Euro und OPEC vor der Auflösung-Saudiamerica first?

von Ralf Ostner

Der Prozess der Erosion internationaler Organisationen der Nachkriegsordnung geht weiter. Nicht nur, dass Trump so alles von WTO, internationalen Verträgen, NATO, EU,etc. infrage stellt, heute hat Ifo-Chef Fuest geäußert, dass der Euro sich auflösen könne, eine reale Perspektive ist.Vielleicht ist es aber auch eine überfällige Korrektur dieser Fehlkonstruktion und schrumpft die Eurozone auf eine stabile Gemeinschaftswährung ähnlich wirtshcaftsstarker, währungsoptimaler Staaten.Wie Lucke und Henkel sagten: Einen Nordeuro, wobei man da aber Frankreich dabei haben sollte, aber die währungssuboptimalen Länder austreten lassen sollte. Frage aber werden die dies tun, zumal es keinen Exitmodus im Eurovertrag gibt.Ist ein geordneter Prozess bei der Schrumpfung und Konsolidierung der Eurozone denkbar oder implodiert das Ganze mit unabsehbaren wirtschaftlichen und politischen Folgen. Letzteres könnte mit einer Italienkrise Ernst werden. Also sehr kompliziert.

Weitere Nachricht: Saudiarabien will die Effekte einer Auflösung der OPEC prüfen lassen und zieht diese ernsthaft in Erwägung. Wäre mal zu untersuchen, wie sich dies auf die Ölmärkte und die Weltwirtschaft auswirken würde–möglicherweise sehr disruptiv. Die OPEC erlebte ihre Hochzeit bei dem Ölembargo infolge des Nahostkrieges gegen Israel 1973,  als der Erdölpreis explodierte. In den Folgejahrzehnten verlor sie jedoch an Einfluss, da ihre Mitglieder untereinander zerstritten waren, ihr Anteil an der Welterdölproduktion zurückging und die ölimportierenden Länder Erdöl durch Engergiesparmaßnahmen, resourceneffizientere Energienutzung und Rückgriff auf andere Energiequellen, zuletzt auch erneuerbare Energien substitutierten und ihre Abhängigkeit vom Öl verringerten. Das saudische Königshaus versucht die Meldung herunterzuspielen. Es gehe nur um eine Studie mit Szenarien, die noch nicht Teil der aktiven Erörterungen in Politkreisen sei:

„Saudische Politiker sehen die Studie der Zeitung zufolge als eine Möglichkeit, Marktszenarien durchzuspielen, bei denen die Ölnachfrage so stark sinkt, dass die Opec ihre Marktmacht verliert. Hinzu käme, dass die Studie die Gelegenheit biete, sich näher mit der Kritik aus Washington zu befassen, sagte ein ranghoher Beamter.

Donald Trump hatte das Ölkartell zuletzt im September kritisiert. Die USA würden die Länder des Mittleren Ostens verteidigen, schrieb er auf Twitter, „und sie erhöhen immer weiter die Ölpreise!“. Die Opec müsste einen Weg finden, die Preise wieder zu senken, forderte der US-Präsident.

Seit Jahrzehnten betrachtet Saudi-Arabien die Opec als entscheidend für die eigene Wirtschaft sowie für die globale Weltwirtschaft. Die Organisation existiert seit 1960 und umfasst derzeit 14 Staaten. Ziel der Organisation ist die kontrollierte Preisbildung auf dem Ölmarkt. Die Preise für den Rohstoff sollen weder zu hoch noch zu niedrig werden.

In den vergangenen Jahren hat die Opec allerdings zunehmend an Bedeutung verloren, was zu einem großen Teil an der steigenden Förderung von Schieferöl durch die USA liegt. Um die Preise hoch zu halten, musste das Kartell zuletzt immer wieder auf Förderkürzungen zurückgreifen.

Die Studie passt auch in die ökonomische Strategie Saudi-Arabiens – Vision 2030. Der ehrgeizige Plan des saudischen Kronprinzen Mohammed Bin Salman sieht vor, die Wirtschaft des ölreichen Landes unabhängig von dem Rohstoff zu machen. Dazu sollen Jobs in bislang verbotenen Industrien – etwa Unterhaltung – entstehen. Auch sollen bislang benachteiligte Gruppen wie Frauen und Jugendliche stärker in den Arbeitsmarkt eingebunden werden.

Nach dem Bericht zählten Energiewerte an der Wall Street zu den Verlierern.“

https://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/devisen-rohstoffe/oelkartell-saudi-arabien-prueft-moegliche-auswirkung-von-opec-aufloesung/23598352.html?ticket=ST-2870536-gcXOduy0BEm72Xjd1DCT-ap1

Interessant ist, zu welchem Zeitpunkt die „Studie“bekanntgemacht wird: Just nach Trumps Aufforderung an Saudiarabien mehr Erdöl zu fördern, wobei Riad rückmeledete, dass es zweifelhaft sei, dass es die gesamten Ausfälle ersetzen könnte und die Ölpreise zu senken und dem neuen Öl-und Finanzembargo gegen den Iran. Gleichzeitig mahnten die USA Friedensgespräche im Jemen an und stellten die US-Unterstützung für die saudischen Luftangriffe und Militäreinsätze ein. Muhammed bin Salmans Stellung schien zu wanken. Gut möglich, dass er nun US-Druck gegen die OPEC nachgibt und die Studie zirkuliert hat, um seine Stellung zu sichern. Bisher hatte die OPEC einen gewissen stabilsierenden Einfluss auf die Erdölpreise. Ohne sie könnten die Fluktuationen heftiger werden, ja vielleicht der Erdölpreis weiter sinken, da die Förderlimits und Preisabsprachen entfallen. Um die Khashoggiaffäre ist es inzwischen auffallend ruhig geworden. Es bleibt abzuwarten, ob Saudiarabien die OPEC verlässt um mit dem frackingstarken USA seine Ölpolitik als Saudiamerica first neu zu koordinieren.Zumal die saudische Aramco ja demnächst auch teilprivatisiert werden soll. Bleibt abzuwarten, an wen die Anteile vergeben werden.



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