Mazedonien–das ideele Brot des Nationalismus

Die Mazedonienfrage zeigt, dass der Nationalismus in Griechenland wie auch in Mazedonien noch sehr virulent ist. Dass sich selbst ehemalige Linke und Kommunisten wie Miki Theodorakis als nationalistische Einpeitscher in diesen Namensstreit einmischen und als fanatische Anheizer gebärden, lässt am normalen Menschenverstand zweifeln. Nichts zu essen, voll in der Wirtschafts- und Sozialkrise, aber dann Nationalismus als das ideele Brot. Auch bleibt fraglich, was die Namensänderung zu „Nordmazedonien“sollte, da dann logischerweise die Region Mazedonien in Griechenland wohl Südmazedonien gewesen wäre. Die Mazedonier haben nur zu 37% an dem Referendum teilgenommen, obwohl 50% nötig sind, um gültig zu sein, sind also mehrheitlich dem Boykottaufruf der Opposition gefolgt, wenngleich 91% der Teilnehmer dann für die Namensänderung und damit die EU-und NATO-Orientierung stimmten. Das Referendum ist also krachend gescheitert und zeigt, eben, dass der Nationalismus in diesen Balkanstaaten immer noch sehr stark ist. Ob ein anderer Name da helfen würde, ist eher fraglich.Darum geht es nur vordergründig. Dass die EU nun versucht die Namensänderung zwanghaft durchzudrücken halte ich schlichtweg für falsch.

Das Referendum zeigt, dass Mazedonien für eine EU- und NATO-Mitgliedschaft eben nicht reif ist. Zudem würde eine Namensänderung und damit eine EU-Annäherung von ihrer Legitimation her infrage gestellt, was rechten und nationalistischen Kräften Auftrieb geben würde, wie auch russlandfreundlichen Kräften, die gegen Brüssels Zwangsdiktat und die Aufgabe nationaler Souveränität an eine EUdSSR hetzen würden. Hier mittels eines Zwangsakts auf nicht vorhandener demokratischer Basis Fakten schaffen zu wollen, halte ich für falsch. Die EU sollte aus ihren Fehlern lernen, krampfhaft immer weiter zu expandieren, auch wenn offensichtlich ist, dass der Nationalismus noch so ausgeprägt ist. Wer Polen, Ungarn und Tschechien schon als Problemfälle ansieht, sollte sich klarmachen, dass mit einer Aufnahme der Balkanstaaten und Mazedoniens weitere wirtschaftliche sowie nationalistische Problemfälle entstehen, die die ohnehin schon durch den erstarkenden Nationalismus erodierende Einigkeit innerhalb der EU weiter unterhöhlen würden. Von daher sollte man eher über eine Anbindung und Assozierung dieser Staaten nachdenken, denn über eine EU-Mitgliedschaft.

Es ist aber unwahrscheinlich, dass die EU ihren Kurs der weiteren Mitgliederexpansion ändert, da sie sich vorerst als Wirtschaftsgemeinschaft versteht, die ihrem Kapital neue Kapitalakkumalationsgebiete erschliessen möchte und den Binnenmarkt als wirtschaftliches Gegengewicht zu den USA und China immer grösser machen will. Ebenso bei dem Projekt Euro, bei dem immer mehr Transferleistungen, Staatsschuldenpapieraufkäufe und Rettungsschirme in Stellung gebracht werden müssen, wie auch immer mehr direkt an die Spareinlagen der einfachen Bevölkerung herangetreten werden soll, um genug finanzielle Massenvernichtuungswaffen im Konkurrenzkampf zum US-Dollar und bei Finanz-oder Eurokrisen aufbieten zu können, auch wenn dies das Risiko einer Ruinierung bei schlecht gemanagter Finanzkrise bedeuten würde. Dass die EU damit ihre eigenen Zusammenhalt gefährdet, wird schlicht in Kauf genommen.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.