Die Falungong- Chinas Kraft zum Umsturz der KP China?

von Ralf Ostner

Die Falungong wurde von Li Hongzhi gegründet als Meditationsbewegung und neobuddhistiscih-daoistische Sekte, die für sich in Anspruch nahm, dass der gesamte Buddhismus in China ein „Büffelhornbuddhismus“sei, der sich immer mehr verengt habe und nicht mehr die Wahrheit chinesischer Traditionen und Kultur befördere, weswegen Li Hongzhis Falugong die erhoffte Verbreiterung des Büffelhorns, die Sprengung der existierenden Verengungen und die letztendliche Befreiung und Erlösung sei. Bei Buddhismus und Daoismus denkt man im Westen allgemein an friedliche , naturorientierte, ökologisch-esoterisch-harmonische Bewegungen, an den Dalai Lama, um dabei etwa die fundamentalistische buhhdistische Mönchsbewegung in Myanmar zu sehen, die fanatisch militant gegen die Rohingya hetzt und wütet. Dass es auch fundamentalistische Formen des Buddhismus geben könnte wird da so übersehen, wie schon der Islamismus aufgrund des liberaldemokratischen und marxistischen Histomat, der der Religion keine politische Rolle eingeräumt hat, ähnlich wie dies die USA und die Sowjetunion dies angesichts der islamistischen Revolution im Iran übersahen und wie dies  Dmitry Asinovsky in seinem Beitrag „How Experts, Intelligence Services and Politicians of the Two Superpowers Missed the Birth of Islamic Fundamentalism“ in Russia in Global Affairs rückblickend schildert. Eine buddistische Bewegung wie die Falungong hat bisher noch keiner auf dem Radar bei der Betrachtung religiösen Fundamentalismus, auch wenn Li Hongzhi mit seiner Behauptung aller anderer etablierter Buddhismus sei falsch und „Büffelhornbuddhismus“ quasi einen Alleinvertretungsanspruch und die absolute Wahrheit für  seine Falungong reklamiert. Eine weitere Änderung zum traditionellen Buddhismus war die Einführung der „Yeli“, der bösen Macht seitens Li Hongzhis, die diese vorgeblich buddhistische Lehre manichäistisch machte und  angelegt war, die KP China als diese böse Macht und Herausforderung der Kräfte des Himmels und als einzige Versündigung gegen die Kräfte der Natur und des Daos, wie auch des Himmels zu sehen.

Die KP China unterstützte die Falungong anfangs, zum einen als Auslassventil für politisch von dem Tianmenmassaker enttäuschte Menschen wie auch frustrierte Chinesen, die in einigen Bewegungsübungen und Meditationsübungen ihren Frust von der Seele bringen sollten. Ein bisschen Bewegung, Harmonie und Friedlichkeit, etwas Körperbewegung tut gut, dass man seinen Geist nicht zu sehr in politische Dinge abgleiten lasse ausser der KP China-Propaganda.So eine Art Fitnessstudio, Wellnessbewegung eben fernöstlich, mit dem die KP China zum inneren Wohlbefinden ihrer unterdrückten Untertanen beitragen wollte.Die KP China offerierte ihren unzufriedenen Untertanen eine Art Aldi-Massenbuddhismus, der auch durch seine simplifizierten Meditationspraktiken massenkompatibel wurde.Die KP China erhoffte sich eine Art chinesische Jane Fonda samt Aerobicbewegung, die düstere Gedanken mittels Bewegungstherapie auflöse, während Li Hongzhi schon frühzeitig sein Geburtsdatum mit dem des Gautama Buddha in Zusammenhang brachte und dieser ganze irrationale Quatsch von der KP China legitimiert wurde und höchststaatliche Förderung genoss. Li Hongzhi wurde zum KPChina geförderten Mega-Guru, der sich dann aber eben wie Frankensteins Monster gegen seinen Erschöpfer wandte.

Deswegen wurden Li Hongzhi und seine Falungong auch anfangs von der KP China gefördert, sogar mit para- und pseudowissenschaftlichen Preisen staatlicher Institute überhäuft. Da wurde mit Unterstützung von staatlichen Institutionen solcher Blödsinn vertreten, dass mittels Falungongmeditation aus Eisen Gold gemacht werden könne und man Materie mittels Geisteskraft umwandeln könne in Edelstoffe. Millionenfach meditierten Chinesen in China auf allen öffentlichen Plätzen und im Privaten. Die Falungong wuchs zur Massenbewegung, laut einer Studie der KP China soll sie sogar 100 Millionen Anhänger gehabt haben. Die entscheidende Änderung kam,als Li Hongzhi die Formierung von sogenannten Dafa- Eliten propagierte und die Wissenschaftlichkeit der Dogmen der KP China irrational mit seiner Lehre herausforderte. Dies führte dazu, dass die KP China mittels eines Professors die Wissenschaftlichkeit und den gesellschaftlichen Nutzen der Falungong infrage stellte, was diese als Angriff auf sich sah.

