FJS, Söder und das bayerische Weltraumprogramm

Söder hat mit seinem bayerischen Weltraumprogramm sehr viel Spott und Häme auf sich gezogen. Zum einen, dass er solch ein dämliches Logo dafür mit seinem Knautschgesicht und der Überschrift „Bavaria No.1″wählte, was ihm als profilierungsneurotischen Peronenkult ausgelegt wurde. Zum anderen kritisierte der niederbayerische Bauer Aiwanger, dass Söder nun wohl auf den Mond oder den Mars wolle und auch dahin abgeschossen gehöre. Auf der Strecke blieb bei diesen billigpopulistischen Anfeindungen der eigentliche Kern, nämlich die Stellung der Weltraumfahrt und die Bedeutung des Weltraums für die Welt, Europa, Deutschland und eben auch Bayerns.

Wenn Astro-Alex uns von der ISS mahnende und salbungsvolle Worte in Sachen Überlebensperpektiven der Menschheit und Schuld und Versündigung „unserer Generation“an den Jungen verabreicht, sind alle angesichts dieses kosmologischpolitischen abstrakten, nationenübergreifenden Blicks auf unseren Planeten angetan und entzückt. Auch dass ein Deutscher zum Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung nun der Kommandeur einer internationalen Raumstation wurde, erfüllt die Deutschen mit Stolz und man meint fast, dass seine Funktion als der neue Captain Kirk ala Raumschiff Enterprise nun die Welt statt am amerikanischen Wesen, nun am deutschen Wesen einer planetarischen „One World“ gesunden lässt.

Aber wenn Söder sein bayerisches Weltraumprogramm vorstellt, ergiessen sich da nur Kübel an Häme und Polemik, die gar nicht nach der Sinnhaftigkeit und dem Zweck des Projekts nachfragen. Dabei ist dies eigentlich reichlich bekannt: Der Weltraum dient heute als Stationierungsorbit für Kommunikations-, Navigations,- Wetterbeobachtungs, Frühwarnsateliiten mit denen die gesamte Funktionsfähigkeit unserer globalisierten Welt hergestellt wird. Ohne die Weltraumtechnolgie und ihre Satelliten läuft heute nichts mehr in der Welt. Zudem wollen Trump-USA, China und Russland auch noch eine Spaceforce aufstellen und den Weltraum auch noch mit Killersatelliten und anderen Waffensystemen, auch einem neuen SDI und Raketenabwehrsystems hochrüsten.US-Strategen wie Dr, Geoffry Forden ergehen sich schon in Artikeln wie „How China loses the coming Space War“ mit ihren Counterparts wie Brian Weeden „How China wins a potential Space War“in Diskussionen darüber, wie kommende Weltraumkriege wohl verlaufen würden.

Vor diesem Hintergrund ist es höchst befremdlich, dass Söders bayerisches Weltraumprogramm so lächerlich gemacht wird. Söder steht bei der Entwicklung der bayerischen, deutschen und europäischen Luft- und Weltraumfahrt in bester Tradition zu FJ Strauss und seiner engagierten Industriepolitik.  FJS schwebte als Gegenpol zur US-NASA und der Sowjetunion eine eigene europäische Luft- und Raumfahrtindustrie vor, wie auch eine eigene deutsche oder europäische Atommacht, für die die Luft- und Raumfahrt die Trägersysteme stellen sollte, wie er aber genauso die zivle Nützlichkeit dieser Projekte ganzheitlich im Auge hatte.

Linke Kritiker von FJS haben seine eigentlichen strategischen Zielsetzungen nie begriffen. Der Hauptkritiker der Linken Bernt Engelmann, der mit seiner Reihe seiner Schwarzbücher über Kohl und FJS für die inhaltliche Ausstattung der Linken während der Willy-Brandt-Wahlkämpfe und dann des Anti-Straußwahlkampfes 1980 sorgte malte da ein moralisch verwerfliches Sittengemälde aller Straußskandale von Onkel Aloisius, HS 30 bis hin zum Starfighter. Bezüglich der Starfighteraffäre fiel Engelmann auch nur ein, dass Strauß da Schmiergelder von Lockheed wie das japanische und holländische Königshaus bekommen hätte, wie Strauß auch dem Beischlaf mit einer schwarzen Prostituierten in den USA auf Kosten Lockheeds, die sein Portemonaie geklaut haben soll , bezichtigt wurde. Lauter schauerliche Moralportraits und nebensächliche Moritaten, die Kaffetantenomas und Linke erschrecken können, den analytischem Denker jedoch als Nebelkerze erscheinen, ohne zu hinterfragen, was Strauß trotz dieser Eskapaden denn strategisch beabsichtigte.

