorbringen würden, was diametral entgegengesetzt zur volkswirtschaftlichen Lehre und aller geschichtlichen Erfahrung und volkswirtschaftlichen Erkenntnis ist. Doch auf wissenschaftliche Ratio kommt es bei dieser religiös-moralischer Ideologie nicht an, wie nun auch die Vorgänge in der Türkei verdeutlichen.Dementsprechend sind auch Erdogans Äußerungen zu verstehen, dass ihn bei diesem „nationalen Kampf in einem Wirtschaftskrieg“ „Volk und Allah“zuhilfe kommen werde. Ebenso erklärt sich Erdogan die türkische Krise als konzertierte Verschwörung einer „internationalen Zinslobby“, was sich schon sehr nach einer vermuteten Verschwörung eines internationalen Finanzjudentums anhört. Bleibt abzuwarten, wie es weitergeht.

So wie die Dinge laufen, muss mit einer Bruchlandung in der Wirtschaft auf Zahlungsausfälle, Konkursen türkischer Unternehmen und möglicherweise Bankzusammenbrüchen gerechnet werden.Einem Bericht der „Financial Times“ zufolge schauen sich die EZB-Bankenaufseher wegen der Lira-Krise bereits die Verbindungen europäischer Geldhäuser zur Türkei an. Besonders die Banken BBVA aus Spanien, die italienische Unicredit und die französische BNP Paribas stünden im Fokus. Die Möglichkeit einer neuen Eurokrise wird vorsichtshalber noch nicht einmal ausgesprochen. So ist es auch kein Wunder, dass nun auch der Euro einbüßt.

Die Europäische Zentralbank hat die großen europäischen Banken unter Beobachtung genommen, die stark von der türkischen Verschuldung betroffen sind. Dazu gehören die spanische BBVA, die der Türkei 83,3 Milliarden Dollar geliehen hat, die italienische Uni Credit mit 38,4 Milliarden Dollar, und die französische BNP Paribas mit 17 Milliarden Dollar.

Bei einer Inflationsrate von mehr als 16 Prozent fordern die internationalen Finanzmärkte, dass die Zentralbank die Zinsen anhebt, um finanzielle Stabilität zu erreichen. Doch diese Forderung wurde bisher vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan abgelehnt.Er sieht jetzt „Wirtschaftsterroristen“ am Werken und verbietet auch in sozialen Medien Berichtersattung und Kritik an der wirtschaftlichen Lage der Türkei.

Experten raten der Türkei sich einem Rettungsprogramm des IWF auszusetzen und man wird warten, wenn es zu einer Eurokrise kommen sollte, ob dann Merkel und andere Euroländer auch Rettungsschirme für Banken aufspannen müssen, die im Türkeigeschäft zahlungsunfähig werden. Ebenso sehen Experten nicht nur die Türkei als Problemfall, sondern auch andere emerging economies wie Argentinien und Brasilien, die sich Kredite in US-Dollar liehen als die Zinsen der Fed noch niedrig waren und nun in Zahlungsschwierigkeiten kommen, da die US-Zentralbank nun die ZInsen erhöht. Einige US-Experten verweisen auch darauf, dass die Trumpregierung auch enorme Schulden machen würde und ebenso zum Problemfall werden könne. Doch auffällig ist, dass Erdogan weiter stur an niedrigen Zinsen festhält.

Inwieweit die Lage eskaliert, bleibt abzuwarten. Als Aktivposten hat die Türkei eine niedrige Staatsverschuldung, die nur 33% ihres Staatshaushaltes und nur 2% ihres Bruttosozialproduktes ausmacht und damit selbst weit unter den Maastrichtkriterien liegt. Desweiteren ist die Türkei NATO-Partner, Garant des Türkeideals, sowie Regionalmacht im Nahen Osten, wie auch die Inflationsraten weit entfernt sind von venezolanischen Zuständen, wo diese ca. 800 000 Prozent betragen. Also eine Staatspleite wie in Argentinien oder Venezuela scheint noch bei weitem nicht gegeben.Dennoch sind die Negativposten nicht zu übersehen. Mangelnde Rechtsstaatlichkeit und Zweifel in die Unabhängigkeit der Zentralbank, Wachstum auf Kredit und Pump, die Gefahr einer Immobilienblase, die Ernennung von Erdogans Schwiegersohn Berat Albayrak zum Wirtschafts- und Finanzminister, sowie Bedenken bezüglich der innen- und außenpolitischen Stabilität der Türkei führten zu dem rapiden Lirazerfall. Auch dass Vizeregierungschef Mehmet Simsek, der als Garant einer orthodoxen Währungspolitik galt, aus dem Kabinett entfernt wurde, trug dazu bei.

Der Lirazerfall verteuert nicht nur die massenhaften Importe der Türkei und treibt damit die Inflation an, sondern lässt auch die Auslandsschulden der Firmen und Banken steigen, zumal 1/3 der Bankkredite türkischer Unternehmen in Devisen, vor allem US$ und Euro gehalten werden. So warnt Goldmann Sachs auch davor, sollte der Lirazerfall weiter bei einem Kurs von 7.10 Lira zum Dollar sich einpegeln, dass die Kapitalreserven der Banken bald aufgebraucht wären. Es bleibt abzuwarten, ob Erdogan bei ernsthafter Gefährdung seiner Macht an der islamischen Zinstheorie festhalten wird oder aber kurzfristig über seine islamistischen Schatten springt und doch die Zinsen erhöht, wenn es nicht mehr anders geht. Desweiteren bleibt abzuwarten, ob Erdogan weiter eskaliert und weitere US-Sanktionen gegen sein Land verursacht, die dessen Wirtschaft dann in den Abgrund stürzen.Die Frage ist:

Entlässt er den Evangelikalen Brunson und kommt es vielleicht nach dem Streit sogar zu einem Trump-Erdogantreffen oder eskaliert das Ganze, nähert sich Erdogan Rußland, China und der SCO an, schließt Incirlik, tritt vielleicht aus der NATO aus? Die EU und Merkel schweigen jedenfalls auffällig dazu. Man möchte scheinbar den NATO-Partner, Irandealbefürworter und Garant des Türkeideal nicht verärgern, zumal auch nicht vor dem anstehenden Staatsbesuch in Deutschland. Immerhin will man ja bei der Großen Koalition parteiübergreifend statt zuerst EU-Mitgliedschaft und dann „priviligierter Partnerschaft“ nun eine „pragmatische Partnerschaft“. Da wird zwar seitens der EU schon einmal die Ausweitung der Zollunion auf Eis gelegt, aber die bisherige Zollunion nicht infrage gestellt oder als Druckmittel, schon gar nicht im Sinne von Sanktionen ala Trump benutzt. Doch auch ohne Sanktionen ist es sehr wahrscheinlich, dass sich die wirtschaftliche Situation unter der islamofaschistischen Präsidialdikatur Erdogans weiterhin verschlechtern wird.



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