Hinzu kam, dass Bill Clinton sowohl die Demokratische Partei Chinas wie auch die Falungong als demokratisierende Kräfte Chinas ansahen und sie unterstützten, zumal auch China 1998 dem Menschenrechtspakt beigetreten war und die USA austesten wollten mittels Parteiregistrierung der Demokratischen Partei Chinas, inwieweit die KP China diese Verträge ernst nehmen würde. Die Demokratische Partei Chinas wurde einfach verboten, die Falungong vollbrachte ihre erste öffentliche Demonstration vor dem chinesischen Regierungssitz Beidahe. Der damalige Staatspräsident Jiangzemin wurde daraufhingehend recht wütend, wie es zu solchen Demonstrationen so offen kommen könne und warum man nichts aus der Unterdrückung ala 1989 gelernt habe, zumal es solch religiös verbrämte Bewegungen in der chinesischen Geschichte schon zuvor gegeben habe, sei es der Gelbe Lotus oder die Taipingrevolte. Wozu noch diese Liberalität? Jiang Zemin liess daraufhin die Falungong verbieten, gründete das berühmtberüchtigte Büro 610 , das sich ausschliesslich der Unterdrückung und Verfolgung der Falungong widmete. Jiang Zemin wollte das Unterstützernetz wie auch die bisherige staatliche Unterstützung für die Falungong zerschlagen.

Fraglich ist, ob die Falungong ihr Unterstützernetz von 100 Millionen nach dem Verbot auch in ein Untergrundsnetz von Li Hongzhis schon frühzeitig propagierten Dafa-Eliten umwandeln konnte, also immer noch ein Hardcore von 2 Millionen oder ähnlicher Dimension existiert, die abgetaucht und subversiv arbeiten und auf ihre kommende Chance des Sturzes der KP China warten. Li Hongzhi floh schon frühzeitig in die USA, weil er die Auseinandersetzung mit der KP China wollte und sich präventiv in Sicherheit brachte, um nun vom Ausland aus antikommunistische Propaganda zu betreiben. Li Hongzhi gab die 9 Kommentare zur KP China heraus, die offen zum Umsturz der KP China aufrief, startete eine Parteiaustrittskampagne, die jedoch keinerlei wesentliche Erfolge aufwies, zumal die Falungong auch verlogene Wunschzahlen von 90 Millionen KPChina- Austritten zusammenphantasierte .Inzwischen betreibt sie mittels ihres Kulturprogramms ShenYun, das durch die USA und Europa tourt Kulturkampf, die sich als eigentlichen Vertreter der chinesischen Kultur neben Chinas Konfuziusinstituten darstellen will. Dazu gibt sie die vielsprachige „Epoch Times“ heraus, die inwzischen mit Rechtspopulisten und Rechtsradikalen zusammenarbeitet, wie eine Sendung des Team Walraff publik machte und immer mehr zu einem chinesischen Breitbart News ala Steve Banon wird. Desweiteren hat sie eine Kampagne geführt, bei der die KP China beschuldigt wurde, inhaftierten Falungonganhängern Organe zu entnehmem und diese quasi zu schlachten und auszunehmen.

Über die Inlandsarbeit der Falungong in China ist nichts bekannt, es gab auch außer einer Selbstverbrennung auf dem Platz des Himmlischen Friedens keine ernsthaft zu erwähnenden Aktionen der Falungong in China, was aber nicht bedeutet, dass sie nicht noch über ein Untergundsnetz verfügt, das sich der Wahrnehmung der chinesischen Sicherheitsorgane entzieht.Insofern es diese Falungonguntergrundsnetzwerk geben sollte, dürfte es grösser sein als das der säkular-demokratischen Opposition. Und der Vater der Demokratiewandbewegung Wei Jingsheng plädierte ja gerade für die Nutzung und Kooperation mit diesem imaginierten Untergundsbnetzwerk, während die restliche säkular-demokratische Opposition den führerzentrierten, autoritären Charakter der Falungong betonen, der möglicherweise bei einem Sturz der KP China keine Demokratie, sondern eine neoreligös-totalitäre Führerherrschaft hervobringen könnte.

Wenn man noch über eine Demkratisierung Chinas spricht, so fällt doch auf, dass die säkular-demokratische Opposition seit dem Tiananmenmassaker 1989, der Vernichtung der Demokratischen Partei Chinas 1998 und dem letzten Versuch der Charta 2008 völlig gescheitert und marginalisiert ist. Sie sind so geschlagen, wie die deutschen Revolutionäre von 1848. Diese völlig geschwächte demokratisch-säkulare Opposition ist inzwischen zumeist inaktiv, während noch einige Vertreter auf die imaginäre Kraft des Untergundnetzes der Falungong als Partner hoffen, das möglicherwesie gar nicht so existiert und sollte es existieren, alle mal mächtiger wäre und eine führerzentristische neoreligiöse Dikatur anstreben würde und seine säkular-demokratischen Bündnispartner schon sehr schnell zur Seite drängen und unterdrücken würde. Umgekehrt läuft Chinas Parteiensystem immer mehr auf ein neototalitäres und expansives, nationalistisches System raus, das von einer kollektiven Führung einer Parteiherrschaft immer mehr zu einer Personenherrschaft unter Xi Jinping umgewandelt und totalisiert wird. Kurz: Für China gibt es keine Hoffnung in Richtung einer Demokratisierung oder eines chinesischen Singapurs–letzteres würde bestenfalls bei inneren Unruhen oder im Falle eines verlorenen Krieges möglich werden. Ansonsten geht China den Weg des Deutschen Reichs–recht zielstrebig vieleicht in einen sinoamerikanischen Krieg.



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