Zum einen, dass Strauß mittels des Starfighterkaufes seitens der USA garantiert bekam, dass die Rüstungsbeschränkungen für die deutsche Luft- und Weltraumindustrie der Nachkriegszeit beseitigt wurden. Zudem wollte Strauß den Starfighter zum atomwaffenfähigen Trägersystem nutzen. Nichts davon bei dem linken Engelmann. Zudem führte dies, wie auch die zahreichen Abstürze der Starfighter dazu, das man nicht mehr auf US-amerikanischen Schrott vertrauen wollte, sondern nun eigene europäische Waffensysteme wie den Tornado und dann den Eurofighter bauen konnte–ganz ohne die USA. Zumal auch das Boeing-Monopol durch den europäischen Airbus geknackt wurde,  die ESA geschaffen wurde, zumal mit Spacecenter in Oberpfaffenhofen und MBB und anderer wesentlicher Luft- und Raumfahrtindustrie in Bayern und Deutschland, sowie Europa.Die Arianne als potentielle Interkontinentalraktete einer europäischen Atommacht schwebte Strauß da ebenso vor, wie nun das Kommunikations- und Navigationssystems Europas Gallileo, das dem GPS der USA und vergleichbaren Satellitennetzwerken Chnas, Russlands und Indiens Konkurrenz macht.Zumal Söder nun eine eigene Universität für Weltraumfahrt gegründet hat. Niederbayerische Bauern der Freien Wähler wie ein Aiwanger kapieren hingegen aufgrund ihrer provinziellen Sicht gar nicht den faktischen zivilen Nutzen von Söders Weltraumprogramm, auch nicht, dass Satelliten in der Landwirtschaft ür Wetter-, Klima,-Erntevorraussagen genauso wichtig sind, wie auch zukünftig aus dem Weltraum navigierte Landwirtschaftsmaschinen. Man sollte daher eher einen Aiwanger samt Trump auf den Mars schiessen aufgrund völliger Verblödetheit, die bestenfalls mittels Kontakt mit außerirdischen Zivilisationen und exterrestrischem Leben da noch einen Intelligenzsprung erfahren könnten.

Die Antiwaingerposition sind all jene Interessensgruppen und Startreckieschauer, die einem die Kolonialisation des Weltraums schmackhaft machen wollen. Anders als die Chinesen in ihrer neuen Spacepropaganda, die die Erde filmisch in ein neues Sonnensytem verlagern wollen so träumen diese Leute von Starwars-Pilgrims, die den Weltraum besiedeln und Rohstoffe wie in Schwarzeneggers Total Recall mittels Weltraumkolonien ausbeuten,Das gab es als Phantasien auch schon zur Hochzeit des letzten Mondflugs und der US-Werner von Braunära schon mittels Sammelbänden mit futuristischen Einklebebildern an Tankstellen.

Die Space Force Trumps und Chinas wie auch Rußlands und Indiens sieht ja auch die Militarisierung des Weltalls vor. An Weltraumkolonialisation glaubt keiner der Eliten.Die Nachkommen der Pilgrims wissen, dass eine Kolonialisation der USA durch europäische Flüchtlinge auf der amerikanishen Kontinentaplatte der Erde unter harten Bedingungen möglich war, eine Weltraumkolonisation hingegen nur bestenfalls 10 Leute auf den Mars brächte, die insofern sie den Flug überstehen dort in einer Umgebung ohne Wasser und Luft, ohne die Möglichkeit Lebensittel zu erzeugen, zumal eingesperrt in einem Minicontainer nicht länger überleben und wahrscheinlich elendig verrecken würden. Deswegen hat der amerikanische Staat bisher Privatfirmen, die dies als PR-Gag zur Bekanntmachung ihrer Weltraumtechnologie anstreben bisher untersagt. Bei der Spaceforce geht es um die wirtschaftliche und militärische Nutzung des erdnahen Weltraums und selbst Rohstoffgewinnung im Weltraum ist so teuer aufgrund der Transportkosten und Logistikkosten, dass sich das nie rentieren würde., alles andere ist prestigeträchtige Symbolpolitik. Wenn man auf der Erde keine friedlichen Zustände her bekommen kann, wird man dies auch nicht im Weltraum, sondern nur im Weltraum weiter gegeneinander konkurrieren.


Grundsätzlich ist nichts gegen Weltraumprogramme zu sagen , aber man muss sie auf ihren Nutzen hinterfragen. Und da gibt es bei derartzigen Investitionen noch mehr Investitionen, dieman auf der Erde vornehmen sollte, desewegen wäre auch ein Engagement für eine Europäische oder Panamerikanische Seidenstrasse und nachhaltigen Infrastrukturbau, wie eine chinesische Seidenstrasse auf Erden sinnvoller. Man muss unterscheiden zwischen realistischen Weltraumprogrammen mit konkretem Nutzen und prestigemäßigen Weltraumprogrammen, die eher den Interessen einiger Firmen, und Sciencefictionutopisten entsprungen sind. Trump meinte, die kommende Mondmission der USA werde nicht nur zum Aufrichten einer Flagge dienen, aber dann wäre eben die Frage zu was? Um ein paar Messungen vorzunehmen, eine irgendwie geartete Station zu errichten? So genau hat in der patriotischen Welle, die an John F. Kennedy anknüpft keiner gefragt.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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