Bobi Wine und der afrikanische Frühling?

von Ralf Ostner

Gerade lief auf SRF ein Bericht über Afrikas neuen Jugendstar, den Musiker und Politiker Bobi Wine. Ein Name, den man sich vielleicht merken sollte. Bobi Wine ist bei Afrikas Jugend allseits bekannt, tourt durch den Kontinent, hat viele Fans und ruft die Jugend Afrikas zu einem afrikanischen Frühling auf. Hinzu verfolgt er eine panafrikanische Ideologie. Africa unite and awake.Der „Ghetto President“ hat seine Bewegung mit roten Baretten als Markenzeichen ausgestattet.Kommt bei den jungen Leuten sehr gut an, wird von den älteren Machthabern sehr ungern gesehen.Der Wikipediaartikel beschreibt nur seine Biografie in Uganda, aber er ist inzwischen in fast ganz Afrika bekannt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Bobi_Wine

Ihm ist auch eine eigene Solidaritätshomepage gewidmet, da er 2019 einen Prozess hat:

https://bobiwine.com/

Über Bobi Wine ist zu lesen:

„Robert Kyagulanyi Ssentamu, known as Bobi Wine, was born in Mpigi District in Uganda on 12th February 1982. He grew up in the Kamwokya slums in the northeast part of Kampala. His mother was a nurse and his father a farmer.

Bobi is a singer, musician, actor and activist. He has campaigned for hospitals sanitization, malaria prevention, refugees’ rights and children education. His songs are known as “peaceful protest” and “edutainment” (a mix between education and entertainment), focusing on the struggles of low income earners in Uganda’s ghettos and calling upon young people to join politics and change their country’s destiny. He is married to Barbara Kyagulanyi, known as Barbie, with whom he has four children.

In June of last year, he entered the political arena upon winning the Kyaddondo East district parliamentary by-election. Bobi defeated two other candidates (one from the ruling National Resistance Movement (NRM) party, the other from the main opposition party known as the Forum for Democratic Change (FDC) with over 70% of the vote. In his first statement as an MP, Bobi told the BBC that he represented a new generation: “I am going to stand up for issues. I’m here to give young people confidence”. He instantly became a voice for Uganda’s youth in the nation’s less-than-democratic political system.

Both his characteristic enthusiasm for democratic discourse and the popularity that he had earned from his prior artistic and philanthropic endeavours successfully endured the transition to politics. These assets of his found new purpose in his persistent criticism of the long-ruling President Yoweri Museveni’s administration, which he has rightly attacked as an administration built and maintained by unconstitutional means since reaching office.

But the same sharp-tongued rhetoric and bold opposition that won him the public’s favor in last summer’s by-election drew equal attention from political opponents and state security forces alike.

On the morning of August 14, 2018, Bobi was placed under arrest by SFC officers who raided and forcibly entered his hotel, ostensibly detaining him for “obstructing a motorcade.” He was then later handed over to military custody, while charges were changed to illegal possession of a firearm (though this would be a civil case). During his time in detention, Bobi was subjected to severe beatings and torture, breaking his ribs, and given multiple injections. The court martial would later drop their gun charges on August 23, and Bobi was then re-arrested by police on charges of treason.

His legal team and supporters maintain that Bobi Wine is a victim of extreme political persecution and abuse by the Ugandan authorities.

10 Facts

  • Robert Kyagulanyi Ssestamu, known as Bobi Wine, grew up in the Kamwokya slums in Kampala, Uganda.
  • Bobi is married to Barbara Kyagulanyi, known as Barbie, with whom he has four children.
  • He is a singer, musician, actor, activist and politician.
  • Bobi Wine has won several awards, such as the prestigious HiPipo Music Award (HMA) and Pearl Of Africa Music Award.
  • Bobi is a Member of Parliament for Kyadondo East Constituency.
  • In 2014, Wine was appointed a Save the Children Ambassador for their EVERY ONE Campaign, and joined a team of 14 Ugandan artists who recorded a special song and video about maternal and child health.
  • Following the 2016 election, Bobi released the song “Situka,” which challenges Ugandans to do something about corruption and injustice in their country.
  • His appeal to the youth caused the state to attempt to rein him in, at one point banning his music shows and trying to dictate what he could and couldn’t sing.
  • In September 2017, President Museveni’s ruling party introduced a bill in Parliament seeking to amend the Constitution and remove the 75-year age limit for one to run for the presidency. Bobi opposed it and alongside other MPs, he was subsequently violently arrested and detained.
  • In April 2018, he graduated with a Diploma in Legal Practice from the Law Development Centre in Kampala. By pursuing legal studies, Bobi believes that he will use that knowledge to defend the less privileged whether in the courtroom or elsewhere.“

Auch auf Facebook, Twitter und Youtube vertreten:

https://www.facebook.com/www.bobiwine.ug/

https://www.youtube.com/channel/UCyewXlyC4F7AAjrnbLvjFOw

https://twitter.com/hebobiwine?lang=de

Vielleicht steht der Region nach dem arabischen Frühling nun ein afrikanischer Frühling ins Haus. Hoffentlich wird er nicht so desaströs wie im arabischen Raum. Dass Bobi Wine eine Art Jurastudium absolviert hat, erinnert ein wenig an den damaligen Rechtsanwalt Nelson Mandela, späterer Führer des ANC.

Ja, was ist dann die Strategie für Afrika?

