Saudiamerica first? Saudiarabien kürzt die Ölförderung

von Ralf Ostner

US-Präsident Donald Trump hatte angesichts des anstehenden Konfliktes mit Iran von Saudiaarbien gefordert, die Ölproduktion ordentlich nach oben zu fahren. Hierauf antwortete Riad, dass es zum einen die Ölförderlimits der OPEC gebe, wie es auch nicht imstande sein könne, die ausfallenden Ölfördermengen vollständig zu ersetzen. Daher sorgte die Ankündigung einer Studie Saudiarabiens zu prüfen, wie sich eine Auflösung der OPEC auswirken werde für Furore. Man hätte annehmen können, dass Saudiarabien nun alle Beschränkungen bei der Ölförderung beseitigen will, um mit den frackingstarken USA nun soviel Erdöl auf den Markt zu bringen, dass sich die Ölpreise so stabiliseren, dass die USA und Saudiarabien ihren Konflikt mit dem Iran auch ohne dramatische Auswirkungen für sich selbst und auf die Weltwirtschaft eskalieren lassen können. Nun aber hat Saudiarabien seine Ölförderung gekürzt, was der These von einem Saudiamerica first scheinbar etwas widerspricht.

Vielleicht nicht unwichtig ist, dass der Zeitpunkt dieser Ereignisse just die Weitergabe von Tonmitschnitten des Khashoggimords an wichtige Staaten durch die Türkei ist, zumal nun offen die Rede von einer Beteilgung von Saudiarabiens Kronprinz Muhammed Bin Salmann ist, wodurch dessen Position gefährdet wird. Zumal die USA auch indirekt an ihm Kritik üben, sei es nun die Auforderung im Jemen zu Friedensverhandlungen zu kommen oder die Einstellung von US-Militärunterstützung für die saudische Militärintervention im Jemen, zumal die USA eben Nebenbeschäftigungen an Nebenfronten wie Syrien und Jemen als kontraproduktiv halten für die kommende heftige Auseinandersetzung mit dem Iran Kein Vielfrontenkrieg und Ablenkung vom Wesentlichen ist die US-Message–wenn, dann jetzt gegen den Iran.

.Zumnal in den USA und im Westen auch scharfe Kritik an Trumps einseitiger und fast ausschließlicher Konzentrierung auf Saudiarabien und Israel in seiner Nahostpolitik, wie auch an den Geschäftsbeziehungen Trumps und seines Schwiegersohns Jareed Kutchner mit den Saudis und Israelis laut wurde, zumal Kronpring Muhammed Bin Salmann mittels Jemenkrieg und Khashoggismord zunehmende als abenteuerlicher Hasardeur und zunhemend als Sicherheitsrisiko wahrgenommen wird.Es bleibt also abzuwarten, ob Saudiarabiens Kürzung der Ölförderung nur ein taktischer Schritt ist, um auf seine Bedeutung für die USA und die Weltwirtschaft hinzuweisen und Gegendruck auf die USA auszuüben, also temporär und rücknehmbar sein könnte, es also immer noch auf ein Saudiamerica first abzielen könnte oder ob sich hier ein Kurswechsel Riads vollzieht. In letzterem Falle läuft MbS aber Gefahr, dass die USA ihn ersetzen wollen.

Gegenthese: Die Rohölpreise sind momentan im Gegensatz zu den Spritpreisen sehr niedrig, sodass die OPEC inklusive Saudiarabien durch die Ölförderungsreduktion lediglich ein wenig dagegensteuern will, damit sie nicht zu niedrig werden. Hinzu hat Saudiarabien durch Ankündigung seiner OPEC-Studie dafür gesorgt, dass sie kurzfristig nochmals runtergingen und damit signalisert, dass Saudiarabien auch mittel- und langfristig Ölförderungsbeschränkungen durch die OPEC infragestellt, was man auch als Druckmittel gegen OPEC-Mitglieder und nicht die USA auffassen kann, es mit der Ölförderungsbeschränkung nicht zu übertreiben.Dieser Lesart nach wäre also Saudiarabiens Handeln ganz im Interesse der USA. Also: Saudiamerica first!

Synthese: Saudiarabien möchte nach beiden Seiten, zur USA wie auch zur OPEC Druck ausüben und seine Unverzichtbarkeit für alle Beteiligten demonstrieren. Dabei hält es natürlich an seinen engen Bindungen zu den USA primär fest und bereitet sich mit diesen auf den kommenden Irankonflikt vor. Also tendenziell dann doch wieder: Saudiamerica first!

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass nun ein US-General neuer Botschafter in Saudiarabien wird nachdem der Posten über 2 Jahre unbesetzt war trotz intensiver Beziehungen:

„Der frühere US-General John Abizaid wird neuer Botschafter seines Landes in Saudi-Arabien. US-Präsident Donald Trump gab die Nominierung des 67-jährigen Nahost-Kenners gestern bekannt. Der Posten des US-Botschafters in Riad war seit Trumps Amtsantritt vor bald zwei Jahren vakant.

Die Nominierung erfolgt jetzt inmitten der Spannungen um die Tötung des saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi (Dschamal Chaschukdschi) Anfang Oktober im Konsulat seines Landes in Istanbul. Der Viersternegeneral Abizaid war von 2003 bis 2007 Befehlshaber des US-Zentralkommandos, das unter anderem für den Nahen Osten und damit den Militäreinsatz im Irak verantwortlich ist.

Saudi-Arabien ist ein wichtiger Verbündeter der USA. Die Tötung des Regierungskritikers Khashoggi hat die Beziehungen zwischen beiden Ländern allerdings erheblich belastet. Angesichts der Spannungen wurde das Fehlen eines US-Botschafters in Saudi-Arabien besonders deutlich“

https://orf.at/stories/3100636/

Die Auseinandersetzung mit dem Iran ist also auf der Tagesordnung , weswegen wohl ein Militär als Botschafter gewählt wurde, der einen solchen Konflikt wohl auch mit dem Pentagon koordinieren könnte, sollte er militärische Dimensionen annehmen.  Die USA wollen wohl nun dafür sorgen, dass Saudiarabien hierbei eine nicht dysfunktionale Rolle spielt und seine Außen-und Sicherheitspolitik besser mit den USA abspricht als bisher.



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