Pakistan: Solidarität mit Asia Bibi

von Ralf Ostner

Wie sich die Szenen gleichen: Vor einem Jahr, im November 2017 blockierten aufgebrachte Islamisten die Straßen mehrerer pakistanischer Großstädte, drohten Regierungsgebäude zu stürmen und das Militär ging nicht dagegen vor, liess den Mob gewähren und der von den Islamisten kritisierte Justizminister musste zurücktreten.

Same story dieses Jahr, November 2018. Auslöser der Proteste ist die Christin Asia Bibi, die wegen Blasphemie von ihren Nachbarn denunziert und von einem pakistanischen Gericht zum Tode verurteilt wurde. In Paktistan kann jeder, der den Islam und seinen Propheten Mohammed kritisiert, eingesperrt oder wie Asia Bibi zum Tode verurteilt werden. Das Gericht nun hatte die Strafe umgewandelt und sie wollte mit ihrer Familie, die von Islamisten mit dem Tode bedroht wird das Land verlassen. Hierauf kam es wieder zu Protesten und das Gericht verfügte nun, dass sie im Land bleiben muss und das rückgängiggemachte Todesurteil nochmals geprüft werde.

Das Militär hielt sich wie immer zurück, der neugewählte Premierminister Khan warnte die Islamisten nur davor, Regierungsgebäude anzugreifen, liess den Mob aber weiter gewähren. Das Beispiel zeigt, wie es um Meinungs- und Religionsfreiheit samt Menschenrechten in Pakistan gestellt ist. Sie gelten vor allem für Islamisten. Dazu hat keine der Volksparteien je über die Abschaffung des Blasphemieparagraphen je nachgedacht, zumal Pakistan sich seit dem Militärdiktator Zia ul Haq vor allem als islamisches Land begreift, das keine Toleranz in Religionsfragen duldet.

Als Ali Jinah Pakistan gründete, wollte er vor allem einen säkularen muslimischen Staat, der demokratisch sein sollte. Doch zumeist wurde Pakistan von Militärregierungen regiert, die sich zudem in zwei Kriege mit Indien über Kaschmir begaben und immer noch islamistischen Terroristen, die Kaschmir zurückerobern wollen, Ausbildungslager und Rückzugsräume in Pakistan gibt, wie auch die afghanischen Taliban unterstützen.Zudem muss man sehen, dass während des Kalten Krieges unter dem Militärdikator Zia Ul-Haque eine breite Islamisierung der pakistanischen Gesellschaft, wie auch Teilen des Militärs betrieben wurde.

Im Buch der jungen pakistanischen Friedensnobelpreisträgerin Malala  „Ich bin Malala“ erfährt sehr viel über die Geschichte Pakistans und Afghanistans wie auch dem Islam. wie auch über die Islamisierung des Landes nach der Ermordung des säkularen Politikers Zulfikar Ali Bhuttos, die bis heute anhält und sich eher noch verschlimmert:

„Um das Volk zur Unterstützung der Militärregierung zu veranlassen, startete General Zia eine Kampagne zur Islamisierung,  die uns zu einem anständigen islamischen Land machen sollte, und ließ unsere ideologischen wie geographischen Landesgrenzen von seiner Armee verteidigen.Er erklärte unserem Volke, es sei Pflicht seiner Regierung zu gehorchen, weil sie islamische Prinzipen vertrat. Zia wollte uns sogar vorschreiben, wie wir zu beten hatten, in jedem Distrikt setzte er salats ein, Gebetsausschüsse, sogar in unserem abgelegenen Dorf, und ernannte 100 000 Gebetsinspektoren.Davor waren Mullahs fast so etwas wie Witzfiguren gewesen– mein Vater sagte, auf Hochzeitsfeiern hätten sie bloß in einer Ecke herumgehangen und seien bald gegangen.Aber unter Zia wurden sie einflußreich, und man berief sie, unter ihnen meinen Großvater, als Erzieher und Prediger nach Islamabad. Unter Zias Regierung wurde das Leben der pakistanischen Frauen noch stärker eingeschränkt.Unser Staatsgründer Muhammed Ali Jinnah hatte einmal gesagt: „Kein Kampf kann gewonnen werden, ohne dass die Frauen den Männern zur Seite stehen.Es gibt zwei Mächte auf der Welt; die eine ist das Schwert, die andere ist der Schreibstift. Es gibt aber noch eine dritte Macht, stärker als die zwei, nämlich die Macht der Frauen“.

Aber General Zia führte Gesetze ein, nach denen die Zeugenaussage einer Frau vor Gericht nur halb so viel galt wie die eines Mannes..(…) Eine Frau konnte ohne Erlaubnis des Mannes nicht einmal ein Bankkonto eröffnen. (…) Damals wurden viele Madrasa-Schulen eröffnet.Den Religionsunterricht, den wir deenyat nennen, wurde durch einen Islamunterricht ersetzt, der für pakistanische Kinder bis heute Pflicht ist. Unsere Geschichtsbücher wurden neu geschrieben, darin wird Pakistan als eine „Festung des Islam“ bezeichnet, als gäbe es diesen Staat schon länger als erst seit 1947. Die Geschichte wurde überhaupt neu erfunden, so dass es so aussah, als hätten wir die drei Kriege gewonnen, die wir gegen unseren großen Feind Indien geführt und verloren haben. “

Bleibt zu hoffen, dass sich im Westen jemand für Asia Bibi wie zuvor für Malala einsetzt. Aber Malala gibt sich ja als moderate Muslima und ist keine Christin, gilt auch als potentielle zukünftige Premierministerin in fernerer Zukunft . Möglicherweise wird auch befürchtet, dass Solidarität mit Asia Bibi als eine Art Kreuzzug verstanden wird, als Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes und als neokoloniale, antiislamische Geste.Von daher hält man sich auch etwas zurück, da eine offene Kampagne Asia Bibi mehr schaden als nützen könnte.

Zudem dürfte man auch fürchten, dass Pakistan nach Kürzung der US-Hilfe noch näher an China heranrückt, das durch das Land den China-Pakistan-Economic-Corridor(CPEC) als zentralen Bestandteil seiner Neuen Seidenstrasse bauen will, zumal Pakistan wieder vor der Pleite steht und beim IWF einen Kredit beantragen will. Die USA haben jedoch angekündigt, dass sie dies kritisch prüfen und auch an nichtökonomische Bedingungen knüpfen wollen, Pakistans Unterstützung für islamistische Terroristen, Islamisten und die Taliban in Afghanistan nicht länger dulden wollen, sowie auch nicht Chinas Seidenstrasse mit US-Mitteln fördern wollen. China wiederum hat gestern einen Milliardenkredit für Pakistan in Aussicht gestellt, wie nun auch in Moskau eine Afghanistankonferenz stattfinden soll, bei dem auch erstmals die von Pakistans Geheimdienst ISI unterstützten afghanischen Taliban teilnehmen sollen. Hochzeit für Islamisten, schlechte Chancen für Asia Bibi, zumal China sie nicht unterstützen wird und eher froh ist, dass der Westen keine Kampagne wegen der Unterdrückung der Uiguren, von denen 1 Millionen in Umerziehungslager deportiert worden sein sollen, startet.  Ähnliche Islamisierungstendenzen hat man auch in Indonesien und Malaysia, wo Blasphemie auch zunehmend als Haftgrund gegen Christen, Oppositionelle und andere Minderheiten genutzt wird.


Kommentar hinzufügen