Der afrikanische Frühling, der auch schnell in einem neuen Südsudan oder afrikanischen Syrien ala arabischen Frühling enden kann, wenn die Alten nicht abtreten wollen und das Land lieber im Bürgerkrieg wie die Baathpartei versinken lassen samt der zu erwartenden Zertsörung und den dann ausglösten Flüchtlingswellen.,

Keine Änderung, was Stagnation bedeutet und die Probleme ebenso weiter zuspitzen wird

Die „Leitungslösung“-der Vorschlag eines geordneten Übergangs, indem man die alten korrupten Eliten in ein einigermassen luxuriöses Exil auslagert und einer neuen Generation die friedliche Transformation ermöglicht? Dies jedoch in Konkurrenz mit China, das eher die alten Eliten stützen wird, wie auch den Wunsch vieler Afrikaner nach wirtschaftlicher Entwicklung durch seine Neue Seidenstrasse noch vor sozialen Rechten entspricht und auch noch nie Kolonialmacht war, aber vielleicht Neokolonialmacht werden könnte. Die Frage ist aber, ob solch eine mehr evolutionäre Entwicklung sich angesichts der sich zuspitzenden Probleme Afrikas und dem ungeduldigen Erwartungsdruck in Form einer Erlösergestalt Bestand haben kann.

Genauso wie bei dem arabischen Frühling sehe ich bei einem afrikanischen Frühling das Problem, dass die „Twitterrevolutionäre“ relativ unorganisiert, spontant aus dem Bauch heraus (Für Demokratie, Für Panafrika, Gegegn die alten Despoten als einigendem gutklingenden Minimalkonsens) agieren, es aber an Diszipliniertheit und Erfahrung fehlt, sowie nach einer eventuellen Machtergreifung vielleicht gar nicht imstande wären aufgrund ihrer jugendlichen Unerfahrenheit das Land richtig zu verwalten und zu regieren. Es ist ein Unterschied gutklingende progressive und idealistisch gesinnte Slogans zu brüllen oder halt ein elaboriertes politisches und wirtschaftliches Programm zu haben, das darlegt, welche konkreten Schritte man nach einer eventuellen Machtübernahme verfolgen will. Zudem ist auch nicht gesagt, dass Jugend unbedingt alles besser macht–das ist auch so ein Mythos des Jugendwahns, wenngleich Generationenwechsel eine natürliche Sache ist und es sicherlich auch gebildete und junge Eliten in Afrika gibt, die es zu fördern gilt–aber eben geordnet und nach Regeln.

Eine „Leitungslösung“  wird auch erschwert durch die Existenz des Menschenrechtsgerichtshofes in Den Haag, der eine Amnestie schwer beeinträchtigt–ohne Garantie der Straffreiheit und mit der Perspektive eingeknastet zu werden statt im luxuriösen Exil oder straffrei im Inland ein auskömmliches Leben zu haben, dürfte keiner der Despoten freiwillig verzichten. Zwar mag man Den Haag gegen solche Menschenschlächter befürworten, es hat eben aber auch realpolitische Nachteile zumal der Umgang mit Despoten ala Den Haag nun auch im Umgang der USA im Falle des Khashoggimords konterkariert wird.

Hinzu kommt, dass Afrika nun immer mehr der Auseinandersetzung USA-China, muslimische Lander unter sich (Saudiarbaien-Türkei/Katar–die Türkei hat in den letzten 3 Jahren 30 Botschafte in Afrika eröffnet und im Sudan nun einen Militärstützpunkt errichtet) einheimfällt, wobei der EU eine Afrikastrategie fehlt.Mit Trump, der Afrika für ein shithole hält und den Menschenrechte nicht kümmern, wie für China, dass Afrika vor allem unter wirtschaftlichen Aspekten sieht und dem Mneschenrechte auch egal sind, wird es schwer sein, humane Herrscher zu fördern, wie dies etwa Deutschland will–wobei Frankreich und England dies nochmals recht ambivalent sehen, insofern man Deutschlands Rolle auch so idealtypisch sehen sollte.

Zudem ist der Glaube, die Jugend könne alles besser machen auch insofern zu hinterfragen, da Afrika wie alle Länder ja in gewissen Strukturen eingebettet ist, die sich nicht so einfach auflösen lassen, sei es wirtschaftliche Abhängigkeiten vom IWF, Kreditschulden , Focusierung auf Rohstoffexporte als Cash crops, Tribalismus ,etc. Egal wer da regiert, muss auf diese Strukturen Rücksicht nehmen und wird auch nicht alles über die Nacht verändern können.Trotz allem darf man bei allem Einfluss westlicher und östlicher Regierungen in Afrika nicht vergessen, dass viele der afrikanische Herrscher und auch deren Despoten auch eine Eigenrolle spielen und zumal die verschiedenen westlichen und östlichen Regierungen gegeneinander auspielen, also insofern auch einen gewissen Handlungsspielraum haben.

Afrikas desperate Lage und die Angst, dass sich nun Millionen afrikanische Flüchtlinge auf den Weg nach Europa machen könnten, bringt den Ruf nach radikalen und schnellen Lösungen der Flüchtlingsursachen hervor, der eben auch in einem afrikanischen Frühling und einer afrikanischen Jugendrevolte und Generationenwechsel seine Hoffnung sieht und darin sehr hohe Erwartungshaltungen reinprojeziert. Faktisch wird es aber keine kurzfristigen, schnellen Lösungen geben, sondern nur mittel- bis langfristige graduelle Veränderungen, die dem emotional impulsiven und durch Ungeduld und Tatendrang gekennzeichnetem Sturm- und Dranggefühl vieler Apologeten eines afrikanischen Frühlings konträr entgegenstehen. Die sich zuspitzenden Probleme Afrikas erzeugen einen Handlungsdruck, der vielerlei Formen annehmen kann, wobei aber die Gefahr besteht, dass evolutionäre Verbesserungen als als ungenügend angesehen werden und der Ruf nach schnellen, radikalen Lösungen und Erlöserfiguren hochkommen könnte.

 

 


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