John Mc Cain-ein Nachruf: Wer war der „Anti-Trump“?

von Ralf Ostner

Soll man über die Toten nichts Schlechtes sagen, so ist dies angesichts der unkritischen und allseits lautstarken transatlantischen Jubelchöre über John Mc Cain doch mal nötig. Mc Cain war ein Vertreter und Symbol des US-Militarismus. Dafür spricht, dass er aus einer prominenten Militärfamilie stammt: der Großvater Admiral im 2. Weltkrieg, der Vater der US-Kommandeur der Marine in Europa, John Mc Cain Absolvent der Militärakademie. John Mc Cain war kein Drückeberger wie George W. Bush oder Trump, sondern kämpfte selbst in dem von den USA durch den Golf von Tonkin-Zwischenfall inszenierten Vietnamkrieg an vorderster Front mit. Aufgrund seines Abschusses während er vietnamesische Städte bombadierte und Vietconghaft inklusive Folter galt der „Prinz“ als Kriegsheld, auch wenn Trump dies zum Entsetzen der Veteranen in Abrede stellte. Nach Mc Cains Militärfamilie wurde auch ein US-Kriegsschiff benannt und er war immer für eine Politik der Aufrüstung, der Interventionskriege und eines bis an die Zähne bewaffneten, hochgerüsteten und starken US-Militärs, welches in den USA sakrale Gottesanbetung geniesst. Der Militärisch-Industrielle Komplex der USA hat es ihm immer gedankt und ihn auch mit generösen Wahlkampfspenden gesegnet und honoriert. Ebenso war John Mc Cain Mitglied und Förderer der National Rifle Association (NRA), wie auch deren National Rifle Association Political Victory Fund (NRA-PVF) ihn bei seiner Präsidentschaftskandidatur und dann als Senator unterstützte.

Dass er nun seitens der vietnamesischen Regierung als „Brückenbauer“zwischen beiden Staaten gelobt wird, hängt damit zusammen, dass Mc Cain sah, dass man den früheren Erzfeind  Vietnam als neuen Verbündeten und US-Kanonenfutter gegen das erstarkende China brauchte. Dabei blieb er solch ein Kommunistenfresser wie Nixon, der das kommunistische China auch gegen die kommunistische  Sowjetunion als Bündnispartner gewann. Da sowohl Nixon wie Mc Cain stramme Antikommunisten waren, konnten sie die geopolitischen Notwendigkeiten, die auf demokratische Werte und den Antikommunismus weniger Rücksicht nahmen der konservativen Republikanischen Anhängerschaft auch verkaufen.

Dass er Trumpkritiker, Foltergegner, kein Demagoge und kein Rassist war mag man positiv vermerken. Aber bestenfalls erfährt man noch mit einem Wort, dass er ein“außenpolitischer Falke“war. Konkret bedeutet dies, dass er wie Hillary Clinton Befürworter und Hetzer für den Irakkrieg 2003 war, der den ganzen Nahen Osten destabilisierte, 1 Millionen Iraker das Leben kostete, Flüchtlingsströme auslöste und den Islamischen Staat in Irak und Syrien wie auch den Iran als Regionalmacht erst hochbrachte. Mc Cain befürwortete eine US-Militärintervention in Syrien, setzte sich auch aktiv für den Sturz Assads und den syrischen Bürgerkrieg ein, besuchte persönlich die euphemistisch genannten syrischen „Rebellen“und  unterstützte neben der FSA, auch Muslimbrüder und andere islamistische Mordbrennermilizen, die das Land in Schutt und Asche verwandelten, 1/2 Millionen Menschenleben kosteten und die nächsten millionenfachen Flüchtlingswellen auslösten.Selbiges Spiel auch in Lybien, wo er wie auch Hillary Clinton den NATO-Einsatz befürwortete und den Sturz Ghaddafis forderte. Und wie Mc Cain zum genoizidialen Jemenkrieg stand, dürfte damit auch klar sein, zumal es gegen den Iran ging.

Mc Cain ist also mitverantwortlich für millionenfaches Elend. Mc Cain war wie auch Trump und die meisten Republikaner gegen den Irandeal Obamas und versuchte ihn zu torpedieren, so gut das ging. Ebenso arbeitete er in Sachen regime change im Iran und traf noch am 14 April 2017  die bewaffneten islamomarxistischen Volksmudjahedin , deren Führerin Maryam Rajavi und deren National Council of Resistance of Iran (NCRI). Im Ukrainekonflikt turnte er an vorderster Front an der zentralen Rednerbühne bei den Maidanrevolten in Kiew herum, heizte die Menge an, befürwortete eine NATO-Expansion in die Ukraine und später nach der Krimannexion Waffenlieferungen an die Ukraine, um den Krieg erst richtig anzufachen, um die Russen in eine europäische „Afghanistanfalle“ala Brzezinski zu locken in der Hoffnung so Putin zu stürzen.

