ZDF-Serie „Die Neue Seidenstrasse“–China als Oberschwein der Globalisierung-was will Europa?

von Ralf Ostner

Inzwischen spricht sich rum, dass China ein Jahrhundertmegaprojekt „Neue Seidenstrasse“exekutieren will, das die schon geschmälerte Rolle des Westens durch ein sinozentrisches Weltwirtschaftssystem, das überall Infrastruktur und Wirtschaftskorridore wie wahrscheinlich dann in der nächsten Stufe ein Militärstützpunktnetz ala USA weltweit zu schaffen erhofft,ersetzen will. Daher sendete das ZDF nun eine zweiteilige Serie, die hier einmal analysiert und kritisiert werden soll.

Die Machart des Films ist offensichtlich: Der Chinese okkupiert andere Länder mit Investitionen, beutet Arbeiter , Länder und die Natur aus, macht viele Versprechungen, will Länder nur in Kreditfallen für sauteuere Infrastrukturprojekte bringen, die diese Länder in Abhängigkeit und Gefügigkeit bringen wollen.Kommt einem dies nicht irgendwie bekannt vor? Machte es „der Westen“auch nach dem Kolonialismus nicht auch so? Warum hat die Weltverschuldung höchste Rekordstände, als China noch gar nicht mit seiner Neuen Seidenstrasse aktiv wurde? Weswegen sind denn viele Staaten bei westlichen Ländern und vor allem deren Banken so verschuldet, dass sie immer wieder Kunde von IWF-Austeritätsprogramme werden?Nun machen die Chinesen eine Asian Infrastructure Investmentbank (AIIB) auf zur Finanzierung ihrer Neuen Seidenstrasse und der gesamte europäische Westen von Grossbritanien, Deutschland, Frankreich, Italien bis hin zur Deutschen Bank mit Ausnahme der USA, Indien und Japan beteiligen sich daran–sind das dann keine Ausbeuter? Und die die sich nicht beteiligen nicht? Zugleich haben jetzt die USA, Indien, Japan und Australien (Quad) als Konkurrenzprojekt  ihre eigene neue Seidenstrasse beschlossen, die sich Asia-Africa-Economic-Corridor nennt. Bilden die Europäer da ein quasi antiwestlichs Bündnis mit der AIIB und Chinas Neuer Seidenstrasse, das in Konkurrenz zum Quadprojekt der USA, Indiens, Japans und Australiens steht? Nichts davon im ZDF-Bericht, der so salbungsvoll von dem ewig moralisierenden Claus Kleber im Heute Journal als der Durchblickerfilm und als Sternstunde investigativen Journalismus angekündigt wurde, die die öffentlich-rechtlichen Qualitätsmedien angeblich so auszeichne.

Tom Sutherland im der South China Mornig Post warnt vor einem Infrastrukturprojektwettrüsten zwischen beiden, das nur in einem ökonomischen Fiasko und vielen Bauruinen enden werde, da diese ganzen Projekte vor allem geopolitisch und weniger ökonomisch-rational begründet wären.Wird dies im ZDF-Bericht erwähnt? Nein. Nur der Chinese macht sowas und da die EU bisher nicht ähnliches, selbst in Europa vollbringt, wird nun die eigene Untätigkeit der EU und die breite Beteiligung europäischer Regierungen an der AIIB und Chinas Neuer Seidenstrasse den Chinesen als Vorwurf gemacht und platzt das ZDF vor Neid. Dabei könnte doch die EU eine eigene europäische Seidenstrasse Marco Polo 2 in Angriff nehmen, die Chinas Vorhof und Brückenkopf in der EU, die 16 plus 1 Gruppen aus Chinas Abhängigkeit löst, ein gesamteuropäisch integriertes Infrastruktur-und Digitalisierungsprojekt voranbringt, das Arbeitsplätze schafft, Wirtschaftswachstum generiert, das massig überflüssige Kapital in reale Projekte lenkt als in Spekulations- und Immobiliengeschäfte oder Rettungsschirme.Die Aktivität der VR China wird aufgrund der Inaktivität der EU in eine kleinkarrierte Neiddiskussion umgelenkt.

Es fehlen auch die innerchinesischen Diskussionen und Kritik am Seidenstrassenprojekt: Zum einen, dass die geradezu dogmatische Festlegung auf die Neue Seidenstrasse und die Verknüpfung mit der Person Xi Jinpings auch ihre Nachteile haben kann.Die Lebenszeitfunktion Xis kann man zwar als Stabilität sehen, aber ebenso werden damit Kritiker ausgeschaltet, die auf etwaige Rückschläge bei dem Megaprojekt nicht mehr zu Wort kommen und korrigierend eingreifen können. Alles so von einer Person abhängig zu machen, die Transformation von einer Parteidikatur in eine Personendiktatur auf Lebenszeit ist auch in China umstritten. Desweiteren mehren sich auch die Stimmen in China, die befürchten, dass die Neue Seidenstrasse sich auch als der neue Große Sprung nach vorn herausstellen könnte und man nicht soviel Resourcen und Finanzen ins Ausland und in dieses expansive Projekt stecken sollte, da ein imperial overstrech auch möglich ist, zumal man auch mehr als genug innere soziale, ökologische und wirtschaftliche Probleme hat.

