Merkeldämmerung–was dann?

Nach der Abwahl des Merkelmannes und CDU-/CSU-Fraktionsvorsitzenden Kauder durch den unbekannten Brinkhaus, wird nun wieder offen von „Merkeldämmerung“ und „Neuanfang“gesprochen.Die Frage wird sein, was nach Merkel kommt. Nicht umsonst bezeichnet Georg Anastasiadis im Münchner Merkur Ralph Brinkhaus als Mensch ohne Kleider, der auf den nackten Kaiser zeigt. Wer käme als Nachfolger? Kramp-Karrenbauer wäre Merkel 2.0. Jens Spahn eher der Rechtsruck in Richtung CSU. Ursula von der Leyen–fraglich, wofür sie eigentlich steht. Sie könnte vielleicht eher als Zentristin versuchen beide Flügel miteinander auszugleichen. Wie soll denn die Wende der CDU zu Mitte-Rechts aussehen? Rückkehr zur Wehrpflicht-unwahrscheinlich. Rücknahme des Atomausstiegs? Unwahrscheinlich. Rücknahme der Homoehe? Unwahrscheinlich.

Und: Wie sollte man die angebliche „Mutter aller Probleme“, den Flüchtlingssommer 2015 zurücknehmen? Wie denn? Da bliebe nur die massenweise Abschiebung der Flüchtlinge und ein Wettbewerb mit der AfD, wer am meisten Abschiebungen und Zurückführungen fordert. Eine Forderungsspirale, bei der die AfD die Union weiterhin vor sich hertreiben könnte und keine weiteren Themen mehr darüber hinaus besprochen werden. Schäuble meinte dieser Tage, man müsse der deutschen Bevölkerung sagen, dass die meisten Flüchtlinge bleiben werden.Dies wird dann wahrscheinlich die zentrale Dynamik des politischen Diskurses weiter bestimmen, insofern es nicht gelingt die Flüchtlingsfrage nicht als den alleinigen Dreh- und Angelpunkt aller sozialen Probleme in Deutschland und in Europa zu sehen. Nötig wäre erst einmal ein neues CDU-Programm, dass einem neuen Kaiser auch Kleider geben kann. Andernfalls besteht die Gefahr, dass die CDU implodiert zwischen Merkelianern und Spahnianern.Wer meint mit „Merkel weg“seien alle Widersprüche quasi gelöst, hängt einer gefährlichen Illusion nach.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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