Dieser Mann stand 2008 mit seiner potentiellen Vizepräsidentin Sarah Palin zur Wahl des US-Präsidenten, wurde aber glücklicherweise abgewählt. Aber dadurch, dass er die Tea-Party-Demagogin und Populistenikone Pailin, die gegen das Washingtoner Establishment und die Eliten wie später dann Trump fanatisch  wetterte, an derart massenmedial exponierte Position und in höchste Stellung brachte, beförderte er erst recht die Rechtsradikalisierung der Republikaner, die sich schleichend schon seit der Wahl von Newt Gingrich zum Führer des Repräsentantenhauses 1994 abzeichnete. Während Mc Cain einen fairen Wahlkampf mittels Argumente führen wollte, hetzte Pailin gegen das Washingtoner Establishment und damit gegen  Mc Cain selbst, liess Leute gewähren, die Obama als Islamisten, Kommunisten und nicht in den USA geborenen Ausländer diffamierten, worauf dann Mc Cain in die Lage kam der Hetze Pailins entgegentreten zu müssen. Dies wurde dann auch als der „lächerlichste und schizophrenste Wahlkampf“bezeichnet und führte Mc Cain in die Niederlage, da er Obama gegen die von Pailin losgetretene Hetze und den Rassismus zu verteidigen meinen musste.Mc Cain hatte sich völlig verspekuliert, da er meinte mittels Pailin beide Republikanerflügel bedienen zu können. Der Wahlkampf wäre wohl anders verlaufen, hätte er einen moderaten Vizepräsidentschaftskandidaten an seine Seite gestellt, aber er wollte den Evangelikalen und den Rechtsradikalen Zugeständnisse machen. .

Für Trump war er der looser, weil er so differenziert und fair argumentierte und so gewannen auch die rechtsradikalisierten Teile der Republikaner die Vorherrschaft in der Partei und darüber hinaus. Pailin unterstützte denn auch nach Mc Cains Niederlage die US-Präsidentschaft von Trump, der dann auch mit Hilfe der Tea Party- Bewegung, des rechten Flügels der Republikaner und der neuen rechtsradikalisierten Republikaner um Steve Banons Breitbart News, Fox News und der Altright gewählt wurde. Mc Cain ist wegen seiner außenpolitischen Hassadeurspiele und der Öffnung für die rechtsradikalisierten Populisten innerhalb der Republikanischen Partei auch mitverantwortlich für die Wahl Trumps. Das alles wollen uns die nibelungentreuen transatlantischen Jubelepigonen vergessen machen, die in Mc Cain nur einen Anti-Trump, einen strammen Befürworter des Transatlantismus und Putinhasser sehen wollen, der ihnen unter Trump so abgeht.

Nun wird verkündet, dass man den verstorbenen Mc Cain als Bollwerk gegen Trump sehen sollte, wird der politische verbrecherisch-imperialistische Werdegang wie bei Hillary Clinton überall verschwiegen und wurde ja auch schon einmal Georg W. Bush versucht uns als Trumpkritiker und vernünftigen Politiker zu verkaufen. Faktisch bedeutet das, dass man den Republikanern keine Anti-Trumps mehr zutraut, sondern  diese sich opportunistisch und defätistisch Trump unterordnen werden, da der einzige Widerständler nun verstorben ist. Aber eben Mc Cains Politik sorgte mehr für den Austieg Trumps, als dass man ihn als Anti-Trump sehen könnte. Nein, mit all diesen Lügen und Lebenslügen sollte man sich nicht gemein machen, zumal sie und nicht die angebliche Wahlbeeinflussung Putins die Ursache sind für den Wahlsieg Trumps. Besser wäre es Bernie Sanders oder unbeflecktere linke Politiker als die wahren Anti-Trumps zu sehen, als Geschichtsklitterung zu betreiben und zumal auch über die  vielen Gemeinsamkeiten zwischen Trump und Mc Cain hinwegzusehen. Diese Washingtoner Elite hat es verdient abgewählt oder gestürzt zu werden, wenngleich nicht von Trump. Dass mit Mc Cain die Generation des unbedingten Transatlantismus ausstirbt, jene Amerikaner, die sich mit Europa aufgrund der Erfahrung des 2. Weltkriegs, Carepaketen, Luftbrücke und Kubakrise noch verbunden fühlten, ist richtig, Aber man sollte nicht außenpolitische Hassadeure als Vorbild nehmen, sondern besser mal eine Selbstkritik dieser Politik samt NATO- und EU-Expansionismuses und Demokratisierungskriegen rund um die Welt vornehmen. Insofern könnte Mc Cain dann als negatives Vorbild dienen, um eine positivere Politik als Trump für die Zukunft zu generieren.

 



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