Auch die Veränderungen um die Shanghai Cooperation Organization (SCO), die sich nach dem gescheiterten G7-Gipfel des Westens, der mehr ein G6 plus 1-Gipfel wurde als neues internationales Modell an multilateraler Kooperation empfahl,  werden in dem ZDF-Bericht gar nicht einmal erwähnt:  Zwar ist die neue Mitgliedschaft Indiens und Pakistans und Irans im Beobachterstatus in der SCO eine wesentliche Neuerung im internationalen System, doch sollte man auch sehen, dass Indien parallel dazu mit den USA, Japan und Australien im Quad eine eigene Seidenstrasse namens Asia-Africa-Economic Corridor in Angriff genommen hat. Merkwürdigerweise erfährt man in den Medien und eben auch in diesem vermeintlich investigativen ZDF-Bericht hierzu fast nichts, obgleich dies ein ebenso gigantisches Infrastrukturprojekt und Gegenmodell ist und man sich auch angesichts der massiven Beteiligung der Europäer an der AIIB fragen, muss, wo die EU da steht, zumal sie ja nicht einmal selbst imstande ist, eine eigene europäische Seidenstrasse in Angriff zu nehmen, sondern nur eine recht unverbindliche „Konnektivitätsplatform“ aus einzelnen EU-Infrastrukturprojekten hat, keinesfalls aber ein integriertes Infrastruktur- und Digitalisierungsprojekt mit Masterplan und Strategie, zumal die vereinzelten EU-Infrastrukturprojekte  mit Chinas europäischem Hinter- Vorhof und Brückenkopf in Europa, der 16 plus 1 Gruppe angepasst werden sollen.

Die grundsätzliche Frage ist, ob die EU noch überhaupt einen strategischen Gestaltungswillen oder gar Gestaltungsfähigkeit hat, die eine eigene europäische Seidenstrasse in Konkurrenz zu China und dem Quadprojekt hervorbringen kann oder die nationalstaatlichen Fragmetierung sowie die alleinige Konzentration der EU-Reform auf den Finanzsektor, EU-Mitgliedschaftsexpansionisemus in Sachen Mitgliedschaft des Balkans oder Euroerweiterung um Rumäniens und Bulgariens, sowie die Beteiligung an der AIIB  nicht dem Vorherrschen des Finanzkapitals, sei es nun Macron (Rothschild, Bankenkreise), Scholz (sein Berater von Goldmann Sachs), Draghi (Goldmann Sachs), geschuldet sind, die keine keynesiantischen europäischen Seidenstrassen wollen, sondern Kapital nur noch in Immobilienspekulation und die Neue Seidenstrasse stecken wollen. Interessant wäre, inwieweit sich die EU und europäische Banken an dem Quadprojekt beteiligen wollen. Aber selbst wenn, so hätten sie nur im Sinne sich an möglicherweisen Profitzentren anzudienen anstatt mittels der EU eine eigene europäische Seidenstrasse aufzustellen. Wäre dem so, existiert die EU faktisch als gestaltende Kraft in der Weltpolitik schon gar nicht mehr, trotz ihres EU-Binnenmarktes von 505 Millionen Konsumenten, trotz EU-Kommision, die ihre erhoffte Stärke ausmachen würden, aber ohne eigenen Gestaltungswillen eben international nichts darstellt, unabhängig von Brexit, 16 plus 1 und sonstigen nationalistischen Strömungen. Sie wäre dann nur noch in der Diktion Lenins ein Couponschneider des Finanzkapitals, das sich an vermeintliche Profitzentren international ranhängt und wäre das Beispiel des Parasitismus des Imperialismus, der an seinen eigenen Widersprüchen untergeht, die etwa der russische Geostratege Karaganow im Westen und vor allem der EU am Wirken sieht und die Russland und China ausnützen können und auch schon ausnützen.

Dann strotzt die ZDF-Dokumentation noch vor Bewunderung für archaischen Traditionen, rückständige und mittelalterlich anmutende, zumal ärmliche Existenzen und Hochlebenlassen alter Handwerke, die im übrigen nicht durch die Chinesen aussterben, sondern durch das Vordringen der kapitalistischen Massenproduktion in auch die entlegensten Gebiete der Welt. Da hört man aber keine Kapitalismuskritik, sondern wird das Ganze an China aufgemacht, die ja genauso handeln wie jeder kapitalitische Unternehmer des Westens.

