Lateinamerika als weiterer Stellvertreterort des Grossmachtkonfliktes zwischen den USA, Russland und China?

Neue Dynamik in Lateinamerika: Venezuela vor dem Kollaps, lehnt sich immer mehr China und Russland an, das auch schon mal nuklearfähige Langstreckenbomber in Venezuela landen lässt. Neuentdeckte riesige Erdölfelder in Guyana, auf die Venezuela territoriale Ansprüche erhebt, zumal Regierungskrise in Guyana und Brasiliens neuester Präsident Bolsanaro fällt nun gleich zur Amtseinführung mit folgendem Angebot an die USA auf:

Brazil’s President Open To Possibility Of U.S. Military Base, Expresses Russia Concerns

January 04, 2019 00:58 GMT

Brazilian President Jair Bolsonaro says he is open to the possibility of the United States some day opening a military base in the South American country and added that Brazil was concerned about Russia’s ties to Venezuela.

„Depending on what might happen in the world, who knows if we might have to talk about [a U.S. base] in the future,“ the 63-year-old far-right president, who assumed office on January 1, told SBT television in an interview.

„The physical issue of it might be just symbolic. Currently, American, Chinese, and Russian armed forces manage to project themselves all around the world without bases,“ he added.

Bolsonaro, who said he is a fan of President Donald Trump, said he supports U.S. policy with regard to opposing the „authoritarian regimes“ of left-wing governments in Venezuela, Cuba, and Nicaragua.

Bolsonaro said he was „concerned“ about the participation of the Russian Air Force in military drills in Venezuela in early December.

„We know what the intentions of the government of [Venezuelan President Nicolas] Maduro are. Brazil must be concerned about that,“ he said.

Russia’s Defense Ministry sent two nuclear-capable strategic bombers to Venezuela on December 10 in an unusual display of Russian military force in South America.

The bombers‘ arrival came just days after Maduro visited Moscow, seeking Kremlin support for his country, whose economy is in shambles and which is deeply in debt to Russia.

The United States condemned the Russian action at the time.

Based on reporting by Reuters and AFP

https://www.rferl.org/a/brail-us-base-russia-venezuela-trump/29690729.html

 

Lateinamerika wird möglicherweise immer mehr zum Stellvertreterschauplatz der Großmachtkonkurrenz zwischen den USA, China und Russland, zumal John Bolton in seiner neuen Afrikastrategie zuvor schon den afrikanischen Kontinent als weiteren Austragungsort dieses Grossmachtskonfliktes benannte.

Interessant ist, dass etwa auch der Lateinamerikaexperte des US Army War College, Dr. Evan Ellis Lateinamerika inzwischen als potentielles Logistikdrehkreuz für die Volksbefreiungsarmee Chinas in einem möglichen sinoamerikanischen Krieg sieht. In seinem neuesten Beitrag im  Magazin des Brazilian Navy War College (Revista da Escola de Guerra Naval) „The Impact of China on the Latinamerican Security Enviroment“ schreibt Dr. Ellis:

„Finally, Chinese military and commercial engagement with the region will give the PRC expanded strategic options in the region in a possible future conflict with the United States. Should overt hostilities break out, for example, over Taiwan, Japan, or the South or East China Seas, PRC commercial leverage in Latin America would make it difficult for the United States to mobilize a coalition in the region to support it in any war with the PRC. China’s commercial presence also expands its government’s options to collect information in the region regarding US intentions or execute covert operations in the region that could impact US deployment or sustainment flows to Asia, or create a diversionary crisis that would distract US attention and resources from such a war.

In the event of a sustained military conflict, it is not unthinkable that some countries in the region might offer the PRC the use of its ports, airfields, logistics facilities and other assets for planning and conducting operations against the United States from the hemisphere. In such circumstances, PRC knowledge of the region’s transportation and logistics infrastructure through its commercial presence, and its working relationships with Latin American military institutions and individual leaders, would arguably allow it to transition from the absence of forces in the region to a militarily effective capability against the U.S. more quickly than many commonly assume.“

Auch die Entsendung atomwaffenfähiger Langstreckenbomber Russlands nach Venezuela zeigen, dass der Konflikt der USA mit Russland und China inzwischen immer mehr  internationale Dimensionen annimmt.Ein US-Stützpunkt in Brasilien würde da in diese Dynamik passen. Ganz widerspruchsfrei ist das Ganze aber nicht. Bolsanaros Aussenminister tritt für einen christlichen Pakt zwischen Brasilien, Trump-USA und Putin-Russland ein. Bolsanaro wiederum sieht Russlands nebst Chinas Unterstützung für Venezuela als Gefahr und bietet den USA nun wiederum einen Militärstützpunkt in Brasilien an–wenngleich er mehr symbolisch gemeint sein soll. Fraglich wiederum, ob Trump daran überhaupt Interesse hat, nachdem Verteidigungsminister General Matthis und der ehemalige Southcom-Vorsitzende General Kelly aus seiner Administration ausgetreten sind und Trump betont, dass die USA nicht mehr Weltpolizist sein wollen–ist er dann überhaupt interessiert neue militärische Engagements in Lateinamerika einzugehen, auch wenn ihm die Gelegenheit geradezu auf dem Silbertablett serviert wird? Umgekehrt hatte Trump ja auch schon Maduro-Venezuela mit einer US-Intervention gedroht. Wirklich schwer zu beurteilen, was dabei herauskommen wird.

Wahrscheinlich nicht viel.Zum einen hegt Venezuela schon seit Jahrzehnten und nicht erst unter Chavez und Masuro territoriale Ansprüche gegen Guyana mit einigen Grenzkonflikten. Zu einer Besetzung kam es aber nie, zum einen weil die USA dies verhindert hätten, zum zweiten weil Venezualas Militär zwar Guyanas Miniarmee wegputzen hätte können, aber dann eine kostspielige Besatzungsarmee gewesen wäre. Diesen Kostenfaktor könnte man nun angesichts der neuentdeckten Ölfelder, die ein Vorkommen ala Venezuela und Iran übertreffen, infrage stellen, doch Maduro benötigt sein Militär erst einmal, um die Opposition zu unterdrücken und das eigene Land unter Kontrolle zu halten. Zudem dürften auch seine Verbündeten Russland und China kein Interesse haben, die territoriale Integrität Guyanas infrage zu stellen und sich in unabsehbare Abenteuer verwickeln zu lassen. Die russisxchen nuklearfähigen Langstreckenbomber sind auch eher das Signal, dass Russland eine US-Militärintervention in Venezuela nicht unbeantwortet lassen würde. Ob es aber in eine Art Kubakrise mit den USA um Venezuela einlassen würde, ist eher unwahrscheinlich, we auch die militärische Option seitens der USA, da Trump sich vor allem auf Iran und China konzentrieren will.Mag China da auch weiter in Lateinamerika vordringen, Nicaragua- und Panamakanal bauen, seine Investitionen und Militäraustausche erhöhen, so wird China doch Lateinamerika nicht als militärisches Aufmarschgebiet oder als Bedrohung gegen die USA nutzen können, zumal Bolsonaro-Brasilien sich versucht an die USA anzulehnen und Obrador-Mexiko bisher seinen Antiamerikanismus in Grenzen hält, mehr kooperiert mit Trump als potentieller chinesischer Stellvertreter zu werden.Insgesamt bleibt Lateinamerika also weiterhin keine ernsthafte Bedrohung für die USA–trotz allen Flüchtlingen, grenzüberschreitender organisierter Kriminalität, Schmuggel und Drogenhandel.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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