Afrikanischer Frühling in Äthiopien?

Im ARD kam ein Bericht über den neuen Ministerpräsidenten Äthiopiens Abiy, der nun politische Gefangene freilässt, eine Liberalisieruzng sowohl der Wirtschaft wie aber auch der Politik ankündigt und zumal nun die jahrzehntelange Feindschaft mit Eritrea, die auch schon zu einem der blutigsten Kriege in Afrika geführt hatte beendet und den Grenzverkehr zwischen beiden Staaten wieder hergestellt hat. Kritiker nennen ihn nur ein „Placebo“, der den schwelenden Oromoaufstand eindämmen soll, da er selbst der Minderheit der Oromo angehört. Desweiteren verweisen sie darauf, dass er aber der Regierungspartei angehört, auch beim äthiopischen Militär und der Stasi diente, ja sogar als IT-Experte den Aufbau der digitalen Überwachung maßgeblich vorantrieb. Enthusiasten wiederum sehen in ihm den Vorreiter eines afrikanischen Frühlings, einer Demokratisierung Äthiopiens, einer Wirtschaftsreform, die das Land boomen lassen wird, obgleich er klargestellt, dass der Staat und seine Regierung bei den Privatisierungen der wichtigsten strategischen Unternehmen des Landes weiterhin die Mehrheit halten wird, zumal er eben auch den ewigen Konflikt mit Eritrea beigelegt hat. Ich würde ihn nicht als Placebo, sondern als integrierenden Kompromisskandaten sehen, der eine Verbesserng darstelt, jedoch erst noch zeigen muss, ob er erfolgreich ist, zudem seine Machtbasis sehr eng ist und er diese erst ausbauen muss.

Prof. Dr. Magnus Treiber, Ethnologe und Afrikaexpertean der Münchner LMU und der Uni Bayreuth  äußerte zu den Aussichten Abiys:

„Lieber Ralf,

das ist eine ganz gute Zusammenfassung, das würde ich doch ganz ähnlich sehen… Ich konnte in meinem Regionalseminar im Sommer die ganze Entwicklung vom Chaos zum Friedensschluss mit in Echtzeit Eritrea begleiten, das war schon interessant. Insgesamt bin ich nicht allzu zuversichtlich, denn Politik in Äthiopien ist ein schwierig Ding und irgendjemand ist immer – teils zu recht, teils zu unrecht – beleidigt. Sowas wie Kompromiss und Ausgleich kennt man wohl auf der lokalen Ebene, aber nicht in der nationalen Politik. Kann also sein, dass der gute Doktor Abiy früher fällt (oder gefällt wird) als er hofft….“.

 

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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