Auch wird der häßliche Chinese in Südostasien, Usbekistan und Kirgisistan ausgemacht. In Südostasien stellen Chinesen Hotels und Spielkasinos hin, was westliche Toruistikkonzerne bekanntlich nie machen, zudem lauter chinesische Touristen und Rotlichtviertel. Als hätten die USA während des Vietnamkriegs mittels ihrer Recreate-und Refresh-Programme für ihre GIs nicht die Basis für den gesamten Rotlicht- und Sextourismus Südostasiens geschaffen, sprach man vom Ugly American, der dann von den TUI-Neckermannsextouristen aus Deutschland und Europa mittels Bummsbombern den „Ugly German“schufen. Nun machen die Chinesen dasselbe zeitversetzt und als Neureiche und wird nun so getan, als seien diese Verhaltensweisen Alleinstellungsmerkmal der Chinesen.

Dann wird von einer Goldmine in Kirgisistan berichtet, die die Sowjetunion schon mit Arsen ausgebeutet und alles verseucht hätte und nun die Chinesen diese Goldmine ausbeuten wollten, Das Verdammungsurteil des ZDF ist ausgemacht, ohne einmal zwei naheliegenden einfachen Fragen nachzugehen: Ist Goldabbau ökologisch ohne Arsen und Schwermetalle technisch überhaupt möglich, zumal Goldwäscher in anderen Gefilden ja lieber auf das ökologisch so harmlose Quecksilber zurückgreifen. Zweitens: Selbst wenn es ökologisch machbar wäre, bauen denn westliche Firmen dies so ab, ja gbt es da westliche Vorzeigeminen, die nicht die Ausnahme von der Regel sind? Aber dies wird gar nicht gefragt: Nur der Chinese ist eine kapitalistische Umweltsau, das Oberschwein der Globalisierung.. Die ist er zwar, aber eben nicht allein auf dieser Welt und dass die Chinesen Versprechungen machen, de sie oft nicht einhalten, ist ja auch keine allein chinesische Tugend.

Zudem sparte der ZDF-Bericht mit Statistiken, Experteninterviews , geopolitischen Einordnungen, volkswirtschaftlichen und weltwirtschaftlichen Einschätzungen, blieb ganz klein klein anhand einiger ausgesuchter Beispiele, wollte also gar keine wirkliche gesamtheitliche und geopolitische Einschätzung, sondern mehr ein moralisches Schauergemälde des Chinesen zeichnen.Zumal auch betont wurde, dass „die Chinesen“ „ihre Interessen knallhart durchsetzen“, geradeso als wären westliche Kapitalisten und ihre Aktionäre ein Pfadfinderclub humanitärer Philanthropen und Menschenfreunde, denen es nur um das Wohlbefinden der Menschhiet ginge und nicht um ihre Vierteljahresbilanzen. Ein Blick ins tägliche Börsenfernsehen reicht, um die Aasgeiermentalität dieser Leute  so offensichtlich zu demonstrieren, aus jedem Elend noch Profit zu ziehen und immerzu nur die „markets“im Auge zu haben und deren scheinbar naturgesetzlichen Gewinnhoffnungen zu folgen.

Und wie gesagt; Es wurde so getan, als ob nur noch China allein den Planet allein bestimme, vom Quadprojekt des Asian-Africa Economic Corridor gar nichts gebracht. Da spricht eher der neidische, inaktive Europäer und Moraldeutsche ,wenn  China, die USA, Indien, Japan und Australien weltweite Megaprojekte anschieben, jener inaktive Europäer, der nicht einmal auf die Idee kommt eine eigene EU-Seidenstrasse für erst mal nur Europa zusammenzubringen. Stattdessen nur Gekeife über Chinesen, Schürung von Paranoia gegen dieses schamvolle Verschweigen des Quad-Projekts, also des Rest-Westens, der das auch ohne das inaktive Europa durchzieht.. Zumal war die ZDF-Message schizophren: Zum einen wurde herausgestellt, dass all die Neue Seidenstrasse nur ein zum Fehlschlag verurteiltes Megaprojekt von leeren Versprechungen sei, dann aber auch immer wieder gezeigt, dass man sich aber den Erfolgsfall nur unter düstersten Perspektiven vorstellen kann, wenn es doch klappen sollte, wenn die Chinesen eben doch wesentliche Teile ihrer angeblich unhaltbaren Versprechungen einhalten sollten.

Der EU-Berater von Gazprom, Prof. Alexander Rahr kommentierte dies noch so:

„Gute Beobachtung, Herr Ostner. Allerdings denke ich nicht, dass Quad oder der Asia Africa Growth Corridor der chinesischen Silk Road Initiative etwas entgegenzusetzen hätte. Die Chinesen schalten die See-Supermacht USA durch Landexpansion aus, mit Finanzmitteln, welche die USA nicht investieren können. Die EU ist in der Tat zu einem ewigen moralischen Nörgler geworden. Ohne Strategie, nur Belehrungen. Das ist eine historische Sackgasse.“

 

 



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